Vision Team Impressum Datenschutz Werben SPENDEN Newsletter Facebook

Covid-19 Indikationen Infektionskrankheiten

Covid-19 (Corona virus disease 2019) ist eine virale Infektionskrankheit, die sich als Atemwegserkrankung mit Beschwerden wie Fieber, Husten, Atemnot, Müdigkeit und einer Lungenentzündung äussert. Sie wird vom Virus SARS-CoV-2 verursacht, ein neues RNA-Virus aus der Familie der Coronaviren. Die Erkrankung ist erstmals im Dezember 2019 in der chinesischen Millionenstadt Wuhan aufgetreten und hat sich rasch weltweit ausgebreitet. Das Virus stammt mit grosser Wahrscheinlichkeit von einem Tier, das auf einem lokalen Fisch- und Tiermarkt gehandelt wurde. Es wird hauptsächlich als Tröpfcheninfektion von Mensch zu Mensch übertragen. Seit der Entdeckung sind über eine Million Erkrankungen und zehntausende Todesfälle gemeldet worden. Die Behandlung ist bisher vorwiegend symptomatisch. Verschiedene antivirale Wirkstoffe werden derzeit getestet. Impfstoffe befinden sich in der Entwicklung, sind aber noch nicht verfügbar. Umso wichtiger sind die Massnahmen zur Vorbeugung der Ansteckung.

synonym: Corona virus disease 2019, SARS-CoV-2, 2019-nCoV, Novel coronavirus, Neues Coronavirus, Wuhan Coronavirus, Neuartiges Coronavirus

Symptome

Zu den Symptomen von Covid-19 gehören:

Das Risiko für einen schweren Verlauf und Todesfälle steigt mit zunehmendem Alter und Begleiterkrankungen (siehe unten). Die Sterberate ist höher als bei der saisonalen Grippe. Kinder haben hingegen eine gute Prognose.

Über die Erkrankung war erstmals im Dezember 2019 in der chinesischen Millionenstadt Wuhan in der Provinz Hubei berichtet worden. Die ersten Fälle standen in einem Zusammenhang mit einem lokalen Fisch- und Tiermarkt, auf dem lebende Tiere wie Geflügel, Fledermäuse, Murmeltiere und Schlangen gehandelt wurden. Dieser Markt wurde am 1. Januar 2020 von den Behörden geschlossen. Wuhan und weitere chinesische Städte wurden im Januar unter Quarantäne gestellt.

Seither sind über eine Million Menschen erkrankt und es sind zehntausende Todesfälle aufgetreten. Die Infektionskrankheit hat sich weltweit ausgebreitet, weil in der Bevölkerung keine Immunität gegen das neue Virus besteht.

In der Schweiz wurde das Virus erstmals am 25. Februar 2020 bei einem 70-jährigen Mann im Kanton Tessin festgestellt. Der erste Todesfall wurde am 5. März 2020 gemeldet. Nachdem über 1000 Infektionen nachgewiesen wurden, wurden am 13. März 2020 die Schulen geschlossen. In den folgenden Tagen wurde das öffentliche Leben stark eingeschränkt. Ende März wurden erstmals über 10'000 positive Tests gemeldet, am 4. April über 20'000.

Häufigste Symptome bei Patienten mit Covid-19, zum Vergrössern anklicken. Das Krankheitsbild ist individuell sehr unterschiedlich. Illustration © PhamaWiki

Risikogruppen und Risikoerkrankungen

Menschen mit Krankheiten, insbesondere:

Unterschiedliche Krankheitsverläufe, zum Vergrössern anklicken. Illustration © PharmaWiki

Ursachen

Die Ursache der Atemwegserkrankung Covid-19 ist eine Virusinfektion mit dem behüllten und einsträngigen RNA-Virus SARS-CoV-2 (Severe Acute Respiratory Syndrome Coronavirus 2) aus der Familie der Coronaviren. Es zeichnet sich wie andere Coronaviren durch sein grosses Genom aus.

Das Virus stammt von Wildtieren auf dem Markt in Wuhan und gelangte so zum Menschen. Genetische Analysen haben gezeigt, dass SARS-CoV-2 eng mit dem im Jahr 2002 aufgetretenen → SARS-Virus verwandt ist (Severe Acute Respiratory Syndrome) und zu den Beta-Coronaviren gehört.

Coronaviren sind seit den 1960er-Jahren bekannt und infizieren neben Menschen verschiedene Tiere wie Kamele, Rinder, Katzen, Vögel und Fledermäuse. Zu dieser Familie gehört auch das → MERS-Virus (Middle East Respiratory Syndrome). Auch bei einigen Erkältungsviren handelt es sich um Coronaviren. Fledermäuse sind das natürliche Reservoir von SARS-CoV-2 und es handelt sich ursprünglich um ein Fledermausvirus. Als Zwischenwirte werden Schuppentiere vermutet, die auch in der traditionellen chinesischen Medizin verwendet werden.

Coronaviren, zum Vergrössern anklicken. Illustration © PhamaWiki

Übertragung

Das neue Coronavirus wird vorwiegend als Tröpfcheninfektion übertragen und gelangt über die Atemwege, die Augen, die Nase und den Mund in den Körper. Dazu ist in der Regel ein relativ enger Kontakt erforderlich.

Eine Ansteckung über kontaminierte Flächen oder Gegenstände ist nicht auszuschliessen. Das Virus kann auf Oberflächen bis zu 3 Tage nachgewiesen werden.

Auch Menschen ohne Symptome oder mit einer leichten Erkrankung können das Virus weitergeben.

Das Virus wurde in verschiedenen Untersuchungen im Stuhl nachgewiesen. Es wird vermutet, dass es möglicherweise auch fäkal-oral als Schmierinfektion übertragen werden kann, auch von Infizierten ohne Symptome. Es wurde gezeigt, dass SARS-CoV-2 auch nach dem Abklingen der Atemwegsbeschwerden weiter mit dem Stuhl ausgeschieden werden kann. Der Virusrezeptor ACE2 kommt auch im Verdauungstrakt vor. Schmierinfektionen wurden bisher allerdings kaum je beobachtet.

Die Inkubationszeit beträgt 1 bis 14 Tage. Die Beschwerden treten üblicherweise relativ schnell, innert weniger Tage, auf.

Die Basisreproduktionszahl R0 gibt an, wie viele Personen ein infizierter Mensch in einer Population ohne Immunität durchschnittlich ansteckt. Sie beträgt für das neue Coronavirus mindestens 2, in der Literatur finden sich aber auch wesentlich höhere Werte. Dies führt zu einem exponentiellen Wachstum der Infizierten (2, 4, 8, 16, 32, 64, 128, 256, 512, 1024, ...). Die Basisreproduktionszahl lässt sich durch Massnahmen wie das Social Distancing reduzieren.

Die Basisreproduktionszahl beträgt für das neue Coronavirus mindestens etwa 2, zum Vergrössern anklicken. Illustration © PharmaWiki

Struktur des Virus SARS-CoV-2

Zu den Bestandteilen von SARS-CoV-2 gehören (Auswahl):

Nukleinsäuren:

Enzyme:

Strukturelle Proteine:

Struktur von SARS-CoV-2, zum Vergrössern anklicken. Illustration © PharmaWiki

Replikationszyklus von SARS-CoV-2

Das Spike-Protein bindet an Rezeptoren auf der Wirtszelloberfläche. Dabei handelt es sich um das Angiotensin-Converting Enzyme 2 (ACE2). ACE2 wird unter anderem in der Lunge, im Verdauungstrakt, im Herzen und in den Nieren exprimiert.

ACE2 ist – im Unterschied zu ACE1 – am Abbau von Angiotensin II beteiligt, das den Blutdruck erhöht und proinflammatorische Effekte zeigt. Durch die Bindung des Spike-Proteins wird die Funktion von ACE2 gehemmt, was die entzündliche Reaktion fördert. ACE2 wird durch die Virusinfektion ferner downreguliert.

Für das Eindringen in die Wirtszelle (und das Verlassen) benötigt das Virus auch die körpereigene und membranständige Protease TMPRSS2 (Transmembrane Protease Serine 2). Diese wird deshalb auch als Drug Target diskutiert.

Das Virus wird in Endosomen in die Wirtszelle aufgenommen. Aus ihnen wird die RNA freigesetzt. Sie wird einerseits für die Bildung der viralen Proteine und andererseits für die Synthese der neuen RNA benötigt. Die neu gebildeten Viren gelangen durch eine Exozytose aus der Zelle.

Replikationszyklus von SARS-CoV-2 und Angriffspunkte der antiviralen Wirkstoffe, zum Vergrössern anklicken. Illustration © PharmaWiki

Diagnose

Die Diagnose wird anhand der Patientengeschichte, der klinischen Symptome, der körperlichen Untersuchung und mit Labormethoden gestellt. Dazu wurde rasch eine Methode auf der Basis von RT-PCR (Reverse-Transkriptase-Polymerase-Kettenreaktion) etabliert.

Später wurden weitere Tests für die Serodiagnostik entwickelt, d.h. für den Nachweis von Antigenen oder Antikörpern. Diese sind wesentlich schneller und einfacher durchführbar als die RT-PCR (siehe unten).

Zu den Warnsymptomen gehören (Red Flags):

Die Sauerstoffsättigung kann mit einem Pulsoxymeter gemessen werden.

Vorbeugung

Der Nutzen von Hygienemasken ist für den eigenen Schutz begrenzt und umstritten. Sie können sinnvoll sein, wenn sich eine erkrankte Person im öffentlichen Raum bewegen muss. Die Maske muss eng anliegend getragen werden und soll bei der Durchfeuchtung gewechselt werden. Die Maske soll während des Gebrauchs nicht mit den Händen manipuliert werden. Sie wird von hinten nach vorne abgezogen. Im Anschluss sollen die Hände gewaschen oder desinfiziert werden.

Medikamentöse Vorbeugung

Impfstoffe sind noch nicht verfügbar, befinden sich aber in der Entwicklung. Sie werden in der Zukunft einen massgeblichen Beitrag für die Verhinderung der Ansteckung und für die Kontrolle der Infektionskrankheit leisten.

Der Nutzen von → Immunstimulanzien wie Echinacea, Zink, Zistrose, Vitamin C und Vitamin D ist für die Vorbeugung von Covid-19 bisher nicht nachgewiesen. Diese Mittel werden auch für die Vorbeugung der Erkältung verwendet, die auch von Coronaviren verursacht werden kann.

Medikamentöse Behandlung

Leichte Erkrankungen können zu Hause in Isolation behandelt wie eine → Erkältung oder → Grippe behandelt werden, zum Beispiel mit fiebersenkenden Arzneimitteln wie Paracetamol und anderen Schmerzmitteln. Hustenreizlindernde Arzneimittel und Expectorazien werden gegen Husten eingesetzt und abschwellende Nasensprays gegen Schnupfen.

Bei einem schweren Verlauf mit Komplikationen ist eine intensivmedizinische Betreuung im einem Krankenhaus erforderlich, welche unter anderem eine Beatmung mit Sauerstoff und eine intravenöse Flüssigkeitszufuhr einschliesst.

Antivirale Arzneimittel

Derzeit werden verschiedene antivirale Arzneimittel (Antiviralia) in klinischen Studien und experimentellen Therapien untersucht. Dabei müssen immer die potenziellen Risiken der Arzneimitteltherapien beachtet werden:

RNA-Polymerase-Inhibitoren und Nukleosid-Analoga:

TMPRSS2-Protease-Inhibitioren:

Fusionsinhibitoren:

HIV-Proteasehemmer:

Biologika:

Weitere:

Immunmodulatoren

Immunsuppressiva und Immunmodulatoren hemmen die übermässige und körpereigene Immunreaktion, welche für Symptome und Komplikationen mitverantwortlich ist (Beispiele):

ACE-Hemmer und Sartane

Klassische ACE-Hemmer sind für die Verhinderung einer Infektion nicht wirksam, weil sie ACE2 nicht hemmen, welches vom Virus für den Eintritt in die Wirtszelle benötigt wird. Bei der Virusinfektion wird ACE2 downreguliert, was seine positiven Effekte vermindert.

Ebenfalls nicht geeignet sind Sartane, da sie an einen anderen Rezeptor binden. Allerdings heben Sartane die entzündungsfördernden Wirkungen von Angiotensin II auf und könnten so möglicherweise einen positiven Beitrag leisten.

Sowohl die ACE-Hemmer als auch die Sartane können die Expression und Aktivität von ACE2 fördern und den Krankheitsverlauf möglicherweise negativ beeinflussen. Derzeit ist nicht klar, ob eine Therapieänderung erforderlich ist. Die Patientinnen und Patienten sollen die Medikamente nicht selbst absetzen!

Auch Grunderkrankungen wie ein Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen können die Aktivität von ACE2 erhöhen und dadurch das Risiko für einen schweren Verlauf erhöhen.

Beziehungen zwischen dem Renin-Angiotensin-Aldosteron-System (RAAS) und SARS-CoV-2, zum Vergrössern anklicken. Illustration © PharmaWiki

Ibuprofen

Es wurde der Verdacht geäussert, dass der nicht-steroidale Entzündungshemmer Ibuprofen den Verlauf von Covid-19 verschlechtern könnte. Dies möglicherweise auch durch eine verstärkte Expression von ACE2 (siehe oben). Es gibt hierzu nur eine kleine Studie an Ratten (Qiao W. et al., 2015). Die europäische Arzneimittelbehörde kommt zum Schluss, dass es derzeit keine wissenschaftlichen Beweise dafür gibt, dass Ibuprofen einen negativen Einfluss auf den Verlauf von Covid-19 hat. Auch die WHO warnt nicht mehr vor der Einnahme von Ibuprofen.

Immunität gegen Covid-19

Eine anhaltende Immunität gegen Covid-19 kann einerseits mit einem Impfstoff erreicht werden. Es befinden sich zahlreiche Kandidaten in der Entwicklungsphase. Ein Impfstoff ist derzeit aber noch nicht verfügbar (siehe oben).

Andererseits sind Personen immun, welche mit SARS-CoV-2 infiziert waren. Sie entwickeln also beim Kontakt mit dem Virus keine Symptome mehr.

Die Immunität kann mit zwei Methoden festgestellt werden:

Hierzu wurden auch Schnelltests entwickelt, welche innert etwa 15 Minuten durchgeführt werden können.

Covid-19 Antikörper-Schnelltest, zum Vergrössern anklicken. Illustration © PharmaWiki

Immun kann auch jemand sein, der mit dem Virus in Kontakt gekommen ist und keine Symptome entwickelt hat.

Menschen mit einer Immunität sollen sich nach wie vor an die Hygieneregeln halten, um die Übertragung des Virus von einer infizierten an eine nicht-immune Person zu vermeiden.

Immune Menschen haben offensichtliche Vorteile gegenüber nicht-immunen. Sie können sich wieder frei bewegen und zur Arbeit zurückkehren. Diese Vorteile sollen möglichst zum Wohl der Bevölkerung und der Risikogruppen genutzt werden.

Diese Vorteile können einen Druck auf die nicht-immune Bevölkerung ausüben, sich mit dem Virus anstecken zu lassen. Aufgrund der schweren Komplikationen sind ein absichtliche Infektionen und ein Risikoverhalten dringend abzulehnen!

Immunität gegen Covid-19, zum Vergrössern anklicken. Illustration © PharmaWiki

Anhang

Checkliste mit Massnahmen zum Schutz des Apothekenpersonals vor Covid-19 (2 Seiten):

PDF-Download:  Checkliste_Apotheke_Covid_19.pdf 

LiteraturAutor

Interessenkonflikte: Keine / unabhängig. Der Autor hat keine Beziehungen zu den Herstellern und ist nicht am Verkauf der erwähnten Produkte beteiligt. Autor und Illustrationen: Dr. Alexander Vögtli

Es wurden keine Artikel oder Produkte gefunden.
PharmaWiki mit Google durchsuchen.

Unterstützen Sie das PharmaWiki mit einer Spende!

© PharmaWiki 2007-2020 - PharmaWiki informiert unabhängig und zuverlässig über Medikamente und Gesundheit.
Dieser Artikel wurde zuletzt am 5.4.2020 geändert.
Impressum und Datenschutzerklärung
Produkte zu dieser Seite anzeigen