Antibiotika
Arzneimittelgruppen Antibiotika sind Arzneimittel zur Behandlung von Infektionskrankheiten, die durch Bakterien ausgelöst werden. Einige Antibiotika sind auch gegen Parasiten oder Pilze wirksam. Einige werden zur Behandlung von Krebs verwendet. Wirkungen
Indikationen
- Bakterielle Infektionskrankheiten
- Einige Antibiotika: Infektionen mit Protozoen (Antiprotozoenmittel)
- Antibiotika bei Pilzinfektionen: siehe unter Antimykotika
- Antibiotika in der Krebstherapie: siehe unter Zytostatika
Zubereitung von Antibiotika-Suspensionen für Kinder
siehe Antibiotika Suspension für Kinder
Wirkstoffe
Fusidinsäure (Steroid-Antibiotika)
Weitere:
Interaktionen
- Herabsetzung der Wirkung der Antibabypille durch Antibiotika, da diese einerseits einen Teil der Darmflora abtöten und dadurch den enterohepatischen Kreislauf von Östrogenen und dem Gestagen Levonorgestrel unterbrechen (Darmbakterien spalten die glukuronidierten Hormone, wodurch diese erneut resorbiert werden) und andererseits weil sie das CYP3A4 induzieren können (v.a. Rifampicin), durch welches Oestrogene und Gestagene abgebaut werden: Risiko einer ungewollten Schwangerschaft.
- Die Wirkung der Antibabypille bleibt bis zur nächsten Einnahmepause nach Beendung der Antibiotika-Therapie abgeschwächt.
- Obwohl diese Wechselwirkung relativ selten ist, sollten Patientinnen unbedingt darüber aufgeklärt werden.
- Durch Antibiotika verursachte Durchfälle können die schwangerschaftsverhütende Wirkung ebenfalls reduzieren.
Konsequenz: Zusätzlich nicht-hormonelle Verhütung, z.B. mit Kondomen
Milch und Milchprodukte
- Tetrazykline (z.B. Doxycyclin) und Gyrasehemmer (z.B. Ciprofloxacin, Norfloxacin) bilden mit dem in Milch und Milchprodukten enthaltenen Calcium nicht resorbierbare Komplexe, wodurch die Wirkung vermindert wird.
Konsequenz: Antibiotika-Einnahme mind. 1-2 Stunden vor oder 4 Stunden nach dem Konsum von Milch oder Milchprodukten
Mineralstoffe
- Magnesium, Zink, Eisen, Aluminium und Calcium vermindern die Wirkung von Antibiotika, da sie zu Komplexbildung führen.
- Vorsicht bei mit Mineralien angereicherten Lebensmitteln (z.B. Calcium versetzte Fruchtsäfte) oder Multivitamin-Mineralstoff-Präparaten.
Konsequenz: Einnahmeabstand
Konsequenz: Einnahmeabstand
- Gyrasehemmer interagieren mit dem Koffeinabbau.
- Erregungszustände, Herzrasen und Schlafstörungen bei gleichzeitigem Konsum von koffeinhaltigen Getränken (z.B. Kaffee, Coca Cola, Tee) und Gyrasehemmern in Folge erhöhter Koffeinkonzentration.
Konsequenz: Verzicht auf koffeinhaltige Getränke bei einer Therapie mit Gyrasehemmern
- Der durch die Infektion geschwächte Körper wird durch Alkoholkonsum zusätzlich belastet.
- Die Antibiotikawirkung kann vermindert oder die Alkoholwirkung verstärkt werden.
- Metronidazol: Alkohol-Unverträglichkeit durch Hemmung der Aldehyddehydrogenase. Bei Alkoholkonsum treten Symptome wie Hautrötungen im Kopf- und Nackenbereich, Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen und Schwindel auf.
Konsequenz: Verzicht auf Alkohol, besonders unter einer Therapie mit Metronidazol
Unerwünschte Wirkungen
- Ca. 5-30% der mit Antibiotika behandelten Patienten leiden unmittelbar bei Beginn der Antibiotika-Therapie oder auch erst bis zu 2 Monaten später an Durchfall.
- Durchfälle werden bei der Kombination von Amoxicillin und Clavulansäure (Augmentin®) besonders häufig beobachtet. Allgemein treten sie vor allem bei gegen Anaerobier wirksamen Antibiotika auf, z.B. Cephalosporine, Breitspektrumantibiotika, Clindamycin etc.
- Bei Durchfall während oder nach einer Therapie mit Antibiotika muss immer eine Infektion mit Clostridium difficile in Betracht gezogen werden. Dies ist die Ursache von ca. 10-20% der antibiotika-assoziierten Durchfälle.
- Bei milden Symptomen sind Durchfälle auf die motilitätsfördernde Wirkung der Antibiotika (v.a. Eryhtromycin) oder die veränderten osmotischen Bedingungen durch die Störung des natürlichen Gleichgewichts der Darmflora zurückzuführen. Als Gegenmassnahme wird das Antibiotikum falls möglich abgesetzt oder durch ein anderes ersetzt. Wenn danach die Symptome nicht verschwinden, wird eine Stuhl-Probe auf Clostridium difficile hin untersucht. Als zusätzliche Massnahme können peristaltikhemmende Arzneistoffe wie Loperamid eingesetzt werden und es sollte auf schwer resorbierbare Substanzen wie die Kohlenhydrate Fructose und Sorbitol oder unlösliche Nahrungsfasern (lösliche Nahrungsfasern haben dagegen eine stopfende Wirkung) verzichtet werden.
- Selten können Antibiotika auch durch allergische oder toxische Effekte Durchfall auslösen.
- Bei schweren Symptomen, Hinweisen auf eine Kolitis (Entzündung des Dickdarms) und absoluter Notwendigkeit der verschriebenen Antibiotika-Therapie wird eine Stuhl-Probe auf Clostridium difficile hin untersucht und bei positivem Ergebnis eine Behandlung der Clostridieninfektion mit Metronidazol oder Vancomycin eingeleitet. → siehe auch pseudomembranöse Colitis
- Probiotika unterstützen die natürliche Darmflora und eignen sich daher als Durchfall-Prophylaxe. Sie sind aber nicht in der Lage eine Infektion mit C. difficile zu verhindern.
- siehe auch Pseudomembranöse Colitis
- Die Störung des physiologischen Gleichgewichts der Schleimhaut- und Hautflora durch Antibiotika, erhöht die Anfälligkeit für Pilzinfektionen, insbesondere von Candida bedingtem Scheidenpilz.
Allergische Reaktionen, insbesondere Penicillinallergie
- Allergische Reaktionen können zum anaphylaktischen Schock und dadurch zum Tod führen.
- Viele Patienten glauben an einer Penicillinallergie zu leiden, obwohl es sich nur um Symptome der zu therapierenden Krankheit handelt oder die allergische Reaktion durch andere Faktoren, z.B. durch die gleichzeitige Einnahme anderer Medikamente, ausgelöst wird.
- Durch einen Hauttest kann mit etwa 99%iger Sicherheit herausgefunden werden, ob ein Patient eine Penicillinallergie aufweist oder nicht. Bei sehr starken Allergikern muss die Testsubstanz aber ausreichend verdünnt werden, da sonst bereits der Test zu systemischen Reaktionen führen könnte.
- Bei der Anamnese einer Penicillinallergie müssen detaillierte Fragen gestellt werden, z.B. wann ist die allergische Reaktion aufgetreten (in zeitlichem Zusammenhang mit dem Antibiotikum, sofort erst nach der Antibiotikatherapie…), wie hat sich die Reaktion geäussert, wie Alt war der Patient beim auftreten der allergischen Reaktion, wieso wurde das Antibiotikum verschrieben, welche zusätzlichen Medikamente wurden eingenommen etc.
- Kreuzallergien sind möglich, d.h. Personen mit Penicillinallergie reagieren zum Teil auch auf Cephalosporine allergisch. Da der Hauttest zur Erkennung von Cephalosporin-Allergien aber nicht zuverlässig ist, sollten Cephalosporine bei Personen mit Penicillin-Allergie gemieden oder nur mit grösster Vorsicht angewendet werden.
- Tetrazykline (z.B. Doxycyclin) und Chinolone (z.B. Ciprofloxacin, Norfloxacin, Ofloxacin) setzen die Lichtreizschwelle herab, so dass daraus eine erhöhte Empfindlichkeit gegenüber Sonnenexposition resultiert.
- Personen, die mit solchen Antibiotika therapiert werden, müssen auf dieses Risiko hingewiesen werden. Sie sollten sich wenn möglich im Schatten aufhalten und hoch wirksame Sonnenschutzmittel auftragen.
- Tetrazykline werden während der Entwicklungsphase in Knochen, Knorpel und Zähne abgelagert und führen so zu irreversiblen Zahnverfärbungen und einer Unterentwicklung des Zahnschmelzes. Aus diesem Grund sind Tetrazykline bei Schwangeren und Kindern unter 8 Jahren kontraindiziert.
- Die Farbe und Intensität der Verfärbung ist abhängig von der Dosis und dem verwendeten Wirkstoff.
- In seltenen Fällen wurden auch bei Erwachsenen Tetrazyklin bedingte Zahnverfärbungen beobachtet.
- Zahnverfärbungen im Zusammenhang mit Tetrazyklinen treten mit einer Häufigkeit von ca. 3-6% auf.
Sehnenschmerzen:
- Unter der Gabe von Fluorchinolonen wurden Fälle von Achillessehnenentzündungen und –rissen beobachtet.
- Bei Personen mit Sehnenerkrankungen oder –schäden in der Anamnese sollten Fluorchinolone deshalb nur mit äusserster Vorsicht angewendet werden.
- Besonders anfällig waren ältere Leute, die nebenbei systemisch mit Glucocorticoiden behandelt wurden.
- Tierversuche zeigten zudem, dass die Sehnenschäden bei Ratten mit Magnesium-Mangel deutlich stärker ausgeprägt waren also bei solchen ohne diese Unterversorgung.
Hepatotoxizität:
- Antibiotika können die Phase-I-Enzyme induzieren oder hemmen, wodurch toxische Metabolite akkumulieren.
- Die Leberschäden zeigen sich unter anderem durch den Anstieg der Leberenzymwerte, in Form von Hepatitis, Cholestase (Stauung der Gallenflüssigkeit), Fibrose, Zirrhose, immunologischen Überempfindlichkeitsreaktionen oder als Vanishing bile duct syndrome (Zerstörung der Gallengänge)
Nephrotoxizität:
- Aminoglykoside akkumulieren in den Zellen des proximalen Tubulus und führen dort zu Funktionsstörungen der Niere, z.B. Einschränkung der glomerulären Filtration. Risikofaktoren: fortgeschrittenes Alter, Dehydration, Elektrolytstörungen, Hypotonie, Nierenerkrankungen, Magnesiummangel.
- Auch Cephalosporine, Glykopeptide und einige andere Antibiotikaklassen können zu Nierenschäden führen, jedoch deutlich weniger häufig als Aminoglykoside.
Beratungshinweise
- Antibiotika sollten am Besten zusammen mit einem Glas Wasser eingenommen werden
- Begriffserklärung: “Nüchtern“ bedeutet 30-60 Minuten vor dem Essen und „mit dem Essen“ heisst, dass die Einnahme während oder unmittelbar nach dem Essen erfolgen soll.
- Auch wenn die Symptome bereits verschwunden sind, muss die Antibiotikatherapie beendet werden, da sich sonst Resistenzen ausbilden können! Das bedeutet, dass einige Erreger überleben und Abwehrstrategien gegenüber dem Antibiotikum entwickeln, so dass das Medikament schliesslich gegen diese Bakterien nicht mehr wirksam ist. Es werden also die Bakterien und nicht wie oft falsch ausgedrückt der Patient resistent!
→ Die korrekte Einnahme von Antibiotika unter genauer Einhaltung des Therapieplans ist zur Vermeidung von Resistenzen sehr wichtig!
- Zu einem früheren Zeitpunkt verschriebene Antibiotika dürfen nicht verwendet werden. Auch die Weitergabe von Antibiotikaresten an Dritte ist nicht erlaubt, da nicht alle Antibiotika gleich wirken und eine Kontrolle der Behandlung vom Arzt absolut notwendig ist. Angebrochene Packungen sollten deshalb zur Entsorgung in die Apotheke zurückgebracht werden.
- Sport kann dazu führen, dass sich die Infektion am Herz ausbreitet und zu einer Entzündung des Herzmuskels führt. Körperliche Belastung sollte daher vermieden werden, bis die Infektion vollständig ausgeheilt ist. Einen direkten Effekt von Sport auf die Wirkung von Antibiotika ist aber nicht bekannt.
- Joghurt mit probiotischen Bakterien, z.B. Bifidobakterien, helfen das durch die Antibiotika-Therapie zerstörte natürliche Gleichgewicht der Darm-, Haut- und Schleimhautflora wiederherzustellen.
Wissenswertes
- Antibiotika wirken nur bei bakteriellen Infektionen, gegen Viren sind sie unwirksam.
Literatur
- Hunold K., Müller P. Vorsicht Antibiotika! Generics & More – Das Fachmagazin von Sandoz, 2008, 4, 8-9
- Giulieri S., Mombelli G. Antibiotika-assoziierte Diarrhoe. Schweiz Med Forum, 2005, 5, 409-413
- Renggli V. Antibiotika-assoziierte Diarrhoe – Prophylaxe mit Probiotika? i.m@il-offizin, 2000, 4
- www.hexal.de → Beratungsleitfaden Antibiotika
- Fachinformation
- http://www.klinikumsolingen.de/bildungszentrum/weiterbildung/pdf/Pseudomembranoese_Colitis_Uschi_Loewer.pdf

- Sánchez A.R., Rogers R.S., Sheridan P.J. Tetracycline and other tetracycline-derivative staining of the teeth and oral cavity. Int J Dermatol, 2004, 43(10), 709-15 Pubmed

- Schweizerische Gesellschaft für Ernährung: http://www.sge-ssn.ch/fileadmin/pdf/100-ernaehrungsthemen/50-inhaltsstoffe/Nahrungsfasern_Zusatzfolien.pdf

- Österreichische Apothekerzeitung, 2008, 7: http://www.oeginfekt.at/download/experten_statement_hepatotoxizitaet_von_antibiotika_2008.pdf

- http://www.antibiotikamonitor.at/6_99/6_99_3.htm

- http://www.antibiotikamonitor.at/6_99/6_99_4.htm

Autorin
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