Unsere Vision Team Kontakt Werben SPENDEN Disclaimer Newsletter Twitter Facebook

Kapseln Darreichungsformen

Hartkapseln sind feste und einzeldosierte Arzneiformen, die aus einer Kapselhülle und einer Füllung bestehen. Die Hülle wird traditionell aus Gelatine hergestellt, in welche Farbstoffe eingearbeitet werden können, welche den Inhalt vor Licht schützen und der Identifizierung dienen. Das Füllgut enthält nebst den aktiven Wirkstoffen zusätzlich Hilfsstoffe, wie zum Beispiel Füllmittel oder Schmiermittel. Kapseln lassen sich einfach einnehmen und können rasch und in grossen Mengen produziert werden. Zu den Nachteilen gehört, dass sie nicht teilbar sind und das Schlucken einige Patienten vor Probleme stellt.

synonym: Capsulae PhEur, Hartkapseln, Hartgelatinekapseln, Gelatinekapseln

Definition

Kapseln sind feste und einzeldosierte Arzneiformen von unterschiedlicher Form und Grösse, die meistens zur Einnahme vorgesehen sind. Dieser Artikel bezieht sich auf Hartkapseln. Die → Weichkapseln werden in einem separaten Artikel behandelt. Hartkapseln enthalten im Unterschied zu diesen keine Weichmacher.

Kapseln bestehen aus einer Kapselhülle und dem Füllgut, das den Wirkstoff und Hilfsstoffe enthält. Sie wurden im 19. Jahrhundert erfunden und gehören wie die Tabletten zu den Nachfolgern der Pillen, die heute nicht mehr hergestellt werden. Kapseln sind wichtige orale Arzneiformen, sie werden aber etwas weniger häufig als Tabletten verwendet.

Hartkapseln, zum Vergrössern anklicken. Foto: © PharmaWiki

Kapselhüllen

Die Kapselhüllen bestehen traditionell aus Gelatine tierischer Herkunft. Als pflanzliche Alternative können auch Cellulosen wie die Hydroxypropylmethylcellulose (= Hypromellose) eingesetzt werden. Diese sogenannten vegetabilen Kapseln eigenen sich für Veganer oder Menschen, die aus religiösen Gründen auf Gelatine verzichten. Die grösseren Oblatenkapseln aus Stärke werden heute kaum mehr verwendet.

Die Hülle kann Hilfsstoffe wie zum Beispiel Farbstoffe enthalten. Zu den Funktionen der Farbe gehören der Schutz vor Licht, die Identifzierung und die Ästhetik.

Mit Farbstoffen oder Titandioxid können Kapseln undurchsichtig („opak“) gemacht werden. Zur Erkennung oder anderen Zwecken können Kapseln auf der Oberfläche auch bedruckt werden.

Füllung

Die Füllung besteht aus einem einzelnen oder mehreren Wirkstoffen und verschiedenen Hilfsstoffen. Dazu gehören Füllmittel wie Lactose, Mannitol und Stärke, Farbstoffe sowie Schmiermittel wie z.B. Magnesiumstearat und Siliciumdioxid.

Herstellung

Hartkapseln bestehen aus zwei vorgefertigten, zylindrischen Teilen, die im Englischen als body (Körper) und cap (Kappe) bezeichnet werden. Diese sind jeweils an einem Ende mit einem halbkugelförmigen Boden abgeschlossen, während das andere Ende offen ist.

Die Kapseln können mit Pulvern, Granulaten, Pellets, kleinen Tabletten (Mikrotabletten) und teilweise sogar mit halbfesten Zubereitungen und Flüssigkeiten gefüllt werden. Der Inhalt wird maschinell in eines der beiden Teile gefüllt und mit dem anderen verschlossen. Er muss mit der Hülle kompatibel sein.

Kapseln können mit einer manuellen Kapselfüllmaschine in kleinen Mengen auch in Apotheken hergestellt werden. Im Prinzip können auch Laien mit der entsprechenden Ausrüstung Kapseln füllen. Aufgrund verschiedener Risiken raten wir jedoch davon ab - siehe unter DIY-Medikamente. Leere Kapseln sind in Apotheken erhältlich.

Vorteile

Kapseln können rasch, einfach und diskret eingenommen werden. Im Unterschied zu den flüssigen Arzneimitteln sind sie länger haltbar. Sie benötigen nur eine kleine Verpackung, können gut gelagert werden und enthalten eine definierte Menge des Wirkstoffs. Kapseln können in grossen Mengen kostengünstig hergestellt werden. Ein unangenehmer Geruch oder Geschmack ist nicht wahrnehmbar, weil die Substanzen in eine Hülle eingeschlossen sind.

Nachteile

Das Schlucken kann unter anderem für Kinder, für Patienten mit Schluckschwierigkeiten und für ältere Menschen ein Problem darstellen. Die Dosis kann nicht oder nur mit Einschränkungen individuell angepasst werden - dies etwa im Unterschied zu Tropfen oder anderen flüssigen Arzneimitteln. Zudem muss der Wirkstoff oral verfügbar sein und die Wirkung tritt verzögert ein.

Können Kapseln geteilt oder geöffnet werden?

Im Unterschied zu Tabletten lassen sich gewöhnliche Hartkapseln nicht teilen. Einige lassen sich jedoch öffnen und der Inhalt kann zum Beispiel in Wasser oder in ein Joghurt eingestreut werden. Die Fachinformation gibt Auskunft, ob dies zulässig ist.

Nicht erlaubt ist unter Umständen das Öffnen von Kapseln mit einer veränderten Wirkstofffreisetzung. Das Öffnen kann auch bei Arzneimitteln mit potenten Wirkstoffen wie beispielsweise Zytostatika oder Hormonen und für Schwangere problematisch sein. Es kann auch ein unangenehmer Geruch oder Geschmack zu Tage treten. Der Inhalt kann die Mund- und Rachenschleimhaut reizen.

Schlucken von Kapseln

Um das Schlucken von Kapseln zu erleichtern, können sie mit etwas Wasser oder Speichel angefeuchtet werden. Dadurch wird die Oberfläche glitschig.

Freisetzung des Kapselinhalts im Verdauungstrakt

Die Gelatinehülle der Kapseln löst sich bei Körpertemperatur (zirka 37°C) in Kontakt mit dem Speisebrei auf. Dabei werden die Wirkstoffe freigesetzt, gelöst oder suspendiert und können absorbiert werden.

Lagerung

Kapseln werden in der Regel bei Raumtemperatur und trocken gemäss den Angaben in der Fachinformation gelagert. Bei einer zu hohen Luftfeuchtigkeit beginnt sich die Gelatine zu lösen. Ist sie zu tief, werden Kapseln brüchig. Die Kapseln sollen deshalb bis vor der Einnahme im Blister oder in der Verpackung gelassen werden.

siehe auch

Weichkapseln, Tabletten

LiteraturAutor

Interessenkonflikte: Keine / unabhängig. Der Autor hat keine Beziehungen zu den Herstellern und ist nicht am Verkauf der erwähnten Produkte beteiligt.


© PharmaWiki 2007-2017 - PharmaWiki informiert unabhängig und zuverlässig über Medikamente und Gesundheit.
Dieser Artikel wurde zuletzt am 28.7.2017 geändert.
Produkte zu dieser Seite anzeigen