Sulfonamide
Arzneimittelgruppen
Antibiotika Sulfonamide sind antibakteriell und antiparasitär wirksame Antibiotika. Sie werden in der Regel in Kombination mit anderen Wirkstoffen zur Behandlung bakterieller und durch Protozoen verursachter Erkrankungen eingesetzt. Bei einer längerfristigen Behandlung mit Sulfonamiden sollten die Blutwerte regelmässig überprüft werden, da sie das Blutbild verändern können. Die Patienten müssen zudem darauf aufmerksam gemacht werden, dass Sulfonamide eine Photosensibilisierung verursachen und eine starke Sonnenexposition vermeiden werden sollte. Eine weitere unerwünschte Wirkung sind Überempfindlichkeitsreaktionen. Wirkung
- antibakteriell
- bakeriostatisch
- antiparasitär gegen Protozoen
Wirkmechanismus
Sulfonamide hemmen die Synthese von Folsäure in den Mikroorganismen. Sie sind Strukturanaloga (Antimetabolite) des natürlichen Substrats p-Aminobenzoesäure und verdrängen dieses kompetitiv. Trimethoprim, das in Kombination mit Sulfamethoxazol eingesetzt wird, wirkt synergistisch.

Indikationen
Bakterielle Infektionskrankheiten, verursacht durch:
- Streptokokken
- Pneumokokken
- Aktinomyceten
- Nocardien, z.B. Nocaridose
- Chlamydien, z.B. Trachom
Einige Infektionen verursacht durch Protozoen:
- Pneumocystitis carinii, z.B. Pneumocystitis-carinii-Pneumonie (Sulfamethoxazol + Trimethoprim)
- Toxoplasma gondii, Toxoplasmose (Sulfadiazin + Pyrimethamin)
- Plasmodien
Äusserlich:
- Silbersulfadiazin (Flammazine®): Infektionsprophylaxe, Therapie von Haut- und Wundinfektionen und Verbrennungen
- Sulfacetamid (Blephamide®): Oberflächliche sulfacetamidempfindliche Augeninfektionen, z.B. Konjunktivitis. In den USA: Rosazea, Akne
Lokal im Darm:
- Entzündliche Erkrankungen im Dickdarm
Struktur und Strukturbeispiel

Wirkstoffe
Äusserlich:
- Silbersulfadiazin (Flammazine®)
- Sulfacetamid + Prednisolon (Blephamide®)
Innerlich:
- Sulfadiazin
- Trimethoprim und Sulfamethoxazol = Cotrimoxazol (Bactrim®, Generika)
- Sulfadoxin + Pyrimethamin (Fansidar®, ausser Handel)
Lokal im Darm wirksam:
- Sulfasalazin (Salazopyrin®)
Unerwünschte Wirkungen
- Gastrointestinale Beschwerden
- Blutbildveränderungen
- Allergische Hautreaktionen
- Photosensibilisierung
- Kopfschmerzen
- Gelenkschmerzen
- Hypoglykämie
Beratungshinweise
- Regelmässige Überprüfung des Blutbildes
- Ausreichende Flüssigkeitszufuhr um das Risiko für eine Kristallurie zu verringern
- Bei starker Sonnenexposition und UV-Licht kann es zu einer Photosensibilisierung kommen
Literatur
- Arzneimittel-Fachinformation
- Gross U. Kurzlehrbuch medizinische Mikrobiologie und Infektiologie, Georg Thieme Verlag, 2006
- Goodman & Gilman
Autor
Interessenkonflikte: Keine / unabhängig. Der Autor hat keine Beziehungen zu den Herstellern und ist nicht am Verkauf der erwähnten Produkte beteiligt.

