Aminoglykoside
Arzneimittelgruppen
AntibiotikaZusammenfassungAminoglykoside sind Antibiotika, die zur Behandlung bakterieller Infektionskrankheiten verwendet werden. Die meisten Aminoglykoside können nicht als oral in Form von Tabletten verabreicht werden und werden als Injektionen, Augen- und Ohrentropfen oder Crèmen eingesetzt. Sie können bei einer innerlichen Verabreichung das Gehör und die Nieren schädigen und sollen nicht während der Schwangerschaft verwendet werden.
synonym: Aminoglykosid-Antibiotika
Wirkungen
- bakterizid
- amöbizid, antiparasitär (Paromomycin)
- gehörschädigend
- nierenschädigend
- nervenschädigend
- teratogen
Wirkmechanismus
Aminoglykoside hemmen die Proteinsynthese der Bakterien durch die Bindung an Untereinheiten der Ribosomen.

Indikationen
Aminoglykoside werden bei bakteriellen Infektionskrankheiten, v.a. mit aeroben, gram-negativen Keime eingesetzt. Einige sind auch zur lokalen Behandlung in in Dermatika und Augentropfen enthalten.
Spezialindikationen (Paromomycin)
Wirkstoffe
- Amikacin (Amikin®)
- Framycetin (Neomycin B, Sofradex®, weitere)
- Gentamicin (z.B. Garamycin®)
- Neomycin (viele Salben, z.B. Mycolog®, Augentropfen)
- Netilmicin (Netromycin®, ausser Handel)
- Kanamycin (Tierarzneimittel)
- Paromomycin (Humatin®)
- Tobramycin (Obracin®, TOBI®, Tobradex®)
- Streptomycin (1. Aminoglykosid)
Dosierung
Parenterale oder lokale Applikation.
Kontraindikationen und Vorsichtsmassnahmen
- Allergie gegenüber den Wirkstoffen
- Patienten mit Muskelschwäche, z.B. Myasthenia gravis
- Schwangerschaft und Stillzeit: teratogen: Hörschäden und Taubheit bei Kindern
Interaktionen
- Andere ototoxische Medikamente: Colistin, Polymyxin B, Cephalothin, Cefaloridin, Viomycin, Cisplatin oder Vancomycin
- Diuretika, z.B. Furosemid erhöhen die Ototoxizität
- Muskelrelaxanzien: Verstärkung der neuromuskulären Blockade
Unerwünschte Wirkungen
- Irreversible Ototoxizität: v.a. bei dauerhaft hohen Konzentrationen im Plasma, aber auch bei Einzeldosen. Tinnitus, Hörverlust, Schwindel
- Reversible Nephrotoxizität durch Akkumulation der Wirkstoffe in proximalen Tubuluszellen: Nierenfunktionsstörungen, z.B. Einschränkung der glomerulären Filtration
- Neuromuskulärer Block: Muskel- und Atemlähmungen (Apnoe). Antidot: Calciumsalze
- Sehstörungen, Skotome
- Periphere Neuritis
Pharmakokinetik
Aminoglykoside sind als Polykationen oral nicht verfügbar und werden topisch oder parenteral verabreicht. Paromomycin wird peroral eingenommen, wirkt jedoch lokal im Darm.


