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NSAR Arzneimittelgruppen Schmerzmittel

Nicht-steroidale Entzündungshemmer (NSAR) sind Schmerzmittel mit schmerzlindernden, fiebersenkenden und entzündungshemmenden Eigenschaften. Sie werden für die Behandlung von Schmerzen, bei Fieber, entzündlichen und degenerativen Erkrankungen und für die Vorbeugung kardiovaskulärer Ereignisse eingesetzt. Die Effekte beruhen auf der Hemmung der Prostaglandinsynthese durch eine Inhibition der Cyclooxygenasen. NSAR müssen aufgrund der kurzen Halbwertszeit typischerweise mehrmals täglich verabreicht werden. Es existieren jedoch auch langwirksame Vertreter. Zu den häufigsten möglichen unerwünschten Wirkungen gehören Verdauungsbeschwerden und zentralnervöse Störungen. Alle NSAR können selten und vor allem bei einer längerfristigen Einnahme schwere bis lebensgefährliche Nebenwirkungen verursachen. Die Arzneimittel haben eine hohes Interaktionspotential.

synonym: Non-steroidal anti-inflammatory drugs (NSAID), Nicht-steroidale Antirheumatika, NSAIA, Nicht-steroidale Antiphlogistika, Prostaglandinsynthesehemmer, Saure Analgetika

Produkte

Nicht-steroidale Entzündungshemmer (Nicht-steroidale Antirheumatika, NSAR) sind in zahlreichen Darreichungsformen erhältlich. Dazu gehören unter anderem Filmtabletten, Tabletten, Retardtabletten, orale Suspensionen, orale Granulate, Suppositorien, NSAR-Augentropfen, Lutschtabletten, Emulgele und Cremen (Auswahl).

Der erste Wirkstoffe aus dieser Gruppe war Salicylsäure, die im 19. Jahrhundert in Form des Natriumsalzes Natriumsalicylat medizinisch verwendet wurde. Es reizte den Verdauungstrakt allerdings zu stark und hat sich deshalb nicht durchgesetzt.

Viel erfolgreicher war das acetylierte Derivat, die Acetylsalicylsäure (Aspirin®), welche kurz vor der Jahrtausendwende im Jahr 1899 von Bayer lanciert wurde und heute immer noch zu den wichtigsten NSAR gehört.

Im 20. Jahrhundert wurden zahlreiche neue NSAR entwickelt. Zu den bekanntesten gehören zum Beispiel Diclofenac, Ibuprofen und Naproxen, in der Schweiz zusätzlich die Mefenaminsäure (siehe unten).

Struktur und Eigenschaften

NSAR werden gemäss ihrer chemischen Struktur eingeteilt. Zu den Gruppen gehören unter anderem die Anthranilsäurederivate (z.B. Mefenaminsäure), die (Aryl)essigsäurederivate (z.B. Diclofenac), die Oxicame (z.B. Piroxicam), die Propionsäurederivate (z.B. Ibuprofen) und die Salicylate (z.B. Acetylsalicylsäure). NSAR werden auch als „saure Analgetika“ bezeichnet, weil viele Vertreter organische Säuren sind und typischerweise eine Carboxygruppe (-COOH) enthalten.

Der Name nicht-steroidal wird verwendet, um die NSAR von den Glucocorticoiden abzugrenzen, die zu den Steroiden gehören.

Wirkungen

Nicht-steroidale Entzündungshemmer (ATC M01A ) sind:

Die Effekte beruhen auf der Hemmung der Cyclooxygenasen und damit der Hemmung der Biosynthese der Prostaglandine und der Thromboxane. COX-2-Hemmer sind selektiv für die Cyclooxygenase-2 (COX-2).

Indikationen

Zu den Anwendungsgebieten der NSAR gehören:

Dosierung

Gemäss der Fachinformation. Viele NSAR haben eine kurze Halbwertszeit und müssen daher üblicherweise bis zu etwa dreimal täglich eingenommen werden. So hat etwa Diclofenac eine Halbwertszeit zwischen 1 bis 3 Stunden. Es wurden auch langwirksame Wirkstoffe entwickelt, insbesondere die Oxicame und Naproxen.

NSAR werden oft zusammen mit einem sogenannten → Magenschutz verordnet, in der Regel mit einem Protonenpumpen-Inhibitor (PPI), um das Risiko für die Entstehung von Magen- und Darmgeschwüren zu senken.

Missbrauch

Im Unterschied zu anderen Schmerzmitteln wie den Opioiden sind die NSAR nicht psychotrop und werden nicht als Rauschmittel missbraucht. Möglich ist jedoch ein Übergebrauch entgegen den wissenschaftlichen Empfehlungen.

Wirkstoffe

In Klammern sind bekannte Medikamente oder Originalmedikamente aufgeführt. Von vielen NSAR sind auch Generika im Handel. Es existieren weitere Wirkstoffe, die in der Schweiz nicht oder nicht mehr im Handel sind.

Anthranilsäurederivate (Fenamate):

COX-2-Hemmer:

Essigsäurederivate und Arylessigsäurederivate:

NSAR-Augentropfen:

Oxicame:

Propionsäurederivate:

Salicylate:

Sulfonanilide:

Kontraindikationen

Bei der Anwendung von NSAR müssen zahlreiche Kontraindikationen und Vorsichtsmassnahmen beachtet werden. Die vollständigen Angaben finden sich in der Arzneimittel-Fachinformation.

Interaktionen

NSAR können mit zahlreichen pharmazeutischen Wirkstoffen Wechselwirkungen auslösen. Dazu gehören beispielsweise Glucocorticoide, Antihypertensiva, Antikoagulantien, SSRI, Antidiabetika, Lithium, Probenecid, Ciclosporin, Tacrolimus und Methotrexat (Auswahl). Alkohol kann die unerwünschten Wirkungen verstärken. NSAR sind oft organische Anionen und können Substrate von CYP450-Isoenzymen sein.

Unerwünschte Wirkungen

Zu den häufigsten möglichen unerwünschten Wirkungen gehören:

Die Nebenwirkungen entstehen vor allem deshalb, weil die Prostaglandine auch physiologische Funktionen wahrnehmen. Eine Hemmung ihrer Synthese unterdrückt auch ihre erwünschten Wirkungen.

NSAR können vor allem bei einer Dauertherapie schwere bis lebensgefährliche Nebenwirkungen verursachen. Dazu gehören Magen- und Darmgeschwüre, Blutungen, Perforationen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Bluthochdruck und ein Herzinfarkt und ein Schlaganfall, Lebererkrankungen, eine Hepatitis, lebensgefährliche Hautreaktionen, eine Anaphylaxie, Blutbildveränderungen (Agranulozytose) und Nierenfunktionsstörungen bis hin zum Nierenversagen.

siehe auch

Schmerzmittel

LiteraturAutor

Interessenkonflikte: Keine / unabhängig. Der Autor hat keine Beziehungen zu den Herstellern und ist nicht am Verkauf der erwähnten Produkte beteiligt.


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Dieser Artikel wurde zuletzt am 19.12.2017 geändert.
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