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Antidepressiva Arzneimittelgruppen Psychopharmaka

Antidepressiva sind Wirkstoffe mit stimmungsaufhellenden Eigenschaften für die Behandlung von Depressionen. Es existieren verschiedene weitere Anwendungsgebiete wie beispielsweise chronische Schmerzen, Schlafstörungen, ADHS sowie Angst-, Panik- und Zwangsstörungen. Die Effekte beruhen in der Regel auf der Interaktion mit Neurotransmittersystemen im Gehirn. Viele Wirkstoffe hemmen die Wiederaufnahme von Neurotransmittern in präsynaptische Nervenzellen oder interagieren mit ihren Rezeptoren. Die maximalen Effekte treten typischerweise mit einer Verzögerung von zwei bis vier Wochen ein. Bei einigen Vertretern wurde jedoch ein unmittelbarer Wirkungseintritt festgestellt. Antidepressiva sind anfällig für Arzneimittel-Wechselwirkungen. Typische Nebenwirkungen sind Mundtrockenheit, eine Verstopfung, eine Gewichtszunahme oder ein Gewichtsverlust, Müdigkeit, Zittern, Kopfschmerzen, Schwindel, Schwitzen und Herz-Kreislauf-Störungen.

synonym: Stimmungsaufheller

Produkte

Die meisten Antidepressiva sind in Form von Filmtabletten im Handel. Daneben stehen unter anderem auch Lösungen zum Einnehmen (Tropfen), Schmelztabletten, dispergierbare Tabletten und Injektionspräparate zur Verfügung.

Die ersten Vertreter wurden in den 1950er-Jahren entwickelt. Es wurde entdeckt, dass die Tuberkulosemittel Isoniazid und Iproniazid (Marsilid®, Roche) antidepressive Eigenschaften aufweisen. Bei beiden Wirkstoffen handelt es sich um MAO-Hemmer.

Die Wirkungen des trizyklischen Antidepressivum Imipramin (Tofranil®, Geigy) wurden – ebenfalls in den 1950er-Jahren – von Roland Kuhn an der psychiatrischen Klinik in Münsterlingen im Kanton Thurgau entdeckt. Die selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) wurden ab den 1970er-Jahren entwickelt.

Struktur und Eigenschaften

Die ersten Antidepressiva wurden mehrheitlich von Antihistaminika abgeleitet. Dies gilt auch für die älteren SSRI. So ist Fluoxetin ein Derivat von Diphenhydramin. Die ersten MAO-Hemmer sind Derivate von Hydrazin.

Wirkungen

Die Wirkstoffe (ATC N06A ) haben antidepressive und stimmungsaufhellende Eigenschaften. Daneben können sie begleitende Effekte wie beispielsweise beruhigende, dämpfende, schlaffördernde, aktivierende und angstlösende Wirkungen aufweisen.

Die Effekte beruhen in der Regel auf der Interaktion mit Neurotransmittersystemen im zentralen Nervensystem. Die meisten Antidepressiva hemmen die Wiederaufnahme von Neurotransmittern wie Serotonin, Noradrenalin oder Dopamin in die präsynaptischen Nervenzellen, indem sie die Neurotransmitter-Transporter SERT, NET oder DAT hemmen (Abbildung). Dadurch wird ihre Konzentration im synaptischen Spalt erhöht und sie interagieren vermehrt mit ihren Rezeptoren an der postsynaptischen Nervenzelle. Verschiedene Antidepressiva weisen zusätzlich auch eine Affinität zu diesen Rezeptoren auf, insbesondere zu Serotonin-Rezeptoren.

Die sogenannte „Monoamin-Hypothese“ wird jedoch auch kritisch hinterfragt und es existieren weitere Vermutungen zum Wirkmechanismus.

Klassische Wirkorte von Antidepressiva in der Synpase. Illustration © PharmaWiki.

Antidepressiva werden gemäss ihrer Selektivität eingeteilt (siehe unten). Dies einerseits bezüglich der Neurotransmitter, die sie beeinflussen. Andererseits bezüglich anderer Drug Targets, mit welchen sie interagieren. Die tri- und tetrazyklischen Antidepressiva haben auch eine Affinität zu weiteren Rezeptoren wie beispielsweise dem muskarinischen Acetylcholinrezeptor, Histamin-Rezeptoren und alpha-Adrenozeptoren.

Die maximalen Wirkungen der klassischen Antidepressiva treten bei einer regelmässigen Einnahme üblicherweise erst nach zwei bis vier Wochen ein. In den letzten Jahren wurden auch Substanzen entdeckt, die innert Stunden wirksam sind. Dazu gehört zum Beispiel der NMDA-Rezeptor-Antagonist Ketamin. Schnell wirksame Antidepressiva befinden sich in der klinischen Entwicklung, etwa die neue Wirkstoffgruppe der Glyxine mit Vertretern wie Rapastinel.

Indikationen

Antidepressiva werden einerseits für für die Behandlung von Depressionen verabreicht. Andererseits existieren zahlreiche weitere Anwendungsgebiete. Dazu gehören (Auswahl):

In der Schweiz besteht nicht für alle diese Anwendungsgebiete eine Zulassung.

Dosierung

Gemäss der Fachinformation. Heute sind verschiedene Arzneimittel erhältlich, die aufgrund ihrer langen Halbwertszeit nur einmal täglich eingenommen werden müssen. Aufgrund des verzögerten Wirkungseintritts der meisten Antidepressiva ist eine kontinuierliche Therapie erforderlich. Das Absetzen soll ausschleichend erfolgen, um mögliche Entzugssymptome zu vermeiden.

Missbrauch

Antidepressiva haben keinen unmittelbaren Einfluss auf die Stimmung und euphorisieren deshalb nicht. Es existieren in der Literatur aber durchaus Berichte über Missbräuche, diese scheinen jedoch selten zu sein. Antidepressiva machen im Unterscheid zu anderen Psychopharmaka wie beispielsweise den Benzodiazepinen nicht abhängig.

Wirkstoffe

Zu den wichtigsten Arzneimittelgruppen gehören:

Trizyklische Antidepressiva (TCA):

Tetrazyklische Antidepressiva (TeCA):

Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI):

Serotonin Antagonisten und Wiederaufnahmehemmer (SARI):

Selektive Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRI):

Selektive Serotonin- und Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SSNRI):

Selektive Noradrenalin- und Dopamin-Wiederaufnahmehemmer (SNDRI):

Monoaminooxidase-Hemmer (MAOI):

Spurenelemente:

Serotonin-Vorläufer:

Melatonin-Rezeptor-Agonisten:

Phytopharmaka:

Kontraindikationen

Die vollständigen Vorsichtsmassnahmen finden sich in der Arzneimittel-Fachinformation.

Interaktionen

Antidepressiva haben im Allgemeinen ein hohes Potential für Arzneimittel-Wechselwirkungen. Viele Vertreter interagieren mit den CYP450-Isoenzymen und verlängern das QT-Intervall. MAO-Hemmer verhindern den Abbau anderer Wirkstoffe und erhöhen so ihre Plasmakonzentration. Bei der Kombination mit anderen serotonergen Arzneimitteln kann ein Serotoninsyndrom auftreten.

Unerwünschte Wirkungen

Die unerwünschten Wirkungen sind von den verwendeten Wirkstoffen abhängig. Typische Nebenwirkungen von Antidepressiva sind zum Beispiel Mundtrockenheit, eine Verstopfung, eine Gewichtszunahme oder ein Gewichtsverlust, Müdigkeit, Zittern, Kopfschmerzen, Schwindel, Schwitzen und Herz-Kreislauf-Störungen. Des Weiteren kann auch die Sexualfunktion gestört werden.

Antidepressiva können das QT-Intervall verlängern, ein Serotoninsyndrom verursachen und vor allem bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen Suizidgedanken fördern.

LiteraturAutor

Interessenkonflikte: Keine / unabhängig. Der Autor hat keine Beziehungen zu den Herstellern und ist nicht am Verkauf der erwähnten Produkte beteiligt.

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Dieser Artikel wurde zuletzt am 4.4.2018 geändert.
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