Halsschmerzen
IndikationenEine häufige Ursache für Halsschmerzen ist eine Erkältung. Die Behandlung ist symptomatisch, Schmerzmittel und lokal betäubende Arzneimittel lindern den Schmerz und mit verschiedenen Massnahmen wird versucht, die Entzündung zu vermindern. Davon abzugrenzen ist eine bakteriell verursachte Streptokokken-Angina, die mit Antibiotika behandelt werden soll. Schliesslich sind weitere Ursachen möglich, wie das Pfeiffersche Drüsenfieber und sexuell übertragbare Erkrankungen, die ebenfalls eine ärztliche Abklärung und Betreuung erfordern. synonym: Halsweh, Schluckbeschwerden, Schluckweh, Schluckschmerzen, Rachenentzündung
Symptome
Bei Halsschmerzen ist die Rachenschleimhaut entzündet und in Ruhe oder beim Schlucken treten Schmerzen auf. Die Mandeln können entzündet und geschwollen sein. Je nach Ursache treten Begleitsymptome wie zum Beispiel Schleimbildung, Husten, Heiserkeit, Fieber, Schnupfen, Krankheitsgefühl und Müdigkeit auf.
Ursachen
Ursache für Halsschmerzen ist häufig eine triviale virale Infektion, zum Beispiel eine Erkältung. Erkältungen werden von einer Reihe von Viren ausgelöst, unter anderem von Rhinoviren, Parainfluenzaviren, Coronaviren, RSV, Adenoviren und Enteroviren. Die Erkrankung ist selbstlimitierend und dauert in der Regel 7-10 Tage.
Auch andere Viren, die schwerwiegende Erkrankungen auslösen, kommen als Ursache für Halsschmerzen in Frage. Dazu gehört Herpesviren wie das Epstein-Barr-Virus (Pfeiffersches Drüsenfieber), das Herpes simplex Virus und das Cytomegalievirus. Einige Tage bis Wochen nach einer Ansteckung mit dem HI-Virus können Halsschmerzen nebst anderen Symptomen auftreten.
Besonders bei Kindern sind β-hämolysierende Streptokokken der Gruppe A eine häufige Ursache. Eine Streptokokken-Angina äussert sich unter anderem in geschwollenen und belegten Mandeln, Fieber und fehlendem Husten. Weitere Bakerien wie zum Beispiel Corynebacterium diphtheriae, Arcanobacterium haemolyticum, Neisseria gonorrhoeae, Chlamydien und Mycoplasmen kommen als Erreger in Frage.
Neben den infektiösen Ursachen können auch ein gastrooesophagaler Reflux (Sodbrennen), allergische Erkrankungen, Rauchen, Fremdkörper wie Fischgräten, Verätzungen, reizende Substanzen und Tumore Halsschmerzen auslösen.
Übertragung
Je nach infektiösem Erreger erfolgt die Übertragung als Tröpfcheninfektion oder über kontaminierte Oberflächen, durch Küssen (Pfeiffersches Drüsenfieber) oder sexuell (HIV, Gonorrhoe, Chlamydien).
Diagnose und Differentialdiagnose
Häufig ist die Ursache der Halsschmerzen trivial, d.h. es liegt eine Erkältung zugrunde und die Beschwerden verschwinden nach einigen Tagen von alleine. Bei der Diagnose sollen schwerwiegendere Ursachen wie eine Streptokokken-Angina, eine Mononukleose oder HIV ausgeschlossen werden. Gerötete und belegte Mandeln, eine Rachenentzündung, Fieber vergrösserte zervikale Lymphknoten und fehlender Husten deuten auf Streptokokken, aber nur aufgrund der Symptome kann die Diagnose nicht gestellt werden. Insbesondere bei langer Dauer, starken Beschwerden, Begleitsymptomen, belegten und geschwollenen Mandeln drängt sich eine ärztliche Abklärung auf.
Nicht-medikamentöse Behandlung
- Viel trinken, warme Tees, z.B. Kamillentee, Salbeitee
- Wärmebehandlung: Schals tragen, Wickel
- Rachen mit milden Lutschbonbons oder Bronchialpastillen feucht halten
- Halbfeste, flüssige, warme und gewürzfreie Lebensmittel reizen den Hals weniger
Medikamentöse Behandlung
- wie Oxybuprocain, Lidocain oder Ambroxol sind schmerzbetäubend und werden lokal in Form von Sprays, Gurgellösungen und Lutschtabletten angewendet. Zu den möglichen unerwünschten Wirkungen gehören Überempfindlichkeitsreaktionen.
- wie die nicht-steroidalen Entzündungshemmer sind wirksam gegen Schmerzen, Fieber und Entzündung (z.B. Ibuprofen, Naproxen, Acetylsalicylsäure). Paracetamol wirkt gegen Schmerzen und Fieber. Auch Opioide wie Codein können bei sehr starken Schmerzen angezeigt sein. NSAID werden auch topisch eingesetzt, z.B. Flurbiprofen-Lutschtabletten.
- Antibiotika werden ausschliesslich bei den selteneren bakteriellen Infekten eingesetzt. Mittel der 1. Wahl bei einer Streptokokken-Angina sind Penicilline. Bei einer Penicillinallergie werden auch Makrolide oder Cephalosporine oder Clindamycin eingesetzt. Sie verkürzen die Krankheitsdauer, verhindern Komplikationen und reduzieren die Ansteckungsfähigkeit. Bei anderen Ursachen ist der Einsatz von Antibiotka nicht angezeigt.
- Viele pflanzliche Arzneimittel werden lokal gegen Halsschmerzen und Rachenentzündung eingesetzt. Dazu gehören lokal schmerzbetäubende Präparate mit Gewürznelken, Salbei, Schleimstoffdrogen zur Reizlinderung wie Eibisch, Isländisches Moos oder immunstimulierende Echinaceapräparate. Menthol ist schmerzlindernd. Bronchialpastillen enthalten verschiedene pflanzliche Inhaltsstoffe.
- werden gegen Mikroorganismen angewendet und wirken teilweise lokalanästhetisch. Ihre Anwendung ist umstritten und sie sind aus unserer Sicht in der Regel unwirksam. Eingesetzt werden unter anderem Hexetidin, Cetylpyridiniumchlorid, Cetrimoniumbromid, Chlorquinaldol, Dichlorbenzylalkohol, Iod, Amylmetacresol, 2,4-Dichlorbenzylalkohol und Chlorhexidin.
- wie Tyrothricin und Bacitracin sind ebenfalls umstritten. Bei einer Streptokokken-Angina werden orale, nicht topische Antibiotika eingesetzt. Bei viralen Infekten sind Antibiotika wirkungslos.
siehe auch
Erkältung, Streptokokken-Angina, Mononukleose, Mandelentzündung, Heiserkeit
Literatur
- Arzneimittel-Fachinformation (CH)
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