Ibuprofen
Arzneimittelgruppen
NSAIDZusammenfassungIbuprofen ist ein nicht-steroidaler Entzündungshemmer mit schmerzlindernder, fiebersenkender und entzündungshemmender Wirkung. Es wird zur Behandlung von Schmerzen, Fieber und Entzündungszuständen verschiedener Ursache verwendet. Da bei längerer Anwendung schwere unerwünschte Wirkungen möglich sind, sollte die Therapiedauer kurz und die Dosis tief gehalten werden. Vor und während der Behandlung müssen die zahlreichen Vorsichtsmassnahmen beachtet werden. Ibuprofen gilt in tiefen Dosen im Vergleich mit anderen NSAID als besser verträglich.
synonym: Ibuprofenum PhEur, Ibuprofenum argininum, Ibuprofenum lysinum, Ibuprofenum natricum dihydricum
Produkte
Ibuprofen ist in Form von Tabletten, Dragées, Kapseln, als orale Suspension, Granulat, Zäpfchen, äusserliches Gel und Crème in vielen Arzneimitteln im Handel (z.B. Algifor®, Brufen®, Dismenol®, Ecoprofen®, Grefen®, Iproben®, Irfen®, Saridon N®). Neben dem Original Brufen® sind seit längerem Generika im Handel. Ibuprofen wird hauptsächlich oral als Tabletten eingenommen. Es gehört zu den am meisten konsumierten Schmerzmitteln weltweit und wurde als erstes NSAID nach Acetylsalicylsäure für die Selbstmedikation freigegeben.
Struktur
Ibuprofen (C13H18O2, 206.28 g/mol) gehört zur Gruppe der Propionsäurederivate. Es kam Ende der 60er Jahre in den Handel, in der Schweiz 1982 (Brufen®). Ibuprofen ist ein Racemat aus gleichen Teilen S(+)- und R(-)-Enantiomer. Das S(+)-Enantiomer Dexibuprofen ist hauptsächlich pharmakologisch aktiv und ebenfalls im Handel erhältlich. Ibuprofen liegt in Arzneimitteln als Säure, Natrium-, Arginin- oder Lysinsalz vor. Studien deuten darauf hin, dass die Wirkung schneller eintritt, wenn Ibuprofen als Salz statt als Säure eingenommen wird, weil es sich besser löst.

Wirkungen
Ibuprofen (ATC M01AE01
) ist schmerzlindernd, fiebersenkend, entzündungshemmend und leicht thrombozytenaggregationshemmend. In den tiefen Dosen, die in der Selbstmedikation angewendet werden, ist es gemäss einigen Quellen in der Literatur entgegen der gängigen Meinung nicht entzündungshemmend, da für die Entzündungshemmung hohe Tagesdosen erforderlich sind (!) Die Wirkungen von Ibuprofen beruhen wie bei allen NSAID auf der Hemmung der Synthese der Prostaglandine durch Inhibition der Cyclooxygenase.
Indikationen
Ibuprofen ist in der Selbstmedikation zur Kurzzeitbehandlung während maximal 3 Tagen zugelassen und wird bei Schmerzen im Bereich von Gelenken und Bändern, bei Rückenschmerzen, Kopfschmerzen, Zahnschmerzen, Menstruationsschmerzen, Schmerzen nach Verletzungen und Fieber bei Grippe und Erkältung eingesetzt. Auf ärztliche Verschreibung ist das Indikationsspektrum etwas breiter und es kann länger eingenommen werden.
Dosierung
In der Selbstmedikation liegt die maximale Tagesdosis für Erwachsene und Kinder ab 12 Jahren bei 1200 mg, entsprechend 3 x täglich 200-400 mg. Auf ärztliche Verschreibung können maximale Tagesdosen von bis zu 2400 mg verschrieben werden (Einzeldosis 200-800 mg), gemäss Literatur sogar bis 3600 mg. Die Halbwertszeit ist kurz und die Wirkdauer liegt bei nicht-retardierten Arzneiformen bei zirka 6 Stunden. Anwendung bei Kindern < 12 Jahren: siehe Packungsbeilage.
Kontraindikationen
- Überempfindlichkeit
- Allergie nach der Einnahme von Acetylsalicylsäure oder anderen NSAID in der Krankheitsgeschichte
- Letztes Drittel der Schwangerschaft
- Aktive Magen- oder Duodenalgeschwüre oder gastrointestinale Blutungen
- Entzündliche Darmerkrankungen
- Schwere Herz-, Leber- oder Niereninsuffizienz
Die vollständigen Vorsichtsmassnahmen finden sich in der Arzneimittel-Fachinformation. Kinder, Schwangerschaft und Stillzeit: siehe Fachinformation.
Interaktionen
Ibuprofen soll nicht zusammen mit anderen NSAID, Glucocorticoiden, SSRI oder Alkohol eingenommen werden, da dabei das Risiko für Geschwüre und Blutungen im Magen oder Darm erhöht ist.
Weitere Interaktionen sind möglich mit Diuretika, Antihypertonika, Probenecid, Sulfinpyrazon, Vitamin-K-Antagonisten, Thrombozytenaggregationshemmer, Aminoglykosiden, Acetylsalicylsäure, Sulfonylharnstoffen, Digoxin, Phenytoin, Lithium, Methotrexat, Baclofen, Chinolone, Ciclosporin, Ginkgo, Mifepriston, Tacrolimus und Zidovudin. Viele dieser Wirkstoffe sind wie Ibuprofen organische Anionen. Organische Anionen werden an der Niere aktiv sekretiert und hemmen gegenseitig kompetitiv ihre Ausscheidung in den Harn. Über diesen Mechanismus sind zahlreiche Interaktionen möglich.
Unerwünschte Wirkungen
Viele, aber nicht alle unerwünschten Wirkungen, sind abhängig von der Dosis und der Therapiedauer. Ibuprofen gilt zumindest in tiefen Dosen im Vergleich mit anderen NSAID als relativ gut verträglich.
Häufig:
- Übelkeit, Völlegefühl, Sodbrennen, Magenschmerzen, Durchfall, Verstopfung, Magenentzündung, Kopfschmerzen
Gelegentlich:
- Erbrechen, okkulte Blutverluste, Schwindel, Müdigkeit, Schwäche, Nesselsucht, Juckreiz, Hautausschläge, Nierenfunktionsstörungen, Asthmaanfall, Leberfunktionsstörungen
Sehr selten:
- Blutbildveränderungen, schwere Überempfindlichkeitsreaktionen, psychische Störungen, Verwirrung, Angst, Sehstörungen, Ohrensausen, Schwerhörigkeit, Verschlechterung einer Hypertonie oder Herzinsuffizienz, schwere Hauterkrankungen wie Stevens-Johnson-Syndrom, Nierenerkrankungen, Magen-Darm-Blutungen, Magen-Darm-Geschwüre
siehe auch
NSAID, Paracetamol, Organische Anionen
Literatur
- Arzneimittel-Fachinformation (CH, DL, USA)
- Davies N.M. Clinical pharmacokinetics of ibuprofen. The first 30 years. Clin Pharmacokinet, 1998, 34(2), 101-54 Pubmed

- Derry C., Derry S., Moore R.A., McQuay H.J. Single dose oral ibuprofen for acute postoperative pain in adults. Cochrane Database Syst Rev, 2009, CD001548 Pubmed
- Europäisches Arzneibuch PhEur
- McQuay H.J., Moore R.A. Dose-response in direct comparisons of different doses of aspirin, ibuprofen and paracetamol (acetaminophen) in analgesic studies. Br J Clin Pharmacol, 2007, 63(3), 271-8 Pubmed

- Moore N. Ibuprofen: a journey from prescription to over-the-counter use. J R Soc Med, 2007, 100 Suppl 48, 2-6 Pubmed
- Shah S.S., Ohlsson A. Ibuprofen for the prevention of patent ductus arteriosus in preterm and/or low birth weight infants. Cochrane Database Syst Rev, 2006, CD004213 Pubmed

- Southey E.R., Soares-Weiser K., Kleijnen J. Systematic review and meta-analysis of the clinical safety and tolerability of ibuprofen compared with paracetamol in paediatric pain and fever. Curr Med Res Opin, 2009, 25(9),2207-22 Pubmed



