Grippe
Indikationen
InfektionskrankheitenZusammenfassungDie Grippe ist eine von Influenzaviren ausgelöste virale Infektionskrankheit, die durch Tröpfchen oder direkten Kontakt mit Sekreten übertragen wird. Die Krankheit äussert sich durch Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen und Reizhusten. Die Behandlung erfolgt kausal mit antiviralen oder symptomatisch unter anderem mit hustenreizlindernden, schmerzlindernden und fiebersenkenden Arzneimitteln. Zur Vorbeugung wird älteren Menschen, Personen mit chronischen Krankheiten sowie Medizin- und Pflegepersonal die Grippeimpfung empfohlen.
synonym: Influenza, Saisonale Grippe, Echte Grippe
Beachten Sie auch die folgende Seite: Schweinegrippe
Symptome
- Hohes Fieber
- Schüttelfrost
- Muskel- und Kopfschmerzen
- Gliederschmerzen
- Schweissausbrüche
- Schwäche, Müdigkeit
- Halsschmerzen
- Trockener Reizhusten, akute Bronchitis
- evt. Schnupfen oder verstopfte Nase
- evt. Gastrointestinale Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen und Durchfall, vor allem bei Kindern
Virusvermehrung
Virusvermehrung in den Epithelzellen der Atemwege:
Verlauf
Die Inkubationszeit ist kurz und liegt in der Regel bei 1-3 Tagen. Die Dauer der infektiösen Phase liegt zwischen 3-5 Tagen.
Ursachen
Die Grippe wird durch Influenzaviren vom Typ A, B und C (C nicht beim Menschen) ausgelöst.
Übertragung
Die Grippe wird als Tröpfcheninfektion beim Sprechen, Husten, Niesen oder durch direkten Kontakt mit Sekreten, z.B. beim Händeschütteln übertragen.
Reservoir: Influenza-A-Viren können auch in Säugern, z.B. im Schwein und in Vögeln überleben, Influenza-B-Viren kommen dagegen nur beim Menschen vor.
Epidemiologie
- Tritt vor allem im Winter auf, da kalte trockene Luft die Verbreitung in Folge erhöhter Überlebensdauer der Viren begünstigt.
- Hauptpatientengruppe: Kinder und ältere Menschen
- Todesfälle treten vor allem bei älteren Menschen auf
- Influenzaviren können bei Temperaturen < 20°C mehrere Stunden und in Wasser sogar bis zu einigen Monaten überleben, zudem bleiben sie auch in eingetrocknetem Speichel mehrere Stunden infektiös
Komplikationen
Treten vor allem bei älteren Patienten mit vorbestehenden Grunderkrankungen, z.B. bei Lungen-, Herz- und Stoffwechselkrankheiten, auf:
- Bakterielle Superinfektion, besonders der Atemwege
- Mittelohrentzündung, vor allem bei Kindern
- Lungenentzündung, vor allem bei älteren Patienten
- Kardiovaskuläre Probleme
- Myokarditis
- Bei Kindern und Jugendlichen mit einer Salicylat-Behandlung: Reye-Syndrom, eine Schädigung des Gehirns und der Leber
→ Bei länger andauerndem Husten oder Nicht-Ansprechen auf Antitussiva besteht der Verdacht einer Lungenentzündung.
Risikofaktoren
- Alter: häufig bei Kindern und bei älteren Menschen
- Chronische Erkrankungen, besonders Lungen-, Herz- und Stoffwechselkrankheiten
- Immunsuppression
Diagnose
- Die Diagnose erfolgt beim Arzt durch einen Nasen- oder Rachenabstrich
Differentialdiagnose
- Erkältung, Infektionen mit RSV (Respiratory syncytial virus), Lungenentzündung, HIV-Infektion, Meningitis, Zeckenbiss, weitere
Erkältung und Grippe sind durch unterschiedliche Viren ausgelöste Infektionskrankheiten der Atemwege. Da sie durch sehr ähnliche Symptome charakterisiert werden, ist in der Praxis eine Unterscheidung zwischen einer starken Erkältung und einer leichten Grippe nicht ganz einfach.
| Erkältung (grippaler Infekt) | Grippe | Beginn | langsamer Beginn | plötzlicher Beginn |
| Krankheitsverlauf | 1. Phase: Trockener, kratzender Hals, Niesreiz 2. Phase: Laufende Nase mit zunehmender Gelb-Verfärbung der Nasensekrete | 1. Phase: Frösteln, Fieber |
| Symptome | Verstopfte oder laufende Nase Halsschmerzen Fieber Kopf- und Gliederschmerzen Müdigkeit und Schüttelfrost: wenig ausgeprägt oder fehlend Fieber tritt bei Erkältungen meistens nur bei Kindern auf | Hohes Fieber Kopf- und Gliederschmerzen Müdigkeit Reizungen der Bindehaut und der Atemwege (z.B. Husten und eventuell Schnupfen) eventuell Übelkeit und Durchfall (gehören aber nicht zu den Leitsymptomen einer Grippe) |
| Saisonale Häufung | Frühjahr und Herbst | Winter (Höhepunkt im Februar und März) |
Nicht-medikamentöse Therapie
- Auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten, z.B. heisser Tee
- Bettruhe, Vermeiden von Anstrengungen
Fieberbehandlung:
- Kühlende Wickel (kühles Wasser oder Essigwasser, d.h. 1/3 Essig und 2/3 Wasser)
- Bad: Wassertemperatur 2°C unter der Körpertemperatur
- Körperbenetzung mit einem Schwamm oder Waschlappen (lauwarmes Wasser verwenden)
Kausale medikamentöse Therapie
Antiviralia wirken ursächlich gegen die Vermehrung der Viren. Die Therapie sollte spätestens 48 Stunden nach Krankheitsbeginn eingeleitet werden:
- Oseltamivir (Tamiflu®)
- Zanamivir (Relenza®)
M2-Kanal Inhibitoren sind heute weniger gebräuchlich:
- Amantadin (PK-Merz®, Symmetrel®) (nur gegen Influenza-A-Viren wirksam)
Symptomatische medikamentöse Therapie
Siehe auch einzelne Indikationen:
- Bei Personen, die nicht zu den Risikogruppen gehören
- Topische Lokalanästhetika zur Betäubung der Schmerzen
- Topische Desinfektionsmittel (z.B. Cetylpyridinchlorid) zur Bekämpfung von Mikroorganismen
- Analgetika, z.B. Paracetamol oder Ibuprofen
- Caveat: Salicylate wie Acetylsalicylsäure (Aspirin®) sind bei Kindern wegen der Gefahr eines Reye-Syndroms kontraindiziert)
- Antipyretika, z.B. Paracetamol oder Ibuprofen
Kältegefühl und Schüttelfrost:
- Antihistaminika sind in einigen Kombinationspräparaten gegen Grippe enthalten (siehe unten). Die entsprechenden Wirkstoffe sind auch als Monopräparate im Handel: Doxylamin (Sanalepsi®), Diphenhydramin (Benocten®)
- Pflanzliche Sedativa
- Die Behandlung der anderen Symptome (Fieber, Husten) kann ebenfalls zur Linderung der Schlafstörungen beitragen.
Schnupfen / verstopfte Nase:
- Abschwellende Nasensprays (z.B. Xylometazolin)
- Befeuchtende Nasensprays (z.B. Meersalzlösung)
- Inhalationen
- Nasenspülungen
- siehe entsprechender Artikel
Kombinationspräparate
Kombinationspräparate enthalten mehrere Wirkstoffe und sind zum Beispiel gegen Fieber, Schmerzen, Schnupfen und Schlafstörungen wirksam. Sie sind bei Fachleuten unter anderem aufgrund des erhöhten Risikos für unerwünschte Wirkungen sowie Interaktionen mit anderen Medikamenten umstritten, bei den Patienten hingegen sehr beliebt. Auswahl:
- NeoCitran® Grippe/Erkältung (Paracetamol, Phenylephrin, Pheniraminmaleat, Vitamin C)
- Pretuval® (Paracetamol, Dextromethorphan, Pseudoephedrin; Pretuval C®: zusätzlich Vitamin C)
- Vicks MediNait® (Paracetamol, Dextromethorphan, Ephedrinsulfat, Doxylamin)
Wirkungen der Inhaltstoffe:
- Paracetamol ist schmerzlindernd und fiebersenkend
- Dextromethorphan ist hustenreizlindernd
- Phenylephrin sowie Pseudoephedrin und Ephedrinsulfat führen zu einer Abschwellung der Nasenschleimhaut
- Doxylamin und Pheniramin sind beruhigende und schlaffördernde Antihistaminika, die durch ihre anticholinerge Wirkung zudem die Schleimprodukt vermindern.
- Vitamin C ist wichtig für ein gut funktionierendes Immunsystem. Daher ist der Vitamin C-Bedarf bei Fieber und Grippe erhöht.
Alternative Therapien (Auswahl)
Phytotherapie:
Homöopathie:
- Oscillococcinum® Globuli (Boiron)
- Fieber und Grippe Nr. 1 und 2 (Similasan)
- Grippe und Erkältung (Similasan)
- Spenglersan® Kolloid G
Antroposophische Medizin:
Zahlreiche weitere alternativmedizinische Präparate
Prävention
Chemoprophylaxe:
- Prophylaktische Verabreichung von Antiviralia an noch nicht erkrankte Personen bei einem Grippeausbruch in einer geschlossenen Gemeinschaft.
Impfung:
Das BAG empfiehlt die Grippeimpfung:
- Personen über 65 Jahre
- Personen mit chronischen Erkrankungen (vor allem Herz-, Lungen- und Stoffwechselkrankheiten)
- Immunsupprimierte Personen
- Medizinal- und Pflegepersonal
- Personen mit regelmässigem Kontakt zu Vögeln
Die Grippeimpfung muss jedes Jahr Mitte Oktober - Mitte November erneuert werden, da die Wirkung aufgrund der sich schnell verändernden Antigene nur von begrenzter Dauer (ca. 6 Monate) ist. Im Fall einer Grippewelle kann die Impfung aber auch noch später durchgeführt werden, die volle Ausbildung des Impfschutzes benötigt allerdings ca. 2 Wochen.
Präparate:
- Fluarix®, Mutagrip® (Virenfragmente, N, H)
- Influvac® (N, H)
- Influvac plus®, Inflexal® V (N und H in Membran eingebaut)
siehe auch
Pharmaquiz
Literatur
- Richtlinien zur Bekämpfung übertragbarer Krankheiten. Bundesamt für Gesundheit Abteilung Epidemiologie und Infektionskrankheiten, 1996
- Infektionsnetz Österreich: http://www.infektionsnetz.at

- Robert Koch Institut: http://www.rki.de/

- pharmManuel 2009
- Gross U. Kurzlehrbuch medizinische Mikrobiologie und Infektiologie, Georg Thieme Verlag, 2006
- Roxas M., Jurenka J. Colds and influenza: a review of diagnosis and conventional botanical, and nutritional considerations. Altern Med Rev, 2007, 12(1), 25-48 Pubmed

- Centers for Disease Control and Prevention CDC http://www.cdc.gov/flu

- Lowen A.C. et al. Influenza virus transmission is dependent on relative humidity and temperature. PLoS Pathog, 2007, 3(10), 1470-6 Pubmed

- Sikora C. Einfluss von Rezepturverbesserungen auf die Zytotoxizität von Nasalia, 2004, Dissertation Medizinische Fakultät Universität Greifswald
- http://www.burgerstein.ch/

Abbildungen:
- Lilian Bernasconi, 2008




