PharmaWiki-News Krankheiten Wirkstoffe Arzneimittelgruppen Heilpflanzen Parapharmazie
Suche
  
Produkte    



Über PharmaWiki

Vision | Team | Kontakt
Nutzungsbedingungen
Facebook-Profil

Dextromethorphan

Arzneimittelgruppen Antitussiva

Dextromethorphan ist ein Wirkstoff aus der Gruppe der Antitussiva, der zur Behandlung von Reizhusten verschiedener Ursache zugelassen ist. Es ist in zahlreichen Arzneimitteln enthalten und ist eines der meistverkauften synthetischen Hustenmittel. Die Wirksamkeit gegen Husten ist in der wissenschaftlichen Literatur nicht unbestritten. Überdosiert ist Dextromethorphan psychotrop wirksam und wird deshalb vor allem von Jugendlichen auch als Rauschmittel missbraucht. Dextromethorphan ist besser verträglich als Codein, aber anfällig für Arzneimittel-Wechselwirkungen.

synonym: Dextromethorphanum, Dextromethorphani hydrobromidum PhEur, DXM, DM, Dextrometorphan

Produkte

Dextromethorphan ist in der Schweiz in zahlreichen, auch kombinierten, Husten-, Erkältungs- und Grippemitteln enthalten, zum Beispiel in Bexin®, Bexomed®, Calmperphan®, Clemesin®, Dextro-Med®, Pretuval® Pulmofor®, Vicks Medinait® und ehemals in Romilar® (ausser Handel). Es ist in Form von Sirupen, Tropfen, Tabletten, Lutschtabletten, Kapseln, Brausetabletten, Pulvern und Granulaten erhältlich und wird auch als Tierarzneimittel für Pferde, Hunde und Katzen verkauft. Es ist in der Schweiz seit 1950 zugelassen.

Struktur und Eigenschaften

Dextromethorphan (C18H25NO, Mr = 271.40 g/mol) wurde als Analog von Codein entwickelt und hat ein Morphinan-Grundgerüst. Das am häufigsten verwendete Salz ist das Dextromethorphanhydrobromid, ein weisses, kristallines Pulver, das in Wasser wenig löslich ist.

Wirkungen

Dextromethorphan (ATC R05DA09 ) soll am Hustenzentrum des Hirnstamms hustenreizstillend wirksam sein. Die klinische Wirksamkeit ist in der wissenschaftlichen Literatur umstritten und insbesondere bei Kindern steht der Nachweis aus. Es wurde die Vermutung geäussert, dass es nur bei induziertem und chronischem, nicht aber beim akuten Erkältungshusten wirksam ist, für dessen Behandlung es am meisten verwendet wird. Hustenmittel haben einen hohen Placeboeffekt und die süsse Grundlage von Sirupen (Zucker, Honig) ist möglicherweise antitussiv. Es wurden neuroprotektive, antikonvulsive und bei neuropathischem Schmerz schmerzlindernde Eigenschaften nachgewiesen. In hohen Dosen ist es psychotrop, soll aber nicht körperlich abhängig machen. Eine psychische Abhängigkeit kann bei regelmässigem Missbrauch hoher Dosen auftreten.

Wirkmechanismus

Die Wirkungen werden unter anderem dem nicht-kompetitiven Antagonismus am N-Methyl-D-Aspartat-(NMDA)-Rezeptor und dem Agonismus am Sigma-Rezeptor zugeschrieben. Auch Effekte auf Serotonin und Dopamin sollen beteiligt sein. Dextromethorphan ist strukturell ein Opioid, bindet aber selbst sehr schwach oder gar nicht an Opioidrezeptoren. Der Sigma-Rezeptor wird heute nicht mehr zu den Opioid-Rezeptoren gezählt.

Indikationen

Dextromethorphan ist zur Behandlung von Reizhusten verschiedener Ursache zugelassen. Es wurde in Kombination mit Chinidin bei emotionaler Labilität mit häufigem Weinen und Lachen bei Patienten mit neurologischen Störungen und als Schmerzmittel gegen neuropathische Schmerzen untersucht. Chinidin ist ein starker Hemmer von CYP2D6, erhöht die Plasmakonzentrationen und ermöglicht die Passage über die Blut-Hirn-Schranke (→ siehe unter Dextromethorphan und Chinidinsulfat).

Dosierung

Dextromethorphan wird 3 bis 4 mal täglich als Einzeldosis vorzugsweise nach dem Essen eingenommen. Bei Erwachsenen beträgt die Einzeldosis 25 mg bis 30 mg (Kinder: siehe Fachinformation). Im Handel sind auch retardierte Arzneiformen erhältlich, die den Wirkstoff verzögert freisetzen und deshalb nur morgens und abends eingenommen werden müssen.

Missbrauch als Rauschmittel

Bei einer Überdosierung werden die unerwünschten Wirkungen weiter verstärkt und es treten Effekte wie Müdigkeit, Schläfrigkeit, Atemdepression, schneller Herzschlag, Bluthochdruck, Sehstörungen, Nystagmus, Ataxie, Krämpfe, Erregbarkeit, Verwirrtheit, Sinnesstörungen, Halluzinationen, Psychosen und Koma auf. Ein tödlicher Ausgang ist möglich.

Dextromethorphan wird vor allem von Jugendlichen als Rauschmittel missbraucht. Bei der überdosierten Einnahme ab etwa 100 mg treten dosisabhängig psychotrope Wirkungen wie Euphorie, Halluzinationen und Dissoziation („Out-of-Body-Experience“) auf. Die Effekte ähneln jenen von Ketamin und Phencyclidin. Dextromethorphan ist bisher in Apotheken rezeptfrei und kostengünstig erhältlich und deshalb für Experimente relativ einfach zu beschaffen. Der Apothekerverband des Kantons Zürich empfiehlt zum rezeptfreien Umgang mit dextromethorphanhaltigen Medikamenten folgende Vorsichtsmassnahmen, um dem möglichen Missbrauch und schweren unerwünschten Wirkungen entgegenzutreten:

Diese Vorsichtsmassnahmen sind gesetzlich nicht bindend, der Apotheker oder die Apothekerin soll situativ entscheiden. Eine zurückhaltende Abgabe ist sicher sinnvoll, um gesundheitliche Risiken des Missbrauchs zu vermeiden.

Kontraindikationen

Dextromethorphan ist bei Überempfindlichkeit, der Behandlung mit einem MAO-Hemmer oder mit serotoninergen Arzneimittel, wie zum Beispiel gewissen Antidepressiva (u.a. SSRI) aufgrund der Gefahr eines Serotoninsyndroms kontraindiziert. Mit Vorsicht anwenden bei Asthma bronchiale, chronisch-obstruktiver Lungenerkrankung, Erkrankungen mit Atemeinschränkungen und bei einer erhöhten Schleimbildung (produktiver Husten). Die Interaktionen und die Pharmakogenetik müssen beachtet werden. Die vollständigen Vorsichtsmassnahmen finden sich in der Arzneimittel-Fachinformation.

Interaktionen

Dextromethorphan wird rasch und vollständig absorbiert und in der Leber von CYP2D6 zu aktiven Metaboliten biotransformiert. Die Metaboliten sind zudem Inhibitoren von CYP2D6. Deshalb sind mit Substraten und Hemmern von CYP2D6 Interaktionen möglich. Alkohol kann die unerwünschten Wirkungen verstärken. Die gleichzeitige Anwendung serotoninerger Arzneimittel ist kontraindiziert (Serotoninsyndrom).

Pharmakogenetik: 10 bis 15% der Bevölkerung sind langsame Metabolisierer von CYP2D6: die Plasmakonzentration, die Verweildauer im Organismus und das Risiko für unerwünschte Wirkungen ist erhöht.

Unerwünschte Wirkungen

Gelegentlich treten Übelkeit, Verstopfung, Erbrechen, Müdigkeit und Schwindel auf. Selten kommt es zu Verwirrtheit, Unruhe, Atemdepression, Appetitmangel, Durchfall und sehr selten zu Dystonie und Muskelkrämpfen.

siehe auch

Antitussiva, Ketamin, NMDA-Antagonisten

Literatur

Autor

Interessenkonflikte: Keine / unabhängig. Der Autor hat keine Beziehungen zu den Herstellern und ist nicht am Verkauf der erwähnten Produkte beteiligt.

Weitere Informationen


© PharmaWiki 2007-2013 - PharmaWiki informiert unabhängig und zuverlässig über Medikamente und Gesundheit.
Alle Inhalte sind werbefrei. Dieser Artikel wurde zuletzt geändert am 27.4.2013
Produkte zu dieser Seite anzeigen