Paracetamol
Arzneimittelgruppen
SchmerzmittelParacetamol ist ein Wirkstoff aus der Gruppe der Analgetika mit fiebersenkenden und schmerzlindernden Eigenschaften. Es wird zur Behandlung von Fieber und/oder Schmerzen verschiedener Ursache eingesetzt. Die übliche Dosis bei Erwachsenen liegt bei 3 bis 4 mal täglich 500 bis 1000 mg (maximal 4000 mg pro Tag), bei Kindern erfolgt die Dosierung nach dem Körpergewicht. Nebenwirkungen sollen selten auftreten. Zu den möglichen unerwünschten Wirkungen gehören selten ein Anstieg der Leberenzyme, Blutbildveränderungen, Überempfindlichkeitsreaktionen und Verdauungsbeschwerden. Nachteilig ist die Lebertoxizität, die insbesondere bei einer Überdosierung und bei Risikofaktoren auftritt und zu Leberversagen und einem fatalen Ausgang führen kann.synonym: Paracetamolum PhEur, Acetaminophen, N-Acetyl-p-aminophenol
Produkte
Paracetamol ist unter anderem in Form von Tabletten, Filmtabletten, Kautabletten, Schmelztabletten, Brausetabletten, als Brausepulver, Tropfen, Sirup, Zäpfchen und Infusionslösung im Handel. Zu den bekanntesten Marken gehören etwa Acetalgin®, Ben-u-ron®, Dafalgan®, Panadol®, Tylenol® und Zolben®. Paracetamol ist in der Schweiz seit 1959 zugelassen (Panadol®) und wird mit anderen Wirkstoffen fix kombiniert, beispielsweise mit Codein, Coffein oder Vitamin C.
Struktur und Eigenschaften
Paracetamol oder N-Acetyl-p-aminophenol (C8H9NO2, Mr = 151.2 g/mol) ist ein weisses kristallines Pulver, das in Wasser wenig und in Ethanol 96% leicht löslich ist. Es hat einen leicht bitteren Geschmack und ist geruchlos. Paracetamol ist ein Derivat und Metabolit von Phenacetin und Acetanilid, die in der Schweiz aufgrund der unerwünschten Wirkungen seit längerem nicht mehr im Handel sind. Im angelsächsischen Sprachraum wird Paracetamol auch als Acetaminophen bezeichnet.

Wirkungen
Paracetamol (ATC N02BE01
) ist schmerzlindernd und fiebersenkend, gilt jedoch im Gegensatz zu den nicht-steroidalen Enzündungshemmern (NSAR) als nicht oder nur schwach entzündungshemmend und thrombozytenaggregationshemmend. Der Wirkungseintritt hängt von der Darreichungsform ab und wird beispielsweise mit Brausetabletten schneller erreicht. Die Halbwertszeit liegt bei zirka 4.5 Stunden. Zum Wirkmechanismus liegen einige Hypothesen vor, er ist aber nach wie vor noch nicht definitiv aufgeklärt worden.
Indikationen
Paracetamol wird zur Behandlung von Fieber und/oder Schmerzen verschiedener Ursache angewendet. Zu den möglichen Anwendungsgebieten gehören zum Beispiel:
- Kopfschmerzen
- Zahnschmerzen
- Gelenk-, Bänder-, Muskel- und Rückenschmerzen, Arthroseschmerzen
- Menstruationsbeschwerden
- Schmerzen nach Verletzungen
- Fieber und Schmerzen im Zusammenhang mit Erkältungskrankheiten
Dosierung
Gemäss der Arzneimittel-Fachinformation. Gesunde Erwachsene nehmen oral bis zu maximal 4 mal täglich 500 bis 1000 mg ein. Zwischen den Einzeldosen ist ein Zeitabstand von 4 bis 8 Stunden einzuhalten. Bei Kindern erfolgt die Dosierung nach dem Körpergewicht. Die Einnahme nach den Mahlzeiten kann den Wirkungseintritt verzögern. Paracetamol kann auch rektal oder parenteral verabreicht werden.
Kontraindikationen
Paracetamol ist bei Überempfindlichkeit, bei einer schweren Leberfunktionsstörung, einer akuten Leberentzündung (Hepatitis), bei schweren Nierenfunktionsstörungen und bei Morbus Meulengracht kontraindiziert. Die vollständigen Angaben zu Vorsichtsmassnahmen und Interaktionen finden sich in der Arzneimittel-Fachinformation.
Interaktionen
In der Arzneimittel-Fachinformation werden zahlreiche mögliche Arzneimittel-Wechselwirkungen beschrieben. Aus unserer Sicht sind die Folgenden besonders praxisrelevant:
- Arzneimittel, welche die Leberenzyme induzieren und hepatotoxische Substanzen können die Lebertoxizität verstärken.
- Akuter und chronischer Alkoholkonsum kann die Lebertoxizität verstärken.
- Paracetamol kann die Wirkungen von Antikoagulantien verstärken.
Unerwünschte Wirkungen
Nebenwirkungen gelten als selten und Paracetamol gilt als besser verträglich als die nicht-steroidalen Entzündungshemmer (NSAR). Zu den möglichen unerwünschten Wirkungen gehören ein Anstieg der Leberenzyme, Blutbildveränderungen, Bronchospasmus bei prädisponierten Patienten, Überempfindlichkeitsreaktionen, Hautreaktionen und Verdauungsbeschwerden.
Paracetamol wird in der Leber konjugiert und von CYPs oxidiert. Bei der Oxidation entsteht vorwiegend über CYP2E1 das toxische Zwischenprodukt N-Acetyl-p-benzochinonimin (NAPQI). NAPQI induziert Apoptose und Nekrose und ist genotoxisch und karzinogen. Bei der Gabe therapeutischer Dosen kann NAPQI jedoch mit endogenem Glutathion entgiftet werden. Steigen die Konzentrationen aber zu stark an, ist Paracetamol lebertoxisch.

Eine Paracetamol-Überdosis im Grammbereich (> 6-10 g) kann zu schweren Leberschädigungen und zum Tod führen. Als Risikofaktoren und -gruppen gelten:
- Kinder, ältere Menschen
- Lebererkrankungen
- Chronischer Alkoholmissbrauch
- Chronische Fehlernährung, Essstörungen (leere Glutathionspeicher)
- Enzyminduzierende Arzneimittel
Die Einnahme einer Überdosis Paracetamol ist die häufigste Ursache für ein akutes Leberversagen in den USA und Grossbritannien und führt zu mehreren hundert Todesfällen pro Jahr. Neben unabsichtlichen Vergiftungen wird das Medikament auch häufig für Suizide verwendet. Als Antidote werden bei Vergiftungen N-Acetylcystein und Aktivkohle eingesetzt. In der Schweiz sind lebensbedrohliche und tödliche Vergiftungen mit Paracetamol glücklicherweise selten.
siehe auch
NSAID, Morbus Meulengracht, N-Acetylcystein, Optizorb™ (Panadol-S®), Katzen vertragen kein Paracetamol
Literatur
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Autor
Interessenkonflikte: Keine / unabhängig. Der Autor hat keine Beziehungen zu den Herstellern und ist nicht am Verkauf der erwähnten Produkte beteiligt.

