Paracetamol
Arzneimittelgruppen
AnalgetikaZusammenfassungParacetamol ist ein fiebersenkender und schmerzlindernder Wirkstoff zur Behandlung von Fieber und/oder Schmerzen verschiedener Ursache. Im Gegensatz zu den nicht-steroidalen Entzündungshemmern ist Paracetamol nicht entzündungshemmend, aber insbesondere bei längerer Anwendung meist besser verträglich. Paracetamol soll nicht überdosiert werden, da es in höheren Dosen toxisch für die Leber ist und sollte nicht bei Leber- und Nierenerkrankungen oder zusammen mit Alkohol oder lebertoxischen Medikamenten eingenommen werden. Eine weitere Gegenanzeige ist das Gilbert-Syndrom (Morbus Meulengracht), eine Erhöhung der Bilirubinwerte im Blut, die in der Bevölkerung relativ häufig vorkommt. Der Wirkstoff wird weltweit sehr häufig eingenommen und ist eines der günstigsten Medikamente aus der Apotheke. Paracetamol wird auch häufig für Suizide missbraucht, da es in hoher Dosierung zu Leberversagen und zum Tod führt.
synonym: Paracetamolum PhEur, Acetaminophen, Fieberzäpfchen, Kinderzäpfchen
Produkte
Paracetamol ist in zahlreichen Arzneimitteln enthalten, zum Beispiel in Acetalgin®, Ben-u-ron®, Contra-Schmerz® P, Dafalgan®, Dolprone®, Influbene® N, Kafa®, Panadol®, Treupel Dolo®, Treuphadol®, Tylenol® und Zolben®. Es ist unter anderem in Form von Tabletten, Kautabletten, Schmelztabletten, Brausepulver, Brausetabletten, Tropfen, Sirup und Zäpfchen im Handel.
Struktur
Paracetamol oder N-(4-Hydroxyphenyl)acetamid (C8H9NO2, Mr = 151.2) ist ein weisses kristallines Pulver. Es ist wenig löslich in Wasser, leicht löslich in Ethanol 96% und sehr schwer löslich in Dichlormethan.

Wirkungen
Paracetamol (ATC N02BE01
) ist schmerzlindernd und fiebersenkend.
Indikationen
Es wird zur Behandlung von Schmerzen und/oder Fieber verschiedener Ursache angewendet.
Dosierung
Gemäss Packungsbeilage. Gesunde Erwachsene nehmen bis zu maximal 4 mal täglich 500 bis 1000 mg ein.
Kontraindikationen
- Überempfindlichkeit
- Schwere Leber- oder schwere Nierenfunktionsstörungen
- Morbus Meulengracht
Vorsichtsmassnahmen:
- Nieren- und/oder Leberinsuffizienz
- Lebertoxische oder leberenzyminduzierende Medikamente
- Alkohol kann die Hepatotoxizität von Paracetamol erhöhen
- Längerdauernde Schmerzen bedürfen einer ärztlichen Abklärung
- Hämolytische Anämie bei Glukose-6-Phosphat-Dehydrogenase-Mangel
Schwangerschaft und Stillzeit: siehe Fachinformation
Interaktionen
- Enzyminduktoren und Alkohol steigern die Hepatotoxizität
- Mittel, welche die Magenentleerung beeinflussen (z.B. Prokinetika) beeinflusssen die Absorption
- Chloramphenicol, Salicylamid, Chlorzoxazon, Pethidin und andere Spasmolytika, Zidovudin
Unerwünschte Wirkungen
- Blutbildveränderungen wie Thrombozytopenie, Leukopenie, Agranulozytose
- Allergische Reaktionen wie Angiooedem, Atemnot, Bronchospasmus, Schweissausbruch
- Lebertoxizität
- Hautreaktionen
- Analgetika-Asthma
- Medikamentinduzierter Kopfschmerz bei längerfristigem Gebrauch bei Kopfschmerzen
- Nierenschädigung und Nierenversagen bei langfristiger Einnahme und der Kombination mit anderen Analgetika
Toxizität
Paracetamol wird in der Leber einerseits durch Konjugation mit Glucuronsäure (ca. 55%) und Sulfat (ca. 35%) biotransformiert. Andererseits entsteht durch den Oxidation über CYP (v.a. 2E1, auch 1A1, 3A4 und 2D6) das toxische Zwischenprodukt N-Acetyl-p-benzochinonimin (NAPQI). NAPQI kann bei therapeutischen Dosen durch Konjugation mit Glutathion entgiftet werden. Insbesondere bei hohen (nicht-therapeutischen) Dosen ist Paracetamol jedoch stark lebertoxisch. Der Metabolit NAPQI induziert Apoptose und Nekrose und ist genotoxisch und karzinogen. Der genaue Mechanismus der Toxizität ist nicht vollständig aufgeklärt.
NAPQI bindet als reaktives Elektrophil an zelluläre Proteine und inhibiert z.B. die Topoisomerase II. Es scheint, dass auch der Verbrauch des zellulären Glutathions eine Rolle spielt. Bei einer Dosis von 10.5 g Paracetamol auf ein Körpergewicht von 70 kg kann es zu schweren Leberschädigungen kommen. Auch geringere Dosen können bereits toxisch sein (Kompendium: 7 g, Brüggman: 0.1 g/kg). Solche und höhere Dosen führen auch zum Tod. Die Einnahme einer Überdosis Paracetamol ist die häufigste Ursache für akutes Leberversagen in den USA und führt zu rund 450 Todesfällen pro Jahr (Lee, 2004). Neben unabsichtlichen Vergiftungen wird das Medikament auch häufig für Suizide verwendet.
Antidot
Literatur
- Bender R.P., Lindsey R.H., Burden D.A. & Osheroff N. N-Acetyl-p-benzoquinone imine, the toxic metabolite of acetaminophen, is a topoisomerase II poison. Biochemistry, 2004, 43, 3731-3739
- Dong H., Haining R.L., Thummel K.E., Rettie A.E. & Nelson S.D. Involvement of human cytochrome P450 2D6 in the bioactivation of acetaminophen. Drug Metabolism and Disposition, 2000, 28, 1397-1400
- Lee W.M. Acetaminophen and the U.S. acute liver failure study group: lowering the risks of hepatic failure. Hepatology, 2004, 40(1), 6-9
- Fachinformation


