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Aktivkohle Arzneimittelgruppen Adsorbenzien

Aktivkohle ist ein Wirkstoff aus der Gruppe der Adsorbenzien, der medizinisch hauptsächlich zur Behandlung von Durchfallerkrankungen und Vergiftungen eingesetzt wird. Die Kohle bindet Toxine an sich und führt sie über den Stuhl der Ausscheidung zu. Bei Vergiftungen soll das Arzneimittel so rasch wie möglich eingenommen werden. Die Dosierung ist abhängig vom Körpergewicht. Vorsicht: Aktivkohle ist zwar sehr breit, aber nicht gegen alle Gifte wirksam. Zu den häufigsten möglichen unerwünschten Wirkungen gehören eine Schwarzverfärbung des Stuhls, Erbrechen und Verstopfung. Aktivkohle soll nicht gleichzeitig mit anderen Arzneimitteln eingenommen werden, weil dies zu einem Wirkungsverlust führen kann.

synonym: Carbo activatus PhEur, Medizinische Kohle PhEur, Carbo medicinalis, Carbo adsorbens, Absorbierende Kohle, Medizinalkohle

Produkte

Aktivkohle ist unter anderem in Form von Tabletten, Kapseln, als Suspension und reines Pulver im Handel (z.B. Carbolevure®, Norit®, Carbovit®, Hänseler® Carbo activatus).

Struktur und Eigenschaften

Medizinische Kohle besteht aus Kohlenstoff und liegt als leichtes, geruch- und geschmackloses, tiefschwarzes Pulver vor, das frei von körnigen Teilchen ist. Sie ist in den meisten Lösungsmitteln unlöslich und wird daher auch als Suspension zubereitet. Die Substanz wird aus pflanzlichen Materialien durch geeignete Verkohlungs- und Aktivierungsverfahren gewonnen, welche ihr ein hohes Adsorptionsvermögen verleihen. Sie hat eine grosse innere Oberfläche von etwa 1000 m2 pro Gramm. Zur Rotglut erhitzt verbrennt sie langsam ohne Flamme.

Wirkungen

Medizinische Kohle (ATC A07BA01 ) hat adsorbierende Eigenschaften. Sie bindet verschiedenste organische und anorganische Stoffe, Bakterien, Bakterientoxine und Giftstoffe an sich und führt sie über den Stuhl der Ausscheidung zu. Sie verhindert die Absorption unerwünschter Stoffe in den Blutkreislauf. Aktivkohle ist nur lokal im Verdauungstrakt wirksam und wird nicht in den Organismus aufgenommen. Mit der anschliessenden Gabe des Abführmittels Natriumsulfat kann die Ausscheidung der gebundenen Giftstoffe beschleunigt werden und einer Verstopfung vorgebeugt werden. Einige Produkte enthalten auch Sorbitol.

Indikationen

Aktivkohle wird medizinisch hauptsächlich bei Durchfall, Blähungen und bei Vergiftungen eingesetzt. Mit medizinischer Kohle kann die Elimination von Wirkstoffen beschleunigt werden, welche einem enterohepatischen Kreislauf unterliegen (z.B. Antiepileptika, Theophyllin).

Übrigens: Aktivkohle kann auch zur Entfernung von Zahnverfärbungen verwendet werden.

Dosierung

Gemäss der Fachinformation. Die Präparate zur Behandlung von Durchfall werden von Erwachsenen in der Regel dreimal täglich eingenommen. Bei einer Vergiftung ist die Dosis höher und vom Körpergewicht abhängig (allgemein 1g/kg). Die Verabreichung soll so bald wie möglich nach der Vergiftung erfolgen.

Dosierung gemäss der Antidotliste des Bundesamts für Gesundheit:

Die Einnahme soll in der Regel in ärztlicher Behandlung oder in Absprache mit einem Spezialisten erfolgen (Tox Info Suisse, Telefonnummer 145).

Missbrauch

Aktivkohle kann zur Herstellung von Schwarzpulver missbraucht werden.

Kontraindikationen

Bei Durchfallerkrankungen:

Bei Vergiftungen:

Kohle ist nicht gegen alle Gifte wirksam, z.B. nicht gegen Cyanid, Eisen, Lithium, Elektrolyte, Lösungsmittel und verschiedene Alkohole wie Methanol und Ethanol. Die vollständigen Vorsichtsmassnahmen finden sich in der Arzneimittel-Fachinformation.

Interaktionen

Andere Medikamente – dies gilt auch für Antidote – sollen nicht gleichzeitig, sondern in einem Abstand von mindestens zwei Stunden eingenommen werden, da es sonst zu einem Wirkungsverlust kommen kann. Aktivkohle kann zudem die Elimination von Wirkstoffen, welche einem enterohepatischen Kreislauf unterliegen, beschleunigen (siehe oben). Dieser Effekt ist unabhängig vom Zeitpunkt der Einnahme.

Unerwünschte Wirkungen

Aktivkohle kann zu einer ungefährlichen Schwarzverfärbung des Stuhls führen und in hohen Dosen Erbrechen, eine Verstopfung und einen Darmverschluss auslösen.

siehe auch

Durchfall, Notfallmedikamente

LiteraturAutor

Interessenkonflikte: Keine / unabhängig. Der Autor hat keine Beziehungen zu den Herstellern und ist nicht am Verkauf der erwähnten Produkte beteiligt.

Weitere Informationen

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Dieser Artikel wurde zuletzt am 21.9.2016 geändert.
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