Antitussiva
ArzneimittelgruppenZusammenfassungAntitussiva sind hustenreizlindernde Arzneimittel, die bei trockenem Reizhusten verwendet werden. Zu den am häufigsten eingesetzten Substanzen gehören Codein und Dextromethorphan. Diese Wirkstoffe können unerwünschte Wirkungen auslösen, sind anfällig für Arzneimittel-Wechselwirkungen und können als Rauschmittel missbraucht werden. Sie sind nicht für alle Patienten geeignet und sollen insbesondere bei Säuglingen, Kleinkindern und Kindern mit Vorsicht oder nicht verwendet werden. Ob Antitussiva tatsächlich wirksam sind, ist umstritten.
synonym: Hustenblocker, Hustenmittel, Hustentherapeutika
Wirkungen
Antitussiva sind hustenreizstillende (antitussive) Arzneimittel, welche die Häufigkeit und die Intensität von Hustenanfällen reduzieren sollen. Ihre Wirkung ist in der Regel unspezifisch, das heisst, sie dämpfen den Husten unabhängig von seiner Ursache.
Indikation
Antitussiva werden hauptsächlich bei trockenem, unproduktivem Reizhusten verschiedener Ursache, zum Beispiel in Folge einer Erkältung (akute Bronchitis) oder bei Krebsleiden eingesetzt. Vor dem Einsatz sollte immer überprüft werden, ob nicht eine kausale Therapie des Hustens möglich ist. So sind die Antitussiva zum Beispiel bei Asthma bronchiale nicht indiziert, verwendet werden entzündungshemmende und bronchiendilatierende Antiasthmatika. Wird der Husten durch Medikamente wie ACE-Hemmer verursacht, sollten diese abgesetzt werden.
Wirkstoffe
- Codein, Dextromethorphan, Dihydrocodein, Pholcodin, Noscapin, Hydrocodon, Ethylmorphin und Opium sollen den Hustenreiz blockieren. Besonders Codein und Dextromethorphan sind in unzähligen Arzneimitteln enthalten und werden häufig eingesetzt. Ob sie aber tatsächlich wirksam sind, ist umstritten und in klinischen Studien bisher nicht zweifelsfrei nachgewiesen worden. Opioide können unerwünschte Wirkungen wie Müdigkeit, Atemdepression und Verstopfung auslösen und zu einer Abhängigkeit führen.
Nicht-opioide Antitussiva:
- Butamirat, Butetamat und Morclofon sind chemisch nicht mit den Opioiden verwandt und lösen keine opioide unerwünschten Wirkungen aus. Sie sind aus unserer Sicht wissenschaftlich nicht ausreichend dokumentiert.
Antihistaminika der 1. Generation:
- wie Diphenhydramin, Oxomemazin, Pheniramin und Phenyltoloxamin.
- Eibisch, Malve, Spitzwegerich, Isländisches Moos und Sonnentau sind besser verträglich als die synthetischen Wirkstoffe und eine gute Alternative, vor allem bei Kindern. Auch einige pflanzliche Expectorantien wie Guaifenesin haben zusätzlich eine antitussive Wirkung.
- In einer klinischen Studie bei Kindern und Jugendlichen zwischen 2 und 18 Jahren war Honig vor dem Zubettgehen wirksamer gegen nächtlichen Husten als Dextromethorphan (Paul et al., 2007). Die Dosierung betrug je nach Alter einen halben bis 2 Teelöffel Buchweizenhonig. Zu beachten ist, dass Honig nicht bei Kindern unter einem Jahr angewendet werden soll (Botulismus durch Clostridium botulinum Sporen) und die Zähne schädigen kann (Karies). Die Studienmethodik wurde allerdings auch angezweifelt.
Off-Label:
Weitere Wirkstoffe, die möglicherweise gegen Husten wirksam, aber nicht in dieser Indikation zugelassen sind und zum Teil Off-Label verwendet werden:
- Vernebelte Lokalanästhetika wie Lidocain und Prilocain
- Baclofen
- Tiotropiumbromid
- Amitriptylin
- Morphin
Kommentar
Ein lästiger, unproduktiver Reizhusten gehört zu den häufigsten Gesundheitsbeschwerden, vor allem bei Kindern, da diese oft an Infektionen der oberen Atemwegen erkranken. Die Wirksamkeit der synthetischen Hustenmittel wie der Opioide und Antihistaminika ist umstritten und diese Mittel können zahlreiche unerwünschte Wirkungen verursachen. Vor diesem Hintergrund ist es in der Regel sinnvoll, gut verträgliche pflanzliche oder alternativmedizinische Antitussiva auszuprobieren. Bei sonst gesunden Erwachsenen ist ein Therapieversuch mit synthetischen Hustenmitteln möglich.
siehe auch
- Expectorantien gegen produktiven Husten
- Husten bei Kindern unter 2
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