Infektiöse Mononukleose (Pfeiffersches Drüsenfieber)
Indikationen
Infektionskrankheiten Die infektiöse Mononukleose (synonym: Pfeiffersches Drüsenfieber) ist eine vom Epstein-Barr-Virus ausgelöste Infektionskrankheit, die sich akut in starken Hals- und Schluckschmerzen, einer Mandelentzündung, Fieber, Krankheitsgefühl, Abgeschlagenheit und Müdigkeit äussert. Die Müdigkeit kann bisweilen mehrere Monate andauern. Die Erkrankung wird beim Küssen über den Speichel übertragen und tritt vor allem bei Heranwachsenden und jungen Erwachsenen auf, die sich in der Kindheit noch nicht mit dem Virus angesteckt hatten. Verwechselt werden kann sie unter anderem mit einer Streptokokken-Angina. Die Behandlung erfolgt rein symptomatisch unter anderem mit einer guten Schmerztherapie. synonym: Pfeiffersches Drüsenfieber, Drüsenfieber, Kusskrankheit, The Kissing Disease, Mono, Mononucleosis infectiosa, Studentenfieber, Monozytenangina
Symptome
- Starke Halsschmerzen und Schluckbeschwerden, Rachenentzündung
- Mandelentzündung mit gelblich-weissen Belägen
- Verengung des Isthmus faucium (durch die Gaumenbögen gebildete Engstelle)
- Fieber
- Müdigkeit
- Krankheitsgefühl, Abgeschlagenheit
- Lymphknotenschwellung, vor allem an Hals, Achseln und Leiste
- Glieder- und Muskelschmerzen
- Kopfschmerzen
- Hautausschlag (nur bei ca. 5%)
- Lymphozytose (erhöhte Lymphozytenzahl im Blut)
Der Erkrankung gehen unspezifische Symptome wie Müdigkeit, Kopfschmerzen, Glieder- und Muskelschmerzen und Abgeschlagenheit voraus.
Verlauf
Der Verlauf und die Intensität der Beschwerden sind sehr unterschiedlich. Die Übertragung des Virus kann asymptomatisch oder mild bis fulminat verlaufen. Die akute Erkrankung tritt hauptsächlich bei Heranwachsenden und jungen Erwachsenen auf, die sich in der Kindheit noch nicht mit dem Virus angesteckt hatten. Bei Kindern unter 10 Jahren verläuft sie in der Regel asymptomatisch (subklinisch) oder mild. Bei Erwachsenen über 30 ist sie selten und kann atypisch verlaufen. Fieber, Muskelschmerzen und vor allem Müdigkeit können Wochen bis mehrere Monate anhalten und führen zu Absenz von der Schule oder vom Arbeitsplatz; dies häufig in einer kritischen Zeit (Schul- oder Lehrabschluss, Studium, Karriereplanung). Auch bei Jugendlichen oder älteren Erwachsenen ist ein asymptomatischer Verlauf möglich.
Ursache
Infektion mit dem Epstein-Barr-Virus (EBV), einem DNA-Virus aus der Gruppe der Herpesviren. Das Virus vermehrt sich vor allem in B-Lymphozyten und bleibt lebenslang in Gedächtniszellen erhalten. Über 90-95% der erwachsenen Bevölkerung trägt das Virus in sich.
Übertragung
In der Adoleszenz und bei jungen Erwachsenen hauptsächlich über den Speichel beim Küssen („The Kissing Disease“). Für die Übertragung ist eine bestimmte Konstellation notwendig: Vom küssenden Paar muss der eine Partner die Erkrankung bereits durchgemacht haben und Viruspartikel ausscheiden und der andere bisher noch nicht infiziert worden sein. Da das Virus auch in männlichen und weiblichen Genitalsekreten ausgeschieden wird, ist eine sexuelle Übertragung in seltenen Fällen nicht auszuschliessen. Eine Übertragung über eine grosse Menge Blut oder bei einer Transplantation ist ebenfalls gezeigt worden. Die Inkubationszeit liegt bei 4 bis 8 Wochen, die Antsteckungsfähigkeit bei 1.5 Jahren bis lebenslang.
Komplikationen
- Schlafstörungen durch starke Hals- und Schluckschmerzen
- Obstruktion der Atemwege durch starke Schwellung des Gewebes
- Milzschwellung
- Milzruptur (Schmerzen im linken Oberbauch)
- Leberschwellung, Gelbsucht, Hepatitis
- Pankreatitis, Meningitis, Myokarditis
- Chronisches Erschöpfungssyndrom (chronische Müdigkeit)
- Arzneimittelexanthem bei der Gabe von Amoxicillin oder Ampicillin
- Risikofaktor für: Burkitt-Lymphoms, Karzinome in Nasopharynx und Multiple Sklerose
- Weitere Komplikationen
Schwere Komplikationen sind selten.
Risikofaktoren
Heranwachsende und junge Erwachsene, die das Virus noch nicht in sich tragen und den Freund oder die Freundin küssen. Da vor allem junge Menschen betroffen sind, tritt die Mononukleose in Kollektiven junger Menschen häufiger auf (Schule, Universitätscampus, Militärdienst).
Diagnose
In ärztlicher Behandlung. Es ist zu beachten, dass eine Verwechslung mit anderen durch Viren, Bakterien und Parasiten hervorgerufene Erkrankungen möglich ist, deren klinisches Bild sehr ähnlich ist. Diese sind nur aufgrund der Symptome schwierig auszuschliessen. Dazu gehören triviale, von Viren ausgelöste Halsschmerzen (Erkältung), eine Streptokokken-Angina, eine akute Infektion mit dem Cytomeglovirus, Diphtherie, eine akute HIV-Infektion und eine Toxoplasmose. Eine Erstinfektion mit dem humanen Herpesvirus HHV-6 (Dreitagefieber) im Erwachsenenalter verursacht ähnliche Beschwerden wie eine Mononukleose.
Nicht-medikamentöse Behandlung
Aufgrund des Risikos für eine Milzruptur wird von körperlicher Aktivität abgeraten. Sportler sollten das Training ausreichend lange unterbrechen. Ausreichende Flüssigkeitszufuhr (unter Umständen parenteral).
Medikamentöse Behandlung
Die Behandlung ist bisher rein symptomatisch. Wirksame antivirale Substanzen sind noch nicht auf dem Markt erhältlich.
Schmerzmittel sind innerlich verabreicht wirksam gegen Schmerzen und einige zusätzlich gegen Fieber. Da die Halsschmerzen sehr ausgeprägt sein können, soll eine adäquate Schmerzbehandlung verordnet werden (evt. Opioide!):
- Paracetamol
- NSAID
- Opioide, z.B. Codein, auch in Kombination mit Paracetamol (fiebersenkend)
Topische Lokalanästhetika in Form von Sprays, Gurgellösungen oder Lutschtabletten betäuben den Schmerz lokal:
- Ambroxol
- Oxybuprocain
- Lidocain
- Weitere Rachentherapeutika
Nahrungsmittelersatz bei starken Hals- und Schluckbeschwerden:
- z.B. Trinknahrung, hochkalorische Nahrungsmittel (siehe auch unter Appetitlosigkeit)
- Elektrolytersatzlösungen
- Evt. bei Schlafstörungen zur Nacht
- Aciclovir und andere Nukleosid-Analoga haben in klinischen Studien keinen Nutzen bezüglich Dauer oder Schweregrad der Erkrankung gezeigt. Bisher ist kein spezifisch antivirales Mittel im Handel.
- sind nicht für eine routinemässige Anwendung, sondern nur in speziellen Situationen, z.B. bei einer starken Schwellung des Rachens angezeigt.
- Penicilline (z.B. Phenoxymethylpenicillin) werden manchmal verschrieben, wenn eine Streptokokken-Angina nicht ausgeschlossen werden kann. Antibiotika sind aber nicht gegen Viren wirksam (!) Amoxicillin und Ampicillin sollten nicht verabreicht werden, weil sie bei Patienten mit einer Mononukleose häufig ein Arzneimittelexanthem auslösen können (bei ca. 90%!).
Pflanzliche und alternativmedizinische Arzneimittel:
- z.B. Salbei, Schleimstoffdrogen, Melisse, Gewürznelke, Mundspülungen
Massnahmen gegen Müdigkeit (siehe dort)
Wissenswertes
Namensgebung: Der Kinderarzt Pfeiffer (1846-1921) hat die Erkrankung als erster beschrieben. Epstein und Barr untersuchten in den 60er Jahren B-Lymphozyten und wiesen die Viruspartikel nach.
siehe auch
Halsschmerzen, Erkältung, Mandelentzündung, Streptokokken-Angina, HIV, Toxoplasmose
Literatur
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- Mayo Clinic http://www.mayoclinic.com/

- Medline Plus http://medlineplus.gov/

Autor
Dr. Alexander Vögtli vom PharmaWiki Team für PharmaWiki.ch. Interessenkonflikte: Keine / unabhängig. Der Autor hat keine Beziehungen zu den Herstellern und ist nicht am Verkauf der erwähnten Produkte beteiligt.

