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Gliclazid Arzneimittelgruppen Antidiabetika Sulfonylharnstoffe

Gliclazid ist ein blutzuckersenkender Wirkstoff aus der Gruppe der Sulfonylharnstoffe zur Behandlung von Diabetes mellitus Typ 2. Es erhöht die Insulinsekretion aus den Betazellen des Pankreas und wirkt so blutzuckersenkend. Die wichtigste und häufigste unerwünschte Wirkung ist die Hypoglykämie.

synonym: Gliclazidum PhEur, Gliclacid

Produkte

Gliclazid ist in Form von Retardtabletten im Handel und in der Schweiz seit 1978 zugelassen. Die retardierten Arzneiformen kamen 2001 auf den Markt. Neben dem Original Diamicron® MR 60 mg (in anderen Ländern: Diamicron® Uno) sind seit 2008 auch retardierte Generika erhältlich. Das nicht-retardierte Diamicron 80 mg ging im Jahr 2012 ausser Handel.

Struktur und Eigenschaften

Gliclazid (C15H21N3O3S, Mr = 323.4 g/mol) ist ein Wirkstoff aus der Gruppe der Sulfonylharnstoffe der 2. Generation. Es ist ein weisses bis fast weisses Pulver, das in Wasser praktisch unlöslich ist. Im Vergleich mit dem strukturell ähnlichen Tolbutamid trägt es zusätzlich einen bizyklischen N-Heterozyklus.

Wirkungen

Gliclazid (ATC A10BB09 ) hat blutzuckersenkende und antidiabetische Eigenschaften. Es stimuliert die Insulinsekretion der Betazellen des Pankreas. Eine endogene Insulinproduktion ist Voraussetzung für die Wirksamkeit, deshalb ist es beim Typ 1 Diabetes nicht indiziert. Gliclazid hat pleiotrope und hämovaskuläre Effekte, ist antioxidativ und senkt HbA1c. Die insulinsekretagoge Wirkung lässt bei jahrelanger Behandlungsdauer in der Regel nach.

Wirkmechanismus

Das molekulare Target der Sulfonylharnstoffe sind ATP-abhängige Kaliumkanäle (KATP). Gliclazid bindet mit hoher Affinität und Selektvität an den Sulfonylharnstoff-Rezeptor SUR (Sulfonylurea Receptor), schliesst die Kaliumkanäle und hemmt den Kaliumausstrom. Dies führt zu einer Depolarisierung der Zellmembran, der Öffnung spannungsabhängiger Calciumkanäle, dem Einstrom von Calciumionen und schliesslich zur Freisetzung von endogenem Insulin durch Exozytose. Eine andere Gruppe von Antidiabetika, die Glinide, haben denselben Wirkmechanismus, aber andere Bindungsstellen.

Da auch am Herzen und an den Gefässen Kaliumkanäle vorkommen, besteht bei allen Sulfonylharnstoffen das theoretische Risiko kardialer ischämischer oder proarrhythmischer unerwünschter Wirkungen. Gliclazid soll gemäss bisherigen Erkenntnissen spezifisch sein und nicht an kardiale Kaliumkanäle binden. Dies im Unterschied zu Glibenclamid, das deshalb heute zurückhaltender eingesetzt wird. Sulfonylharnstoffe mit einer langen Halbwertszeit wie Glibenclamid lösen zudem eher eine Hypoglykämie aus. Gliclazid hat eine mittlere Halbwertszeit von zirka 11 Stunden.

Indikationen

Gliclazid wird zur Behandlung des Diabetes mellitus Typ 2 eingesetzt.

Dosierung

Gemäss der Arzneimittel-Fachinformation. Die retardierten Arzneimittel werden einmal täglich zusammen unzerkaut beim Frühstück mit Wasser eingenommen. Die maximale Tagesdosis liegt bei 120 mg (2 Tabletten zu 60 mg oder 4 Tabletten zu 30 mg). Um der Entstehung einer Hypoglykämie vorzubeugen, ist es wichtig, dass keine Mahlzeiten ausgelassen werden.

Kontraindikationen

Die vollständigen Vorsichtsmassnahmen finden sich in der Fachinformation.

Interaktionen

Zahlreiche Arzneimittel und Substanzen können den Blutzucker beeinflussen und den blutzuckersenkenden Effekt von Gliclazid verstärken oder abschwächen. Zu den Wirkstoffen, die den Effekt verstärken und das Risiko einer Hypoglykämie erhöhen können, gehören: ACE-Hemmer, Alkohol, Anabolika und Androgene, Antimykotika, z.B. Miconazol (auch als Mundgel), Fluconazol, Betablocker, Fluoxetin, H2-Antihistaminika, MAO-Hemmer, NSAR, z.B. Phenylbutazon, Pentoxifyllin, Probenecid, Sulfonamide, Tetrazykline, Chinolone, Vitamin-K-Antagonisten und Zytostatika.

Es sind sowohl pharmakokinetische, als auch pharmakodynamische Interaktionen möglich. Gliclazid wird in der Leber unter anderem von CYP2C9 und CYP2C19 zu inaktiven Metaboliten biotransformiert und über die Niere ausgeschieden. So hemmen beispielsweise Azol-Antimykotika wie Fluconazol CYP2C9 und den Abbau von Gliclazid und fördern seine Effekte. Phenylbutazon verdrängt Gliclazid aus der Proteinbindung. Zudem können zahlreiche Wirkstoffe auch zu einer Abschwächung des antidiabetischen Effekts führen.

Unerwünschte Wirkungen

Die häufigste und wichtigste unerwünschte Wirkung ist die Hypoglykämie. Zu den Risikofaktoren für die Entstehung einer Hypoglykämie gehören:

Gelegentlich können Übelkeit, Erbrechen, Dyspepsie, Durchfall und Verstopfung auftreten. Durch Einnahme mit dem Essen können diese unerwünschten Wirkungen reduziert werden. Hautauschlag, Juckreiz und Nesselsucht treten ebenfalls gelegentlich auf. Eine Erhöhung der Leberenzyme, Hepatitis, cholestatische Hepatitis, Blutbildstörungen und Anämie sind selten. Sulfonylharnstoffe können zu einer Gewichtszunahme führen, für Gliclazid ist dies aber nicht dokumentiert.

siehe auch

Sulfonylharnstoffe, Antidiabetika, Hypoglykämie, Diabetes mellitus Typ 2

LiteraturAutor

Interessenkonflikte: Keine / unabhängig. Der Autor hat keine Beziehungen zu den Herstellern und ist nicht am Verkauf der erwähnten Produkte beteiligt. Abbildungen: © PharmaWiki.

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Dieser Artikel wurde zuletzt am 18.12.2017 geändert.
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