Rohstoffe
HerstellungAls Rohstoffe werden in der Pharmazie Substanzen bezeichnet, welche für die Herstellung gebrauchsfertiger Arzneimittel verwendet werden, also beispielsweise reine Wirkstoffe oder Hilfsstoffe. Sie stammen ursprünglich von Lebewesen wie Pflanzen, Tieren und Mikroorganismen, aus der unbelebten Natur (Mineralien, Gesteine, Wasser, Luft), von fossilen Energieträgern wie Erdöl und Erdgas sowie aus der chemischen Synthese und aus der Biotechnologie. Rohstoffe müssen den Qualitätsanforderungen des Arzneibuchs genügen. synonym: Bulkware, Pharmazeutische Rohstoffe, Halbfabrikate, Pharmarohstoffe, Raw materials
ProdukteApotheken, Drogerien und pharmazeutische Unternehmen beziehen ihre Rohstoffe bei spezialisierten Lieferanten oder sie stellen sie selbst her. Apotheken und Drogerien sind gleichzeitig auch Lieferanten für ihre Kundinnen und Kunden.
Definition und EigenschaftenPharmazeutische Rohstoffe sind Substanzen, welche für die Herstellung von gebrauchsfertigen Arzneimitteln verwendet werden. Dazu gehören zum Beispiel reine Wirkstoffe und Hilfsstoffe, Extrakte, Arzneidrogen (pflanzliche und tierische Materialien), Lösungsmittel und Chemikalien.
Rohstoffe müssen den Anforderungen des Arzneibuchs entsprechen, von welchem sie definiert werden. Sie werden vor ihrer Verwendung mit analytischen Methoden auf ihre Qualität untersucht, z.B. auf die Reinheit und den Gehalt. Das Analysenzertifikat dokumentiert die Testresultate.
Ein Rohstoffmangel kann die Herstellung gefährden und dazu führen, dass Arzneimittel über längere Zeit nicht lieferbar sind oder sogar vom Markt genommen werden müssen. Zu den Ursachen gehören zum Beispiel bewaffnete Konflikte, Epidemien, ein Erdölmangel, Missernten, die Produktionseinstellung und politische Probleme.
Nicht nachhaltige Rohstoffe wie z.B. Gesteine und Mineralien sowie aus ihnen gewonnene Metalle, Boden oder fossile Energieträger sollen umsichtig verwendet werden, weil sie nur in einem begrenzten Mass auf der Erde vorhanden sind und auch für zukünftige Generationen erhalten bleiben sollten.
Seit einigen Jahren steigen die Ansprüche der Konsumentinnen und Konsumenten. Rohstoffe sollen fair, biologisch und ökologisch produziert werden und möglichst natürlich sein.
Übersicht über die Rohstoffe in der Pharmazie, zum Vergrössern anklicken. Illustration © PharmaWiki
Herkunft der RohstoffeRohstoffe stammen von Lebewesen, aus der unbelebten Natur, von fossilen Energieträgern aus der Erdgeschichte und sie werden chemisch-synthetisch und mit biotechnologischen Verfahren hergestellt.
- Pflanzen, Heilpflanzen, z.B. Arnika, Johanniskraut, Pfefferminze, Baumwolle, Bambus
- Tiere, z.B. Schweine, Rinder, Schafe, Fische, Bienen, Menschen
- Bakterien, z.B. Escherichia coli, Laktobazillen
- Pilze, Hefepilze, Schimmelpilze, z.B. Saccharomyces boulardii, Aspergillus oryzae
- Algen, z.B. Rotalgen, Braunalgen, Mikroalgen
Unbelebte Natur:
- Mineralien, Gesteine, Fossilien, z.B. Fluorit, Magnesit, Kalkstein, Quarz, chemische Elemente
- Boden (belebt), Ton, Lehm, z.B. Heilerde
- Metalle, z.B. Eisen, Magnesium, Natrium (aus Gesteinen)
- Wasser
- Luft, Gase, z.B. Sauerstoff, Stickstoff, Edelgase
Fossile Energieträger (ursprünglich Pflanzen, Algen, Zooplankton):
Künstliche Verbindungen:
- Synthetika, z.B. Wirkstoffe aus Aromaten und Alkanen aus dem Erdöl
- Plastik (Kunststoffe) aus fossilen Energieträgern
- Biologika, Gentherapeutika
So wird beispielsweise das Calciumcarbonat in einer Kautablette gegen die Osteoporose aus Kalkstein gewonnen. Das enthaltene Mineral heisst Calcit (CaCO3). Das Vitamin D3 stammt aus der Schafswolle (Wollwachs) und das Süssungsmittel Xylitol aus Holz. Aromastoffe sind pflanzlich und werden synthetisch produziert. Stärke und Fettsäuren sind pflanzlicher Herkunft und Siliciumdioxid stammt aus Gestein (Silikate).
VerarbeitungSelten können Rohstoffe direkt aus der Natur verwendet werden, zum Beispiel Trinkwasser. In der Regel ist eine Verarbeitung erforderlich, also beispielsweise eine Reinigung, eine Konservierung, eine Extraktion oder eine Erhitzung, um nur wenige Beispiele zu nennen.
Unerwünschte WirkungenRohstoffe können abhängig von der Substanz zahlreiche unerwünschte Wirkungen wie Verletzungen, Verätzungen, Allergien und Vergiftungen verursachen und müssen mit Vorsicht gehandhabt werden. Die vollständigen Angaben finden sich im Sicherheitsdatenblatt der Chemikalien. Global gesehen ist die Rohstoffgewinnung aus ökologischen Gesichtspunkten bedenklich und führt zu politischen Spannungen und Konflikten.
siehe auchWirkstoffe, Hilfsstoffe, Herstellung, Arzneimittelqualität, Verunreinigungen, natürlich
Literatur- Arzneimittel-Fachinformation (CH)
- Europäisches Arzneibuch PhEur
- Fachliteratur
- Lehrbücher der Geologie
- Produktekataloge
Interessenkonflikte: Keine / unabhängig. Der Autor hat keine Beziehungen zu den Herstellern und ist nicht am Verkauf der erwähnten Produkte beteiligt.

