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Insektenstiche Indikationen

Bienen, Hummeln, Wespen und Hornissen sind mit einem Stachelapparat ausgerüstet, den sie zur Verteidigung oder zum Jagen einsetzen. Beim Stich injizieren sie ein Gift, das beim Menschen milde lokale bis gefährliche allergische allgemeine Beschwerden auslöst. Die Vorbeugung und Behandlung richtet sich nach dem Verlauf. Auch Mückenbisse können mehr oder weniger starke Reaktionen hervorrufen.

synonym: Bienenstich, Wespenstich, Mückenbisse

Symptome

Drei unterschiedliche Hauptverlaufsformen können unterschieden werden:

1. Eine milde, lokale Reaktion äussert sich in Brennen, Schmerzen, Juckreiz, Hautrötung und Bildung einer grossen Quaddel. Die Beschwerden bessern innert 4-6 Stunden.

2. Bei einem mittelschweren Verlauf kommt es zu einer grösseren lokalen Reaktion, bei der Symptome wie Hautrötung grossflächiger und intensiver auftreten. Hinzu kommt häufig eine signifikante Schwellung mit Schmerzen. Als Ursache gilt in erster Linie eine allergische Reaktion. Auch toxische Effekte können beteiligt sein. Die Beschwerden beginnen nach 2 Tagen zu bessern, können aber lange, während 7-10 Tagen anhalten. Schwere Komplikationen sind jedoch selten.

3. Bei einer systemischen Reaktion (Anaphylaxie) treten allergische Beschwerden auf, welche in erster Linie die Haut, den Kreislauf und die Atmung betreffen. Zugrunde liegt eine Allergie vom Soforttyp, bei der IgE-Antikörper gegen das Insektengift eine Rolle spielen. Diese z.T. gefährlichen Symptome treten meist innert weniger Minuten auf:

Schliesslich müssen eine Reihe möglicher Komplikationen beachtet werden (siehe unten).

Ursachen

1. Stich durch Insekten der Ordnung Hymenoptera (Hautflügler):

Bienen hinterlassen in der Regel einen Stachel im Gewebe. Sie stechen nur zur Verteidigung (zum Beispiel des Bienenstocks) und sterben nach dem Stich. Hummeln sterben nicht und können mehrmals zustechen. Wespen und Hornissen können ebenfalls mehrmals zustechen und schwere allergische Reaktionen auslösen.

Auch bestimmte Ameisen gehören zur Ordnung der Hymenoptera und stechen, insbesondere die nach Nordamerika und Australien importierte Feuerameisen (Solenopsis invicta). Beim Stich entsteht innert 24 Stunden eine sterile Pustel mit anschliessender Schorfbildung.

Insektengift enhält eine Reihe von Proteinallergenen, von denen viele enzymatische Aktivität aufweisen, z.B. Phospholipase A und Hyaluronidase. Bienengift unterscheidet sich immunochemisch, während die einzelnen Wespengifte im wesentlichen dieselben Antigene enthalten. Das Gift der Roten Feuerameise ist proteinarm und enthält eine Mischung von Alkaloiden.

2. Stechmücken und weitere Insekten

KomplikationenRisikofaktoren

Verschlimmernde Faktoren: Angst, Panik, Hitze im Sommer, Alkohol, Kardiovaskuläre Erkrankungen

Diagnose

Nur wer auf einen Insektenstich mit systemischen Reaktionen reagiert hat, soll sich in ärztlicher Betreuung auf eine Insektenstichallergie testen lassen. Die Diagnose wird aufgrund der Anamnese und eines Hauttests gestellt, bei dem kleine Mengen Insektengift in die Haut gespritzt werden.

Insektenbisse von Mücken führen nur sehr selten zu systemischen allergischen Reaktionen, können aber auch eine grössere lokale Reaktion verursachen. Eine Verwechslung mit anderen Hauterkrankung ist möglich, z.B. auch Zeckenbisse. Durch Zeckenbisse können Infektionskrankheiten übertragen werden.

Vorbeugung

Menschen mit einer Insektenstichallergie sollen Situationen meiden, in denen sie gestochen werden könnten:

Viele Repellents wie etwa Diethyltoluamid (Anti-Brumm® forte) sind nicht gegen Bienen und Wespen wirksam. EBAAP soll wirksam sein. Insektizide, z.B. Wespensprays, können zum Abtöten der Insekten eingesetzt werden.

Mit der spezifischen Immuntherapie können Patienten mit einer diagnostizierten Allergie und einem Risiko für Allgemeinsymptome desensibilisiert werden. Dazu wird Insektengift unter die Haut gespritzt. Die Behandlung ist gut wirksam und schützt 85-98% der Allergiker. Bei den restlichen 2-15% treten zumindest weniger schwere Reaktionen auf.

Sekundärprophylaxe

Menschen mit einer Insektenstichallergie sollen ein Allergie-Notfallset inkl. Adrenalin-Fertigspritze (Epipen®, Anapen®) bei sich tragen. Das Notfallset für Erwachsene enthält zwei Tabletten eines Antihistaminikums und zwei Tabletten eines Glucocorticoids, sowie die Adrenalin-Fertigspritze.

Nicht-medikamentöse Behandlung

Entfernung des Insekts: Das Insekt sollte so schnell wie möglich entfernt werden, damit kein weiteres Gift in den Organismus gelangen kann. Es soll dabei nicht mit einer Pinzette gequetscht werden, da dabei zusätzliches Gift ausgepresst werden kann. Stattdessen wird empfohlen, zur Entfernung ein Buttermesser oder eine Kreditkarte fast parallel zur Hautoberfläche zum Insekt zu führen. Geeignet ist auch eine Zeckenkarte oder eine spezielle Absaugpumpe (Aspivenin®).

Sofort kühlen hilft gegen die Enzündung, mit Eis, Menthol, ColdHot®-Packs, Externa auf Gelgrundlage, kühlenden Pflaster oder kühlen Kompressen.

Medikamentöse Behandlung

Bei einer milden und lokalen Reaktion genügt eine gute Kühlung und das Auftragen eines juckreiz- und schmerzstillenden Gels. Verwendet werden unter anderem Antihistaminika, Lokalanästhetika, Essig-weinsaure Tonerde-Lösung, ätherische Öle (Menthol, Kampfer) und Ammoniaklösung 10%. Im Handel sind viele Produkte erhältlich. Desinfektionsmittel können zur Vorbeugung einer Infektion aufgetragen werden.

Bei einem mittelschweren Verlauf mit grossflächiger Schwellung werden innerlich angewendete Antihistaminika, Glucocorticoide und Schmerzmittel empfohlen. Sie können durch lokal angewendete Mittel ergänzt werden. Gemäss der Literatur ist in der Nachbehandlung kein diagnostischer Test auf eine Insektengiftallergie und keine Immuntherapie notwendig.

Bei einer bekannten Insektenstichallergie wird in der Selbstmedikation das Allergie-Notfallset angewendet (siehe dort). Erwachsene nehmen alle 4 Tabletten des Sets ein. Die Adrenalin-Fertigspritze wird bei Anzeichen von Allgemeinsymptomen nach Anweisung des verschreibenden Arztes angewandt. Die Patienten sollten sich immer in ärztliche Behandlung begeben, unter anderem deshalb, weil noch nach Stunden Spätreaktionen auftreten können. Zur Therapie der Anaphylaxie werden unter anderem Glucocorticoide, Antihistaminika, Beta2-Sympathomimetika, Sauerstoff und intravenöse Flüssigkeiten angewendet. Eventuell muss intubiert oder eine Notkoniotomie durchgeführt werden.

siehe auch

Vorbeugen von Insektenstichen, Anaphylaxie, Allergie-Notfallset, Immuntherapie, Adrenalin-Fertigspritze, Repellents, Zeckenbiss, Arthropoden, Feuerameise, Bremsenbisse

LiteraturAutor

Dr. Alexander Vögtli vom PharmaWiki Team für PharmaWiki.ch. Interessenkonflikte: Keine / unabhängig. Der Autor hat keine Beziehungen zu den Herstellern und ist nicht am Verkauf der erwähnten Produkte beteiligt.

Bildnachweis:


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Dieser Artikel wurde zuletzt am 18.12.2017 geändert.
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