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Genitalherpes Indikationen Infektionskrankheiten Sexuell übertragbare Erkrankungen

Ein Genitalherpes äussert sich in schmerzhaften Bläschen im Genitalbereich, die aufplatzen und in Geschwüre und Krusten übergehen. Ausgelöst wird die Erkrankung von einer Infektion mit Herpes-simplex-Viren, die lebenslang im Körper bleiben und immer wieder zu Rückfällen führen können. Die Übertragung erfolgt in der Regel beim Geschlechtsverkehr. Mittel der ersten Wahl zur Behandlung sind oral verabreichte antivirale Arzneimittel wie Aciclovir, Valaciclovir oder Famciclovir. Unterstützend werden Medikamente zur Linderung der Symptome angewandt, zum Beispiel Schmerzmittel und Gerbstoffe.

synonym: Herpes genitalisGenital-Herpes

Symptome

Es wird zwischen der Erstinfektion und der nachfolgenden Reaktivierung unterschieden.

Nach einer Inkubationszeit von wenigen Tagen können Grippeähnliche Beschwerden wie Fieber, Lymphknotenschwellung, Kopfschmerzen, Übelkeit und Muskelschmerzen auftreten. Es kommt zum eigentlichen Genitalherpes mit geröteter Haut oder Schleimhaut, einer Schwellung der Leistenlymphknoten und einzelnen oder in Gruppen auftretenden, schmerzhaften, brennenden und juckenden Bläschen, die schnell aufbrechen und in Erosionen und Geschwüre (Ulzerationen) übergehen. Bei Männern sind vor allem der Penisschaft, die Eichel und die Vorhaut betroffen, bei Frauen die Vulva, die Vagina, der Gebärmutterhals und der Damm. Die Hautläsionen kommen auch ausserhalb des Genitaltrakts vor, zum Beispiel an den Oberschenkeln, an den Fingern oder im Gesicht. Eitrige Sekretion und Beschwerden bei der Harnentleerung treten auf. Die Läsionen heilen innert einiger Tage unter Ausbildung einer Kruste ab. Die Erstinfektion kann mehrere Wochen anhalten.

Die Herpesviren bleiben in Nervenzellen (Ganglien) lebenslang im Körper erhalten. Genitalherpes ist eine chronische Erkrankung. Gelegentlich tritt ein erneuter Krankheitsschub durch Reaktivierung des Virus auf. Kurz vor den Rückfällen zeigen sich Symptome wie Spannungsgefühl, Empfindungsstörungen, Juckreiz, Brennen oder Schmerzen, seltener auch Fieber und Lymphknotenschwellung. Die Symptome des Rückfalls sind vergleichbar mit der Erstinfektion, aber der Verlauf ist kürzer und milder. Rückfälle können subklinisch ohne erkennbare Beschwerden verlaufen. Es ist auch ein atypischer Verlauf mit verschiedenen Hautveränderungen möglich.

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Ursachen

Der Genitalherpes wird von einer Infektion mit dem doppelsträngigen DNA-Virus Herpes-simplex-Virus Typ 2 (HSV-2) oder Typ 1 (HSV-1) aus der Familie der Herpesviridae verursacht. Traditionell ist HSV-2 an mehr Infektionen beteiligt, HSV-1 gewinnt jedoch an Bedeutung.

Übertragung

Die Übertragung erfolgt beim Geschlechtsverkehr durch Kontakt mit der Haut, der Schleimhaut oder mit Sekretionen. Das Virus wird auch beim Oralverkehr übertragen. Da aufgrund der Symptome nicht zwischen Erstinfektion und Reaktivierung unterschieden werden kann, ist es schwierig abzuschätzen, woher die Infektion ursprünglich stammt. Die Träger können asymptomatisch sein und selbst nichts von ihrer Erkrankung wissen. Das Virus wird auch von der Mutter auf das Kind übertragen, häufig während der Geburt.

Komplikationen

Die Hautläsionen stellen eine psychosoziale Herausforderung dar und können zu Schamgefühlen, Frust, Verzweiflung, Wut und tiefem Selbstbewusstsein führen und die Lebensqualität einschränken. Viele Patienten haben Angst, vom aktuellen oder potentiellen Sexualpartner zurückgewiesen zu werden.

Bei Frauen wird relativ häufig eine lokale Superinfektion mit Candidapilzen (Scheidenpilz) beobachtet. Eine Entzündung der Hirnhäute mit Fieber, Nackensteifigkeit, Kopfschmerzen und Lichtempfindlichkeit und eine Hirnentzündung sind selten. Bei Immunsupprimierten ist eine gefährliche allgemeine Ausbreitung des Virus auf verschiedene Organe möglich.

Herpes neonatorum: Die Übertragung auf das ungeborene oder neugeborene Kind während der Schwangerschaft oder bei der Geburt kann schwerwiegende Komplikationen wie ein Atemnotsyndrom, allgemeine Hautausschläge, Gelbfärbung der Haut, eine Hirnhaut- und Gehirnentzündung auslösen.

Risikofaktoren

Für die Erstinfektion ist vor allem die kumulierte Anzahl der Sexualpartner von Bedeutung. Je mehr es sind, desto grösser ist das Risiko für einen Genitalherpes. Als Risikofaktoren für Rückfälle gelten zum Beispiel Verletzungen, verschiedene Erkrankungen, Immunsuppression, körperliche Belastungen, UV-Bestrahlung, Wärme, Kälte, der Menstruationszyklus und möglicherweise Stress.

Diagnose

Die Diagnose erfolgt in ärztlicher Behandlung anhand des klinischen Krankheitsbildes und durch den Nachweis mit verschiedenen Labormethoden. Zu den möglichen Differentialdiagnosen gehören zum Beispiel Syphilis, Morbus Behçet, eine Candidamykose, Trichomoniasis und andere Hauterkrankungen wie eine allergische Kontaktdermatitis.

Vorbeugung

Für viele Virusträger ist die Frage nach der Vorbeugung wichtig. Sie möchten eine Ansteckung des Sexualpartners möglichst vermeiden. Zur Vorbeugung werden unter anderem die folgenden Massnahmen empfohlen. Eine Impfung steht derzeit noch nicht zur Verfügung.

Nicht-medikamentöse Behandlung

Zu den empfohlenen nicht-medikamentösen Massnahmen gehören kalte Auflagen, eine geeignete Wundbehandlung, Sitzbäder und das Tragen leichter Baumwollunterwäsche.

Medikamentöse Behandlung

Zur Behandlung werden ursächlich wirksame antivirale Arzneimittel und symptomatische Massnahmen eingesetzt. Eine dauerhafte Eliminierung des Virus ist bisher nicht möglich. Für die Behandlung spezieller Patientengruppen (Schwangere, Kinder, Immunsupprimierte, Komplikationen) verweisen wir auf die Fachliteratur.

Antivirale Arzneimittel gelten als Mittel der ersten Wahl. Sie sind innerlich angewandt direkt gegen die Viren wirksam. Eingesetzt werden vor allem Nukleosid-Analoga wie Aciclovir (Zovirax®), Valaciclovir (Valtrex®) und Famciclovir (Famvir®) und entsprechende Generika in Form von Tabletten oder Kapseln. Die übliche Therapiedauer liegt traditionell bei 5 Tagen, die vollständigen Angaben finden sich in der Arzneimittel-Fachinformation. In den vergangenen Jahren wurden auch kürzere Therapieschemata vorgeschlagen, die je nach Wirkstoff zwischen 1-3 Tagen betragen. Die antivirale Therapie bewirkt eine Linderung der Beschwerden, eine schnellere Rückbildung der Hautläsionen, eine verminderte Ausscheidung der Viren und ein tieferes Komplikationsrisiko. Sie muss so früh wie möglich, innert 24-48 Stunden beim Auftreten der Symptome, eingeleitet werden. Bei häufigen und schweren Rückfällen werden Antiviralia auch vorbeugend und kontinuierlich im Rahmen einer sogenannten Suppressionstherapie während 6-12 Monaten eingenommen. Bei Resistenzen ist Foscarnet (Foscavir® i.v.) eine mögliche Alternative. Es muss allerdings parenteral verabreicht werden.

Wie wirksam äusserlich angewandte antivirale Arzneimittel sind, ist umstritten. In der wissenschaftlichen Literatur werden sie grösstenteils abgelehnt. In der Schweiz ist nur die Aciclovir-Creme (Zovirax®, Generika) zugelassen. Sie muss 5 mal täglich aufgetragen werden. Andere Antiviralia sind nicht in dieser Indikation im Handel. So ist beispielsweise die Penciclovir-Creme (Fenivir®, früher: Famvir®) nur zur Behandlung von Fieberbläschen freigegeben. Idoxuridin (Virunguent®) ist ausser Handel.

Desinfektionsmittel wie zum Beispiel Povidon-Iod (Betadine®, Generika) sind keimreduzierend. Gerbstoffe wie Tannosynt® und Eicheenrindenextrakten sind zusammenziehend, entzündungshemmend und antimikrobiell. Sie werden lokal aufgetragen oder als Sitzbäder verabreicht und können die Beschwerden auch symptomatisch lindern. In einigen Quellen werden auch die austrocknenden Zinksalben für die Hautläsionen empfohlen.

Schmerzmittel wie Ibuprofen, Diclofenac oder Paracetamol und Lokalanästhetika werden zur symptomatischen Behandlung von Schmerzen und Entzündung eingesetzt. Die entsprechenden Vorsichtsmassnahmen müssen beachtet werden.

Hautpflegemittel erweichen die Haut bei der Abheilung.

Hitzeinaktiverte HSV-Viren (Lupidon H®/G®, beide ausser Handel) waren in der Schweiz zur Behandlung schwerer und wiederkehrender Herpesinfektionen zugelassen. Sie werden subkutan gespritzt. Diese Zufuhr von Herpes-simplex-Antigenen scheint sich positiv auf die Hautläsionen auszuwirken. Kritisiert wird der unzureichende wissenschaftliche Nachweis der Wirksamkeit.

Die Wirksamkeit alternativer Arzneimittel wie zum Beispiel L-Lysin, Melissenblätterextrakt, Echinacea, Taigawurzel, Bienenprodukte, Aloe vera oder Zink ist umstritten und wissenschaftlich unzureichend dokumentiert.

siehe auch

Fieberbläschen, Nukleosid-Analoga

LiteraturAutoren

Interessenkonflikte: Keine / unabhängig. Die Autoren (AV, MW) haben keine Beziehungen zu den Herstellern und sind nicht am Verkauf der erwähnten Produkte beteiligt.


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Dieser Artikel wurde zuletzt am 10.5.2013 geändert.
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