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Transdermale Pflaster Darreichungsformen

Transdermale Pflaster sind flexible und dünne pharmazeutische Zubereitungen, die auf die Haut aufgeklebt werden. Sie geben die enthaltenen Wirkstoffe kontinuierlich über die Hautbarriere in den Blutkreislauf ab und üben ihre Effekte systemisch aus. Die Wirkung tritt mit einer zeitlichen Verzögerung ein, weshalb sie für eine Dauer- und nicht für eine Akuttherapie vorgesehen sind. Typische Wirkstoffe, die transdermal verabreicht werden, sind Fentanyl, Estradiol, Nicotin, Nitroglycerin und Scopolamin. Transdermale Pflaster haben ein langes Dosierungsintervall von einem Tag bis zu einer Woche, was sich positiv auf die Therapietreue auswirken kann. Aufgrund der kontrollierten Freigabe und der Umgehung des Verdauungstrakts können unerwünschte Wirkungen vermieden werden. Zu den möglichen Nebenwirkungen gehören lokale Hautreaktionen.

synonym: Transdermales Patch, Patch, Transdermales therapeutisches System (TTS), Transdermales System, Emplastra transcutanea PhEur, Transdermale Matrixpflaster, Depotpflaster, Matrixpflaster, TDDS

Produkte

Transdermale Pflaster sind als Arzneimittel zugelassen. Sie bieten sich als Alternative zu anderen Applikationsarten wie der peroralen und parenteralen Verabreichung an. Die ersten Produkte wurden in den 1970er-Jahren lanciert.

Struktur und Eigenschaften

Transdermale Pflaster sind flexible, unterschiedlich grosse und dünne pharmazeutische Zubereitungen, die einen oder mehrere Wirkstoffe enthalten. Sie sind dazu bestimmt, auf der unverletzten Haut angewandt zu werden, um den Wirkstoff nach der Passage der Hautbarriere in den Blutkreislauf abzugeben. Wirkstoffpflaster mit vorwiegend lokalen Effekten zählen nicht zu den transdermalen Pflastern.

Die zwei wichtigsten Typen sind Matrixpflaster und Reservoirsysteme:

Eine äussere Trägerschicht dient als wasserundurchlässige Schutzschicht und bedeckt das Reservoir oder die Matrix als äussere Hülle.

Die Abgaberate ist bei den Matrixpflastern proportional zur Grösse des Pflasters. Je grösser es ist, desto mehr Wirkstoff wird pro Zeiteinheit in den Organismus abgegeben.

Nicht alle Wirkstoffe sind für die transdermale Passage geeignet. Sie sollten in der Regel lipophil sein, eine kleine Molekülmasse aufweisen und in geringen Dosen wirksam sein. Mit geeigneten Hilfsstoffen wie beispielsweise DMSO oder mit mechanischen Methoden, welche die Integrität der Hautbarriere beeinträchtigen, können unter Umständen auch andere und grössere Moleküle verabreicht werden.

Wirkungen

Die transdermalen Pflaster werden auf die Haut aufgeklebt und gegen ihre Wirkstoffe kontinuierlich über die Haut in den Blutkreislauf ab. Die Effekte treten mit einer zeitlichen Verzögerung ein, da sich die Plasmakonzentration zuerst aufbauen muss. Transdermale Systeme sind deshalb nicht für die Akuttherapie geeignet.

Mit der transdermalen Verabreichung kann der First-Pass-Metabolismus umgangen werden, was zum Beispiel für Wirkstoffe wie Nitroglycerin oder Rotigotin von Bedeutung ist. Geeignet sind transdermale Pflaster auch für Wirkstoffe mit einer kurzen Halbwertszeit.

Die Freigabe aus dem Pflaster erfolgt kontinuierlich und kontrolliert und entspricht einer Retardierung. Ein Auf und Ab wie bei der Einnahme einer schnell zerfallenden Tablette wird vermieden. Dadurch wird ein flaches und stabiles Konzentrationsprofil erreicht und unerwünschte Wirkungen aufgrund von Konzentrationsspitzen können vermieden werden.

Anwendungsgebiete

Die transdermalen Pflaster werden vielfältig eingesetzt. Zu ihren Anwendungsgebieten gehören (Auswahl):

Dosierung und Anwendung

Gemäss der Fachinformation und der Packungsbeilage. Transdermale Pflaster haben ein langes Dosierungsintervall und müssen beispielsweise nur einmal täglich, alle 72 Stunden oder sogar nur einmal pro Woche verabreicht werden. Sie können lokal aufgeklebt und müssen im Unterschied zu den peroralen Arzneimitteln nicht geschluckt werden. Die seltenere Applikation kann sich positiv auf die Therapietreue auswirken. Die Wirkstoffzufuhr kann durch das Entfernen des Pflasters unterbrochen werden.

Aufkleben des Pflasters:

Während des Tragens:

Pflasterwechsel oder Therapieende:

Zerschneiden von transdermalen Pflastern

Transdermale Pflaster sollen nicht zerschnitten oder anderweitig manipuliert werden. Sie sind dafür vom Hersteller nicht vorgesehen (Off-Label-Use). Das Schneiden stellt ein gesundheitliches und ein rechtliches Risiko dar. Reservoirpflaster werden beim Schneiden zerstört.

Falls die zwingende Notwendigkeit besteht, können die Matrixpflaster zerschnitten werden. Dazu sollen Handschuhe getragen werden. Die Pflasterreste sollen entsorgt werden. An der Stelle, an welcher das Pflaster geschnitten wurde, soll es mit einem Vliespflaster auf der Haut fixiert werden.

Wirkstoffe

Im Folgenden sind Wirkstoffe aufgelistet, die mithilfe transdermaler Pflaster verabreicht werden. Nicht alle entsprechenden Arzneimittel sind in der Schweiz im Handel:

Unerwünschte Wirkungen

Die unerwünschten Wirkungen sind von den verwendeten Wirkstoffen abhängig. Transdermale Pflaster können lokale Hautreaktionen wie beispielsweise Reizungen, Rötungen, Juckreiz und allergische Reaktionen hervorrufen.

Verdauungsstörungen, Übelkeit und gastrointestinale Reizungen treten unter transdermalen Pflastern hingegen nicht oder weniger häufig auf, weil der Wirkstoff nicht in den Magen-Darm-Trakt gelangt.

Anwendungsfehler können zu unerwünschten Wirkungen und Überdosierungen führen.

Transdermale Pflaster sind weniger diskret, da sie auf der Haut sichtbar sind (z.B. Verhütungspflaster). Und schliesslich können sie sich unter Umständen von der Haut lösen.

siehe auch

Retardierung

LiteraturAutor

Interessenkonflikte: Keine / unabhängig. Der Autor hat keine Beziehungen zu den Herstellern und ist nicht am Verkauf der erwähnten Produkte beteiligt.


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Dieser Artikel wurde zuletzt am 16.3.2019 geändert.
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