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Nagelpilz Indikationen Pilzinfektionen

Nagelpilz ist eine weit verbreitete Erkrankung der Zehen- und/oder der Fingernägel. Bei der häufigsten Form wird der Nagel des grossen Zehs vorne und seitlich unter dem Nagel infiziert und weiss bis gelbbraun verdickt. Nagelpilz ist hartnäckig, verschwindet in der Regel nicht von selbst und breitet sich oft auf weitere Nägel aus. Als eine der wirksamsten Behandlungen gilt die Einnahme von Terbinafin über 3-4 Monate oder länger. Als Alternative zur Einnahme stehen eine Reihe äusserlich anzuwendender Arzneimittel zur Verfügung, die bei leichtem bis mittelschweren und oberflächlichen Befall wirksam sein können und deren Anwendung allenfalls zu lokalen unerwünschten Wirkungen führt.

synonym: Onychomykose, Onychomykosis, Nagelmykose, Tinea unguium

Symptome

Ein Nagelpilz äussert sich in einer weissen bis gelbbraunen Verfärbung des Nagels, einer Verdickung, Aufweichung und Verformung. Die häufigste Form des Nagelpilzes ist die sogenannte distal-laterale subunguale Onychomykose, die meist am grossen Zeh auftritt. Dabei wächst der Pilz am äusseren Ende und seitlich an den Nagelrändern im Nagelbett ein (Abbildung 1, zum Vergrössern anklicken). Bei einer selteneren Form wird nur die Oberfläche des Nagels infiziert. Kalkweisses Material lässt sich vom Nagel abkratzen. Die sogenannte proximale subunguale Onychomykose, also ein Pilz im Nagelbett an der Nagelbasis, ist bei immungeschwächten Menschen häufig. Nagelpilz beginnt meist lokal an einem Zehennagel, kann sich weiter ausbreiten und auch die Fingernägel betreffen.

© Lucille Solomon http://www.lucille-solomon.com 

Ursachen und Übertragung

Es handelt sich um eine Pilzinfektion des Nagelapparats, meist mit Dermatophyten (häufig Trichophyton rubrum, Epidermophyton, Microsporum), seltener mit Hefepilzen (Candida) und sehr selten mit Schimmelpilzen. Nagelpilz der Fingernägel wird häufiger von Candida verursacht und ist seltener als Nagelpilz der Zehen, wahrscheinlich aufgrund des schnelleren Wachstums der Fingernägel. Zehennägel wachsen etwa 1 mm pro Monat, Fingernägel 2-3 mal schneller. Da der Nagel bei der Behandlung herauswachsen muss, ist deshalb eine lange Therapiedauer notwendig (siehe unten). Die Übertragung erfolgt zum Beispiel in der Schule, in der Familie, bei der Maniküre oder im Schwimmbad. In Schwimmbädern sind die Pilze sehr häufig und lassen sich nur schwer mit Desinfektionsmitteln entfernen, weil sie in Keratinpartikel eingeschlossen sind.

Risikofaktoren

Zu den Risikofaktoren gehören das Alter, Fusspilz, Schwimmbadbesuche, Zusammenleben mit Infizierten, Rauchen und bestimmte Erkrankungen wie Krebs, Psoriasis, eine Immunsuppression und Diabetes.

Komplikationen

Nagelpilz ist in erster Linie ein kosmetisches und psychosoziales Problem. Es kann zu Schamgefühlen führen und die Betroffenen fürchten, den Pilz weiter zu verbreiten. Durch die Verdickung des Nagels kann sich allerdings die umliegende Haut entzünden und in Ruhe, beim Gehen oder in Bewegung schmerzen. Bei Diabetikern kann dies aufgrund der verzögerten Wundheilung zu schwerwiegenden Problemen führen. Wichtige Komplikationen sind die Ausbreitung auf die anderen Nägel und der Funktionsverlust.

Diagnose

Ein Stück Nagel wird in ärztlicher Behandlung unter dem Mikroskop, in Kultur oder mit anderen Methoden untersucht. Eine medikamentöse Behandlung soll nicht ohne Diagnose eingeleitet werden, weil sie teuer und aufwändig ist und andere Erkranungen ein ähnliches klinisches Bild zeigen. Zahlreiche weitere Erkrankungen wie Hauterkrankungen (z.B. Nagelpsoriasis), Verletzungen, andere Infektionskrankheiten und innere Erkrankungen können mit Nagelpilz verwechselt werden.

Nicht-medikamentöse Behandlung

Der Nagel kann mit chirurgischen oder chemischen Methoden ganz oder teilweise entfernt werden. Eine kosmetische Überdeckung ist ebenfalls möglich. Durch das Abfeilen oder Zuschneiden wird der Druckschmerz reduziert und möglicherweise das Eindringen äusserlich angewandter Arzneimittel verbessert. Weitere Beratungstipps:

Medikamentöse Behandlung

Zur medikamentösen Behandlung werden innerlich oder äusserlich gegen Pilze wirksame Arzneimittel (Antimykotika) eingesetzt. Auch eine Kombination innerlich und äusserlich angewendeter Mittel ist möglich.

Innerliche Behandlung

Die innerliche Behandlung ist in den meisten Fällen wirksamer als die äusserliche und mehr Patienten können vom Pilz befreit werden. Allerdings sind mehr unerwünschte Wirkungen möglich und die Arzneimittel-Wechselwirkungen der Antimykotika müssen beachtet werden.

Terbinafin (Lamisil®, Generika) ist ein Wirkstoff aus der Gruppe der Antimykotika, der Pilze im Wachstum hemmt und abtötet. Es verteilt sich gut in Haut und Nägeln und wird in Form von Tabletten zur Behandlung von Nagelpilz verwendet. Die Behandlungsdauer beträgt für Fingernägel 6 Wochen und für Fussnägel 3 Monate. Terbinafin gilt als wirksamstes Mittel gegen Nagelpilz. Nachteilig sind jedoch mögliche systemische unerwünschte Wirkungen. Zu den häufigsten Nebenwirkungen gehören Verdauungsbeschwerden, Hautausschlag, Gelenk- und Muskelschmerzen, Kopfschmerzen, Geschmacks- und Geruchsstörungen. → siehe unter Terbinafin gegen Nagelpilz

Itraconazol ist eine Alternative zu Terbinafin, besonders bei Hefe- oder Schimmelpilzinfektionen und in der Schweiz für dieses Anwendungsgebiet zugelassen. Es ist etwas weniger gut wirksam als Terbinafin und wird als kontinuierliche Therapie oder als Pulstherapie verabreicht.

Andere orale Antimykotika werden seltener verwendet. Fluconazol ist schlechter wirksam als Itraconazol und in der Schweiz in dieser Indikation nicht zugelassen, Griseofulvin ist in der Schweiz nicht mehr im Handel.

Äusserliche Behandlung

Die äusserliche Behandlung ist im Allgemeinen weniger gut wirksam als die innerliche. Es wird eine längere Behandlungsdauer benötigt und nicht alle Patienten können vom Pilz befreit werden. Sie ist eine Ergänzung oder eine Alternative, z.B. bei leichten bis mittelschwerem und vor allem bei oberflächlichem Befall und zu Beginn der Erkrankung. Ein deutlicher Vorteil ist das sehr geringe Risiko für systemische unerwünschte Wirkungen.

Antimykotika:

Keratolytika:

Nagelpilz-Stifte:

Desinfektionsmittel:

Farbstoffe:

Vorbeugung

Bei erhöhtem Risiko können regelmässig äusserliche Antimykotika aufgetragen werden, z.B. als Crème oder Puder.

siehe auch

Azol-Antimykotika, Terbinafin, Bifonazol-Harnstoff bei Nagelpilz, Ciclopirox gegen Nagelpilz, Miconazol gegen Nagelpilz, Harnstoffsalbe

LiteraturAutoren

Interessenkonflikte: Keine / unabhängig. Der Autor hat keine Beziehungen zu den Herstellern und ist nicht am Verkauf der erwähnten Produkte beteiligt.

Abbildung: Lucille Solomon, http://www.lucille-solomon.com 


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Dieser Artikel wurde zuletzt am 27.7.2017 geändert.
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