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Melatonin

Arzneimittelgruppen Hormone

Melatonin ist ein Hormon der Epiphyse (Zirbeldrüse) des Gehirns, das eine zentrale Rolle bei der Regulation des Schlaf-Wach-Rhythmus spielt. Es ist ein bekanntes Mittel zur Vorbeugung und Behandlung der Symptome eines Jetlags. Klinische Studien zeigen eine gute Wirksamkeit für dieses Anwendungsgebiet. Es ist in der Schweiz dazu bisher aber nicht zugelassen. Die Anwendung erfolgt auf eigenes Risiko. Melatonin wurde in der Schweiz im Dezember 2009 zur Behandlung der Schlaflosigkeit bei Patienten ab 55 Jahren freigegeben und kam 2010 in den Handel. Zusätzlich sind Melatonin-Rezeptor-Agonisten mit ähnlichen Eigenschaften verfügbar.

synonym: Melatoninum, Dunkelheitshormon, N-Acetyl-5-methoxytryptamin, Schlafhormon

Produkte

Melatonin wurde in der Schweiz im Dezember 2009 als rezeptpflichtiges Arzneimittel unter dem Markennamen Circadin® (Retardtabletten) zur Behandlung von Schlafstörungen zugelassen. Zur Behandlung der Symptome eines Jetlags ist es nach wie vor nicht zugelassen. Es sollte dazu nicht über das Internet bestellt werden (Problem pharmazeutische Qualität). Es ist häufig am Reiseziel erhältlich, zum Beispiel als „Nahrungsergänzungsmittel“ wie etwa GNC Melatonin (USA). Auch dabei stellt sich je nach Destination die Frage nach der Produktequalität. Priorin LF® (früher: Asatex®) mit Melatonin war früher als kosmetisches Produkt zur äusserlichen Behandlung von Haarausfall im Verkauf und ist jetzt ausser Handel.

Struktur und Eigenschaften

Melatonin (C13H16N2O2, Mr = 232.3 g/mol) wird im Organismus aus Tryptophan und Serotonin gebildet. Chemisch handelt es sich um N-Acetyl-5-methoxytryptamin.

Wirkungen

Melatonin (ATC N05CH01 ) hat schlaffördernde Eigenschaften und vermindert die Körpertemperatur. Physiologisch steigen die Melatoninspiegel im Blut nach Einbruch der Dunkelheit an, erreichen gegen Mitte der Nacht ihren Höhepunkt und entfalten eine schlaffördernde Wirkung. Licht ist der wichtigste natürliche Gegenspieler. Die Effekte beruhen auf der Bindung an MT1- und MT2-Rezeptoren im Hypothalamus, an der „inneren Uhr“ des Gehirns.

- „Melatonin is remarkably effective in preventing or reducing jet lag“ (Herxheimer et al., 2002).

Klinische Studien zeigen, dass Melatonin gegen die Symptome eines Jet-Lags gut wirksam ist, wenn es in einer Dosierung von 0.5 bis 5 mg abends vor dem Schlafengehen eingenommen wird (NNT: 2). Es hilft besser, wenn mehrere Zeitzonen überquert werden und besser bei Flügen nach Osten. Zur äusserlichen Anwendung bei Haarausfall wurden kleine Studien durchgeführt (z.B. Fischer et al., 2004).

Indikationen und Anwendungsgebiete

Melatonin ist in den folgenden Anwendungsgebieten in der Schweiz nicht als Arzneimittel zugelassen oder es sind keine entsprechenden Mittel im Handel:

Dosierung

Gemäss der Fachinformation. Beim Jetlag (keine Zulassung) ist der richtige Zeitpunkt der Einnahme wichtig. Die empfohlene Dosis beträgt 0.5 bis 5 mg Melatonin abends vor dem Schlafengehen für 2 bis 5 Tage nach der Ankunft. Melatonin soll nicht morgens oder tagsüber eingenommen werden, da es sonst Schläfrigkeit auslöst.

Kontraindikationen

Melatonin ist bei einer Überempfindlichkeit kontraindiziert. Es kann Schläfrigkeit verursachen. Daher ist das Arzneimittel mit Vorsicht anzuwenden, wenn die Auswirkungen von Schläfrigkeit ein Sicherheitsrisiko darstellen könnten. Die vollständigen Vorsichtsmassnahmen finden sich in der Arzneimittel-Fachinformation.

Interaktionen

CYP1A1, CYP1A2 und CYP2C19 sind am Metabolismus von Melatonin beteiligt und Melatonin induziert CYP3A4. Arzneimittel-Wechselwirkungen wurden unter anderem mit Fluvoxamin, Methoxypsoralen, Cimetidin, Zigarettenrauchen, Östrogenen, Chinolonen, Carbamazepin, Rifampicin, Alkohol und zentral dämpfenden Arzneimitteln beschrieben. Licht ist ein wichtiger Antagonist von Melatonin.

Unerwünschte Wirkungen

Unter der Einnahme von Circadin® wurden unter anderem die folgenden unerwünschten Wirkungen beobachtet: Müdigkeit oder Schläfrigkeit, Reizbarkeit, Nervosität, Rastlosigkeit, Schlaflosigkeit, Alpträume, Migräne, Ruhelosigkeit mit gesteigerter Aktivität, Schwindel, Schläfrigkeit, Bauchschmerzen, Verstopfung, Mundtrockenheit, Hyperbilirubinämie, vermehrtes Schwitzen, Schwäche, Gewichtszunahme.

siehe auch

Literatur

Autor

Interessenkonflikte: Keine / unabhängig. Der Autor hat keine Beziehungen zu den Herstellern und ist nicht am Verkauf der erwähnten Produkte beteiligt.

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Dieser Artikel wurde zuletzt am 7.2.2014 geändert.
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