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Krätze (Scabies) Indikationen Infektionskrankheiten Sexuell übertragbare Erkrankungen

Die Krätze ist eine parasitäre Hauterkrankung, welche von Milben ausgelöst wird, die sich in die Haut eingraben, sich vermehren und allergische und ekzematöse Hautreaktionen hervorrufen. Vor allem in der Bettwärme tritt ein unangenehmer Juckreiz auf. Die Behandlung erfolgt in erster Linie mit Permethrin, Benzylbenzoat, Crotamiton oder Ivermectin. Permethrin gilt als Mittel der ersten Wahl und ist auch bei Kindern einsetzbar.

synonym: Skabies

Symptome

Die Krätze ist eine parasitäre Hauterkrankung, die von Milben ausgelöst wird, welche sich in die Haut eingraben und vermehren. Als Primärläsion findet sich ein bis zu einem Zentimeter langer, kommaförmiger rötlicher Gang, an dessen Ende die Milbe als schwarzer Punkt erkennbar ist. Aufgrund einer allergischen Reaktion auf die Milben vom Typ IV entsteht drei bis vier Wochen nach dem Erstbefall das sogenannte Skabiesexanthem mit Rötungen, Papeln, Bläschen und Verkrustungen. Typisch ist der starke und unangenehme Juckreiz, der sich in der Bettwärme verschlimmert, weil Wärme die Schwelle für Juckreiz herabsetzt. Durch das Kratzen wird der Hautausschlag weiter verschlimmert.

Scabies tritt vor allem an warmen Hautregionen zwischen den Fingern und Zehen, am Handgelenk, am Knöchel, im Genitalbereich, am Gesäss, an den Brüsten, bei den Ellenbogen, Achselhöhlen und beim Nabel auf. Der Kopf bleibt meist ausgespart, aber bei Säuglingen werden auch das Gesicht und die Hand- und Fusssohlen befallen.

Ursache

Der Auslöser der Erkrankung ist die zwischen 0.2 bis 0.5 mm grosse Krätzmilbe Sarcoptes scabiei var hominis, eine Milbe aus der Klasse der Spinnentiere. Die Milben können nicht fliegen oder springen, aber auf der Haut relativ schnell krabbeln (2.5 cm pro Minute).

Ihr Lebenszyklus beginnt mit der Befruchtung des Weibchens an der Hautoberfläche. Dabei sterben die Männchen. Nur das Weibchen gräbt sich in das Stratum corneum der Haut ein, wo es zwischen 30 und 60 Tagen überlebt und täglich 2 bis 4 Eier ablegt. Die Eier entwickeln sich innert weniger Tage zu Larven, welche sich zurück an die Hautoberfläche arbeiten und dort über verschiedene Stadien während maximal zwei Wochen zu geschlechtsreifen Milben heranreifen. Bei normalem Immunstatus finden sich nur etwa 5 bis 15 eingegrabene Milben gleichzeitig auf der Haut.

Übertragung

Einmal auf die Haut gelangt, können sich die Milben innert Minuten eingraben. Sie werden hauptsächlich durch enge und lange (evt. wiederholte) Hautkontakte von Mensch zu Mensch übertragen, zum Beispiel beim Kuscheln, beim Geschlechtsverkehr, beim Stillen oder in der Pflege (Alters- und Pflegeheim). Krätze wird deshalb auch zu den sexuell übertragbaren Krankheiten gezählt. Ein Händedruck oder eine kurze Umarmung reicht nicht aus. Eine Übertragung über Gegenstände, Kleidung und Bettzeug ist möglich, gilt aber als selten. Denn die Milben sind ausserhalb des Körpers nur begrenzt lebensfähig und sterben bereits nach 24 bis 36 Stunden ab. Immunsupprimierte mit einer Scabies norvegica (siehe unter Komplikationen) sind hochansteckend und können zu einer grösseren Verbreitung in einer Gruppe führen.

Komplikationen

Der Körper schränkt mit der Immunreaktion den Befall ein und verhindert teilweise auch die Reinfektion. Bleibt diese Reaktion bei Immunsupprimierten aus, kann es zu einer massiven Vermehrung mit Millionen von Milben kommen (Scabies norvegica). Weitere Komplikationen sind Hautschädigungen und sekundäre bakterielle Infektionen.

RisikofaktorenDiagnose

Einige Hinweise lassen sich bereits aus der Anamnese gewinnen (nächtlicher Juckreiz, juckende Hauterkrankung, gleichzeitiger Befall von Familienmitgliedern). Auch das klinische Bild gibt Aufschlüsse, allerdings sind die Milbengänge aufgrund des Hautausschlags häufig nicht mehr gut erkennbar. Aufgrund der kleinen Grösse der Milben wird das Gewebe licht- und dermatoskopisch untersucht. Zahlreiche Hauterkrankungen kommen als Differentialdiagnosen in Frage und müssen in ärztlicher Behandlung ausgeschlossen werden. Filzläuse können im Genitalbereich ein ähnliches Bild hervorrufen. Filzläuse leben aber nicht in der Haut, sondern im Schamhaar.

Nicht-medikamentöse Behandlung

Kratzen kann die Milben zwar mechanisch entfernen, gleichzeitig aber auch die Hauterkrankung verschlimmern. Ohne Medikamente kann es Jahre dauern, bis vom Immunsystem oder durch das Kratzen alle Erreger eliminiert wurden.

Medikamentöse Behandlung

Zur medikamentösen Behandlung der Scabies werden sogenannte Antiscabiosa, also gegen Krätzmilben wirksame Mittel, eingesetzt. Die Angaben in den entsprechenden Packungsbeilagen sollen genau befolgt werden. Allgemein wird das Mittel vom Unterkiefer an abwärts auf den ganzen Körper verteilt und über Nacht einwirken gelassen. Am besten hilft dabei die Partnerin oder ein Familienmitglied, weil sonst nicht alle Stellen erreicht werden. Bei einigen Medikamenten genügt eine einmalige Anwendung, andere werden während 3 bis maximal 5 Tagen jeden Abend aufgetragen. Nach 10-14 Tagen kann die Behandlung bei Verdacht auf einen fortbestehenden Befall wiederholt werden. Enge Kontaktpersonen sollten nach Möglichkeit mitbehandelt werden, auch wenn kein Befall nachgewiesen ist. Es ist zu beachten, dass die Hautaffektionen und der Juckreiz auch Wochen bis Monate nach der erfolgreichen Behandlung bestehen bleiben können. Dies ist nicht auf ein Therapieversagen zurückzuführen.

Permethrin gilt gemäss Literatur als Mittel der Wahl und kann unter ärztlicher Aufsicht bereits bei Säuglingen ab 2 Monaten eingesetzt werden. Die Creme wird abends auf die trockene Haut aufgetragen und über Nacht während mindestens 8 Stunden einwirken gelassen. In der Regel genügt eine einmalige Behandlung. Die Anwendung kann nach zwei Wochen wiederholt werden. In der Schweiz ist derzeit kein Medikament in der richtigen Konzentration im Handel (5% für Erwachsene). Loxazol® enthält lediglich 1% Permethrin. Das entsprechende Arzneimittel muss deshalb aus Deutschland importiert werden (Infectoscab®) oder in einer gut ausgerüsteten Apotheke als Magistralrezeptur hergestellt werden. → siehe auch unter Permethrin

Benzylbenzoat ist eine mögliche Alternative zu Permethrin und ist in Deutschland zugelassen. Die Emulsion wird an drei aufeinanderfolgenden Tagen vom Hals abwärts auf den ganzen Körper aufgetragen und erst am 4. Tag abgewaschen. Es steht in der Schweiz ebenfalls nicht zur Verfügung. In Deutschland ist es unter dem Markennamen Antiscabiosum® (10% oder 25%) erhältlich.

Crotamiton (Eurax®) soll zusätzlich gegen Juckreiz und Bakterien wirksam sein und war in der Schweiz zur Behandlung bei Erwachsenen zugelassen. Die gesamte Hautoberfläche (ohne Gesicht und Haarboden) wird abends eingerieben. Die Behandlungsdauer liegt bei 3-5 Tagen. Gemäss einigen Quellen ist es deutlich schlechter wirksam als Permethrin. Eurax® ist in der Schweiz seit dem Jahr 2012 ausser Handel.

Ivermectin wird innerlich als Einzeldosis verabreicht und ist eine weitere mögliche Behandlungsalternative. Es kommt zum Beispiel bei der hochansteckenden Scabies norvegica zum Einsatz, da dort ein grossflächiger Befall vorliegt. Ivermectin ist in der Schweiz nicht als Humanarzneimittel zugelassen und muss aus dem Ausland importiert werden (Stromectol®, z.B. aus Frankreich).

Zur Behandlung der Hautaffektionen werden unter anderem die entzündungshemmenden topischen Glucocorticoide und bei Sekundärinfekten auch Antibiotika eingesetzt. Gegen Juckreiz stehen verschiedene Mittel zur Verfügung (siehe unter dem Artikel Juckreiz).

Weitere Optionen: Allethrin, Mesulfen, Schwefel (10% in Vaseline), Perubalsam und Teebaumöl sind gegen Scabies wirksam, gehören aber nicht zu den Mitteln der ersten oder zweiten Wahl. Weitere (auch pflanzliche) Behandlungen sind denkbar, aber bisher ungenügend untersucht.

Lindan (Jacutin®) ist ausser Handel und sollte aufgrund der möglichen unerwünschten Wirkungen nicht mehr verwendet werden. Malathion (Prioderm®) ist in der Schweiz in dieser Indikation nicht zugelassen.

siehe auch

Räude der Hunde

LiteraturAutor

Interessenkonflikte: Keine / unabhängig. Der Autor hat keine Beziehungen zu den Herstellern und ist nicht am Verkauf der erwähnten Produkte beteiligt.


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Dieser Artikel wurde zuletzt am 15.9.2015 geändert.
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