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Tylosin Arzneimittelgruppen Tierarzneimittel Antibiotika Makrolide

Tylosin ist ein Wirkstoff aus der Gruppe der Makrolid-Antibiotika. Er wird als Tierarzneimittel bei Infektionen mit grampositiven Erregern und Mykoplasmen bei Rindern, Kälbern, Schweinen und Hühnern eingesetzt. Tylosin ist bakteriostatisch und in höheren Konzentrationen auch bakterizid. Die antibakterielle Wirkung beruht auf der Hemmung der Proteinsynthese durch Bindung an die 50S-Untereinheit der bakteriellen Ribosomen. Wie bei anderen Makroliden werden schnell Resistenzen beobachtet. Pferde sind von einer Behandlung mit Tylosin ausgeschlossen, da es zu schweren bis tödlichen Durchfällen kommen kann. Zu den möglichen unerwünschten Wirkungen gehören Ödeme der rektalen Schleimhaut, Juckreiz, Durchfall, Appetitlosigkeit, Schmerzen, lokale Reizungen und Nekrosen an der Einstichstelle und Hauterscheinungen.

synonym: Tylosinum PhEur, Tylosin A, Tylosintartrat, Tylosinphosphat

Produkte

Tylosin ist als Injektionslösung und in Form von Arzneimittelvormischungen als Tierarzneimittel im Handel (Tylan®). Kombinationspräparate mit Chloramphenicol und Sulfadimidin sind ebenfalls erhältlich. Es ist in der Schweiz seit dem Jahr 1967 und ausschliesslich als Tierarzneimittel zugelassen.

Struktur und Eigenschaften

Tylosin (C46H77NO17, Mr = 916.1 g/mol) liegt als weisses bis schwach gelbes Pulver vor. Es hat einen charakteristischen Geruch und ist in Wasser schwer löslich. Die Salze Tylosintartrat und Tylosinphosphat, welche in Arzneimittelvormischungen verwendet werden, sind jedoch sehr gut wasserlöslich. Tylosin ist eine schwache, organische Base mit einem pKa von 7.1. In einer wässrigen Lösung mit einem pH von 4 bis 9 ist es stabil. Tylosin ist lipophil und hat eine typische Makrolidstruktur mit einem zentralen 16-gliedrigen Laktonring und 3 glykosidisch gebundenen Zuckern. Es wird vom Stamm Streptomyces fradiae gebildet.

Wirkungen

Tylosin (ATCvet QJ01FA90 ) ist bakteriostatisch, in höheren Konzentrationen auch bakterizid. Es ist wirksam gegen grampositive Bakterien, einige gramnegative Bakterien (u.a. Haemophilus), Mykoplasmen und Spirochäten.

Wirkmechanismus der Makrolide, zum Vergrössern anklicken. Illustration © PharmaWiki

Wirkmechanismus

Tylosin ist ein Proteinsynthesehemmer. Die Wirkungen beruhen auf der Bindung an die 50S-Untereinheit der bakteriellen Ribosomen, wodurch die Proteinsynthese behindert wird. Es hat eine lange Wirkdauer. Die Wirkung und Aktivität von Tylosin ist vergleichbar mit der von Erythromycin. Wie auch gegen andere Makrolide entwickeln Bakterien rasch Resistenzen. Kreuzresistenz zu anderen Makroliden (v.a. zu Erythromycin) sowie zu Lincosamiden und Streptograminen ist möglich.

Indikationen

Tylosin wird bei Infektionen mit grampositiven Erregern und Mykoplasmen bei Rindern, Kälbern, Schweinen und Hühnern eingesetzt. In anderen Ländern wird Tylosin auch zur Vorbeugung und Behandlung von Leberabszessen bei Rindern angewandt. Vor allem in den USA wird es zudem noch als Wachstumsstimulans bei Schweinen verwendet. Es wird allerdings empfohlen, Tylosin nur zu rein therapeutischen Zwecken einzusetzen, da sonst die Resistenzbildung begünstigt wird.

Dosierung

Gemäss der Fachinformation. Die Injektionslösung wird dem Tier in den Muskel gespritzt. Bei Rindern kann sie auch langsam intravenös verabreicht werden. Mit den Arzneimittelvormischungen wird ein Fütterungsarzneimittel frisch hergestellt. Dafür wird die Tylosin-Vormischung in mehlförmiges Futter, Flüssigfutter oder in Trinkwasser eingemischt. Der Anwender sollte dabei den Kontakt des Arzneimittels mit Haut und Schleimhäuten vermeiden und aus dem Grund entsprechende Schutzausrüstung tragen.

Kontraindikationen

Tylosin ist bei Überempfindlichkeit (auch gegen Tylosintartrat und andere Makrolid-Antibiotika) kontraindiziert. Pferde sind von der Behandlung mit Tylosin ausgeschlossen, da es bei diesen zu tödlichen Durchfällen kommen kann. Die vollständigen Vorsichtsmassnahmen finden sich in der Arzneimittel-Fachinformation.

Interaktionen

Die gleichzeitige Verabreichung von Tylosin und Digitalisglykosiden ist kontraindiziert, da es zur einer Erhöhung der Wirkung der Digitalisglykosiden und somit zu Toxizität kommen kann. Tylosin ist mit Erythromycin verwandt und verursacht deshalb ähnliche Wechselwirkungen wie Erythromycin.

Unerwünschte Wirkungen

Zu den möglichen unerwünschten Wirkungen gehören Ödeme der rektalen Schleimhaut, Juckreiz, Durchfall, Appetitlosigkeit und Hauterscheinungen. Diese klingen nach der Beendigung der Behandlung aber meist problemlos ab. Nach der intramuskulären Verabreichung können Schmerzen, lokale Reizungen oder auch Nekrosen auftreten. Bei einer Überdosierung kann es bei Ferkeln zu einer Schockreaktion kommen, die möglicherweise tödlich verlaufen kann.

siehe auch

Erythromycin, Makrolide

LiteraturAutorin

Interessenkonflikte: Keine / unabhängig. Die Autorin (IE) hat keine Beziehungen zu den Herstellern und ist nicht am Verkauf der erwähnten Produkte beteiligt. Review: AV

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Dieser Artikel wurde zuletzt am 10.12.2019 geändert.
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