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Bettnässen (Enuresis nocturna) Indikationen

Beim Bettnässen wacht das Kind nachts nicht auf, wenn die Blase voll ist und uriniert ins Bett. Bettnässen stellt vor allem für ältere Kinder und Jugendliche ein psychosoziales Problem dar. Zur Behandlung gelten Weckapparate als Mittel der ersten Wahl. Sie sind mit einem Sensor ausgerüstet und lösen einen Alarm aus, sobald Harn ins Pyjama oder ins Bett gelangt. Medikamente sind Mittel der zweiten Wahl. Eingesetzt werden Desmopressin, trizyklische Antidepressiva und Parasympatholytika.

synonym: Bettnässen, Enuresis nocturna, Einnässen

Symptome

Beim Bettnässen entleert ein Kind im Alter von über 5 Jahren wiederholt nachts die Blase, ohne dass eine organische oder medizinische Ursache vorliegt. Es wacht nicht auf, wenn die Blase voll ist und kann deshalb nicht zur Toilette gehen. Tagsüber funktioniert hingegen alles normal. Das Problem tritt etwas häufiger bei Buben als bei Mädchen auf. Auch Jugendliche und Erwachsene können betroffen sein, die Häufigkeit nimmt mit dem Alter jedoch stark ab:

Alter Häufigkeit
5 Jahre 25 %
6 Jahre 10 %
12 Jahre 3 %
> 18 Jahre 1 %
Ursachen

Eine gängige Theorie beschreibt das Bettnässen als eine vererbte Teilentwicklungsstörung des zentralen Nervensystems. Jene Prozesse, welche das Aufwachen und die Blasenfunktion steuern, sind noch nicht vollständig ausgebildet. Bei einem Teil der Kinder wird nachts zudem nicht ausreichend antidiuretisches Hormon (ADH, Vasopressin) ausgeschüttet. Zu den Risikofaktoren gehören ein junges Alter und männliches Geschlecht. Deutlich gezeigt wurde auch die Rolle der Vererbung. Psychische Probleme und Erkrankungen sollen nach neueren Erkenntnissen keine Rolle spielen, vielmehr entstehen sie erst als Folge des Bettnässens.

Komplikationen

Bettnässen stellt vor allem für ältere Kinder und Jugendliche ein psychosoziales Problem dar. Ängstlichkeit, Scham- und Schuldgefühle können sich einstellen und das Auswärtsschlafen wird zum Problem (z.B. in einem Klassenlager, in den Ferien oder später bei der Freundin). Für die Eltern kann es frustrierend sein, wenn es lange anhält, das Bett immer neu bezogen werden muss und keine Lösung gefunden wird. Leider gibt es immer noch Eltern, die ihre Kinder für das Bettnässen bestrafen, was völlig unsinnig ist.

Diagnose

In ärztlicher Behandlung sollen schwerwiegende Ursachen ausgeschlossen werden, z.B. Diabetes insipidus, Diabetes mellitus, Nierenerkrankungen, Harnwegsinfektionen, Rückenmarkserkrankungen, Tumore oder anatomische Anomalien des Urogenitaltrakts. Beim Bettnässen liegt keine Harninkontinenz vor. Auch Medikamente können beteiligt sein, z.B. Valproinsäure, Diuretika, Sedativa oder Lithium. Besonders wenn auch tagsüber unfreiwillig Urin abgeht, sollen weitere Abklärungen getroffen werden.

Nicht-medikamentöse Behandlung

Weckapparate: Alarmsysteme gehören zu den wirksamsten Interventionen, sind Mittel der ersten Wahl und helfen der Mehrheit der Kinder (z.B. AntiNass®, Pipi-Stop®). Beim Bettnässen wird durch einen Sensor ein Alarm ausgelöst, das Kind erwacht und zur Toilette geschickt. Dabei findet langsam eine Konditionierung statt, welche ermöglicht, dass das Kind auch ohne den Alarm bei voller Blase besser aufwacht. Die Behandlung muss während mindestens 3 Monaten durchgeführt werden und es braucht einige Wochen, bis sich ein Effekt einstellt. Der Sensor wird je nach Produkt entweder direkt im Pyjama oder unter dem Bettbezug platziert. Einige Kinder wachen nicht auf, wenn der Alarm losgeht (im Gegensatz zum Rest der Familie). Zu Beginn kann es hilfreich sein, wenn ein Elternteil oder ältere Geschwister im selben Raum schlafen und helfen, den Alarm abzuschalten, aufzustehen und zur Toilette zu gehen.

Weiter sollen die Kinder angewiesen werden, die Blase tagsüber regelmässig zu entleeren und nicht zu warten. Viele Kinder gehen in der Schule zu wenig häufig auf die Toilette, was die Harnretention tagsüber fördert. Eine allfällige Verstopfung vermindert die Blasenkapazität und kann mit einer adäquaten Ernährung oder der Einnahme gut verträglicher Abführmittel aufgehoben werden.

Abends und vor dem Schlafengehen nicht zuviel trinken oder essen und die Blase vor dem Schlafen entleeren. Abends sollen keine coffeinhaltigen Getränke wie zum Beispiel Schwarztee oder Cola konsumiert werden, da diese harntreibend wirken. Die Kinder sollen dazu angehalten werden, nachts die Toilette zu benutzen, wenn sie urinieren müssen.

Während des Schlafens können Windeln getragen werden. Im Handel sind zum Beispiel Huggies Drynites Nachtwindeln® erhältlich.

Positives Feedback: Das Kind erhält für jede trockene Nacht eine kleine Belohnung, wie zum Beispiel einen Stern in einem Kalender.

Auch keine Behandlung führt schliesslich zum Ziel. Nach einigen Monaten oder Jahren löst sich das Problem in der Regel von selbst. Pro Jahr werden etwa 15% der Kinder beschwerdefrei.

Medikamentöse Behandlung

Medikamente sind Mittel der 2. Wahl, die aufgrund der möglichen unerwünschten Wirkungen zurückhaltend eingesetzt werden sollten. Zuerst sollten immer nicht-medikamentöse Massnahmen ergriffen werden. Die Behandlung ist symptomatisch, d.h. nach dem Absetzen kommt es in der Regel zu Rückfällen.

Antidiuretika:

Antidepressiva:

Parasympatholytika:

Weitere Optionen:

Wissenswertes

Der Weckapparat AntiNass (Pipi-Stop) wurde vom Laupener Ernst Bieri (1914-2007) im Jahr 1932 erfunden (Guignard, 2007).

LiteraturAutor

Interessenkonflikte: Keine / unabhängig. Der Autor hat keine Beziehungen zu den Herstellern und ist nicht am Verkauf der erwähnten Produkte beteiligt.


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Dieser Artikel wurde zuletzt am 13.7.2012 geändert.
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