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Amylnitrit Arzneimittelgruppen Vasodilatatoren, Antidote

Amylnitrit ist ein Wirkstoff aus der Gruppe der Vasodilatatoren mit gefässerweiternden Eigenschaften. Es wird als Antidot bei einer Cyanidvergiftung und zur Behandlung von Angina-pectoris-Anfällen eingesetzt. Die Flüssigkeit wird auf ein Taschentuch gegeben und eingeatmet. Der Wirkstoff gelangt über die Lunge in den Blutkreislauf und die Wirkungen treten rasch ein. Amylnitrit darf nicht mit PDE5-Hemmern wie Viagra® und anderen gefässerweiternden Wirkstoffen kombiniert werden, weil daraus ein gefährlicher Blutdruckabfall entstehen kann. Von einer missbräuchlichen Anwendung ist dringend abzuraten („Poppers“).

synonym: Amylium nitrosum, Pentylnitrit, Isoamylnitrit, Nitropentan

Produkte

Amylnitrit ist in Form von Ampullen im Handel (Amyle Nitrite Inhalant USP). Das in der Schweiz erhältliche Präparat wird aus dem Ausland importiert und ist nicht offiziell als Arzneimittel zugelassen. Amylnitrit gehört zur Antidotliste des Bundesamts für Gesundheit und muss in Krankenhäusern für die Behandlung einer Cyanidvergiftung vorrätig gehalten werden.

Struktur und Eigenschaften

Amylnitrit (C5H11NO2, Mr = 117.1 g/mol) ist ein Alkylderivat der salpetrigen Säure. Es liegt als klare, gelbliche Flüssigkeit mit einem eigenartigen fruchtetherartigen Geruch und einem brennenden Geschmack vor. Es ist flüchtig und auch bei tiefer Temperatur leicht entzündlich. Amylnitrit ist in Wasser praktisch unlöslich und mit Ethanol und Ether mischbar.

Wirkungen

Amylnitrit (ATC V03AB22 ) ist gefässerweiternd. Es ist vor allem an der glatten Gefässmuskulatur wirksam. Der Wirkstoff wird in der Lunge in den Blutkreislauf aufgenommen und entfaltet seine Wirkungen rasch (bei Angina pectoris innert einer Minute). Er hat eine kurze Wirkdauer im Bereich von wenigen Minuten. Amylnitrit führt zur Bildung von Methämoglobin, welches Zyanid bindet.

Indikationen

Als Antidot bei einer Cyanidvergiftung. Zur raschen Symptomlinderung bei Angina pectoris.

Missbrauch

Amylnitrit wird aufgrund seiner gefässerweiternden, psychotropen, aphrodisierenden, euphorisierenden und dämpfenden Eigenschaften unter anderem zur sexuellen Stimulation verwendet („Poppers“). Aufgrund der möglichen schweren unerwünschten Wirkungen ist von einer missbräuchlichen Anwendung aus unserer Sicht dringend abzuraten.

Dosierung

Gemäss der Antidotliste des BAG. Das Arzneimittel wird im Sitzen oder im Liegen als Inhalation verabreicht, in der Regel auf einem Taschentuch zum Einatmen.

Kontraindikationen

Amylnitrit ist bei Überempfindlichkeit, während der Schwangerschaft, bei einem Glaukom und einem Schädeltrauma kontraindiziert. Die vollständigen Vorsichtsmassnahmen finden sich in der Arzneimittel-Fachinformation.

Interaktionen

Amylnitrit darf nicht mit Alkohol, Phosphodiesterase-5-Hemmern wie beispielsweise Sildenafil (Viagra®) und anderen gefässerweiternden Wirkstoffen kombiniert werden, weil daraus ein gefährlicher Blutdruckabfall entstehen kann.

Unerwünschte Wirkungen

Zu den möglichen unerwünschten Wirkungen gehören ein tiefer Blutdruck, Kopfschmerzen, Schwindel, ein schneller Herzschlag, eine kurze Bewusstlosigkeit, eine Rötung des Gesichts (Flush), ein Wärmegefühl, die Entstehung einer Methämoglobinämie, Übelkeit und Erbrechen. Die wiederholte Anwendung führt zu einer Toleranz.

siehe auch

Antidote, Phosphodiesterase-5-Hemmer

LiteraturAutor

Interessenkonflikte: Keine / unabhängig. Der Autor hat keine Beziehungen zu den Herstellern und ist nicht am Verkauf der erwähnten Produkte beteiligt.

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Dieser Artikel wurde zuletzt am 25.11.2012 geändert.
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