Unsere Vision Team Kontakt Werben SPENDEN Disclaimer Newsletter Twitter Facebook

Metformin Arzneimittelgruppen Antidiabetika Biguanide

Metformin ist ein Wirkstoff aus der Gruppe der Biguanide zur Behandlung von Diabetes mellitus. Es hemmt die Bildung von Glucose in der Leber und fördert seine Aufnahme in den Muskel. Zu den häufigsten unerwünschten Wirkungen gehören Verdauungsbeschwerden wie Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Bauchschmerzen und Geschmacksstörungen. Im Gegensatz zu anderen Antidiabetika verursacht Metformin keine Hypoglykämie und Gewichtszunahme. Die gefürchtete Laktatazidose tritt als Nebenwirkung äusserst selten auf.

synonym: Metforminum, Metformini hydrochloridum PhEur, Metforminhydrochlorid

Produkte

Metformin wurde 1957 synthetisiert. Es ist in der Schweiz bereits seit März 1960 zugelassen (in den USA seit 1995) und in Form von Filmtabletten und als wasserlösliches Granulat in Sachets im Handel. Neben dem Original Glucophage® sind zahlreiche Generika und Fixkombinationen mit anderen Antidiabetika erhältlich. Das lipophilere Phenformin, das erste Antidiabetikum aus der Gruppe der Biguanide, ist nicht mehr im Handel, weil es verglichen mit Metformin häufiger eine gefährliche Laktatazidose als unerwünschte Wirkung ausgelöst hat. Es wurde Ende der 1970er Jahre vom Markt genommen. Buformin (Silubin®) ist ebenfalls ausser Handel.

Struktur und Eigenschaften

Metforminhydrochlorid oder 1,1-Dimethylbiguanid · HCl (C4H11N5 · HCl, Mr = 165.6 g/mol) liegt in Form weisser, fast geruchloser und bitter schmeckender Kristalle vor, die sich in Wasser leicht lösen. Es ist ein dimethyliertes Biguanid, das sich von Guanidin ableitet, das selbst auch blutzuckersenkend ist, aber nicht als Arzneimittel eingesetzt wird. Das Guanidinderivat Galegin kommt in der Geissraute Galega officinalis vor, welche in der Volksmedizin bei Diabetes eingesetzt wurde.

Wirkungen

Metformin (ATC A10BA02 ) hat antidiabetische und antihyperglykämische Eigenschaften. Es hemmt die Gluconeogenese in der Leber, verringert die Insulinresistenz und erhöht die Glucoseaufnahme in den Muskel. Es wird deshalb auch als „Insulinsensitizer“ bezeichnet (engl. sensitize: empfindlich machen). Ferner hat es zahlreiche weitere pleiotrope Effekte, ist kardioprotektiv, appetithemmend, lipidsenkend und vasoprotektiv. Es kann eine mässige Gewichtsreduktion bei Übergewicht fördern und führt nicht zu einer Gewichtszunahme.

Indikationen

Metformin ist als Monotherapie zur Behandlung des Diabetes mellitus Typ 2 zugelassen, insbesondere bei übergewichtigen Patienten. Es kann alleine oder in Kombination mit anderen Antidiabetika oder Insulinen angewendet werden. Es ist ferner als Ergänzung zur Insulintherapie bei Diabetes mellitus Typ 1 zugelassen und kann den Insulinbedarf senken.

Metformin wird unter anderem auch zur Vorbeugung von Diabetes, bei Patienten mit antiretroviraler Therapie, bei Übergewicht ohne Hyperglykämie und beim polyzystischen Ovarialsyndroms untersucht und Off-Label eingesetzt, ist aber bisher in diesen Indikationen nicht zugelassen.

Dosierung

Metformin wird in 2 bis 3 Einzeldosen über den Tag verteilt während den Mahlzeiten eingenommen. Die Tabletten sollten in der Regel nicht geteilt werden, da Metformin unangenehm bitter schmeckt, es sind jedoch auch teilbare Tabletten im Handel. Die maximale Tagesdosis beträgt 3000 mg, für Kinder 2000 mg. Metformin ist für Kinder und Jugendliche ab 10 Jahren zugelassen.

Interaktionen

Siehe Fachinformation. Zahlreiche Arzneimittel und Substanzen können den Blutzucker beeinflussen.

Kontraindikationen

Diese Kontraindikationen zielen in erster Linie darauf ab, einer Laktatazidose als unerwünschte Wirkung vorzubeugen. In der Fachliteratur sind sie teilweise umstritten und es wird befürchtet, dass vielen Patienten eine wirksame Therapie vorenthalten wird. Sie sollten aber befolgt werden, solange sie behördlich vorgegeben sind. Die vollständigen Vorsichtsmassnahmen finden sich in der Arzneimittel-Fachinformation.

Unerwünschte Wirkungen

Im Gegensatz zu anderen Antidiabetika wie den Sulfonylharnstoffen verursacht Metformin keine Hypoglykämie und keine Gewichtszunahme, weil es die Insulinfreisetzung aus den Betazellen nicht direkt stimuliert (Ausnahme: Kombinationspräparate).

Gastrointestinale Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Bauchschmerzen und Appetitverlust treten sehr häufig auf und können bei 5% der Patienten zu einem Therapieabbruch führen. Diese unerwünschten Wirkungen treten hauptsächlich zu Beginn der Behandlung auf, sind dosisabhängig und lassen sich mit einer langsamen Dosissteigerung und einer Verteilung der Einzeldosen über den Tag reduzieren. Auch retardierte Arzneiformen sollen diese Nebenwirkungen verringern. In der Schweiz ist aber bisher kein retardiertes Metformin im Handel; in den USA ist Glucophage® XR zugelassen. Geschmacksstörungen wie metallischer oder bitterer Geschmack sind häufig. Sehr selten sind Hautrötungen, eine verminderte Absorption von Vitamin B12 mit einem leichten, klinisch meist nicht relevanten Vitamin-B12-Mangel, Blutbildstörungen und Anämie.

Eine schwere unerwünschte Wirkung, die häufig einen tödlichen Ausgang nimmt, ist die Laktatazidose. Sie tritt gemäss Literatur mit einer geschätzten Häufigkeit von 3 Fällen pro 100'000 Patientenjahren sehr selten und vor allem bei Risikogruppen auf. Es handelt sich um eine metabolische Azidose, die möglicherweise von der Hemmung der hepatischen Gluconeogenese verursacht wird. Zur Vorbeugung sollen die Kontraindikationen und Vorsichtsmassnahmen genau beachtet werden, da diese Risikofaktoren für die Entstehung darstellen. Der Zusammenhang zwischen der Metformintherapie und der Entstehung einer Laktatazidose wurde in den letzten Jahren hinterfragt und ist umstritten (z.B. Salpeter et al., 2006). Die Kontraindikationen und Vorsichtmassnahmen sollen aber nach wie vor beachtet werden.

siehe auch

Antidiabetika, Insuline, Diabetes mellitus Typ 2, Vitamin-B12-Mangel

LiteraturAutor

Interessenkonflikte: Keine / unabhängig. Der Autor hat keine Beziehungen zu den Herstellern und ist nicht am Verkauf der erwähnten Produkte beteiligt.

Weitere Informationen

© PharmaWiki 2007-2018 - PharmaWiki informiert unabhängig und zuverlässig über Medikamente und Gesundheit.
Dieser Artikel wurde zuletzt am 9.4.2017 geändert.
Produkte zu dieser Seite anzeigen