Bupropion
Arzneimittelgruppen
Antidepressiva
SNDRI / EntwöhnungsmittelZusammenfassungBupropion ist ein Wirkstoff aus der Gruppe selektiven Noradrenalin und Dopamin Wiederaufnahmehemmer, der zur Behandlung von Depressionen und als Entwöhnungsmittel zur Behandlung der Nicotinabhängigkeit zugelassen ist. Es wirkt vermutlich auch als Antagonist am nicotinergen Acetylcholinrezeptor. Zu den häufigsten unerwünschten Wirkungen der Behandlung gehören Schlaflosigkeit, Kopfschmerzen, Mundtrockenheit, gastrointestinale Beschwerden, einschliesslich Übelkeit und Erbrechen.
synonym: Bupropioni hydrochloridum
Produkte
Bupropion ist in Form von Retardtabletten im Handel (Wellbutrin® XR und Zyban®). Die zwei Arzneimittel werden in unterschiedlichen Indikationen eingesetzt; sieh unten. Es ist in der Schweiz seit 1999 zugelassen (Zyban®).
Struktur und Eigenschaften
Bupropion (C13H18ClNO, Mr 239.74 g/mol) oder (RS)-1-(3-Chlorphenyl)-2-tert-butylamino-propan-1-on ist ein monozyklisches Aminoketon. In Arzneimitteln liegt es als Racemat und als Hydrochlorid vor. Es ist bitter und auf der Zunge lokal betäubend. Bekannt sind drei aktive Metaboliten, Hydroxybupropion, Erythrohydrobupropion und Threohydrobupropion.

Wirkungen
Bupropion (ATC N06AX12
, ATC N07BA02
) wirkt antidepressiv und hemmt die Entzugserscheinungen, die durch einen Raucherstopp beziehungsweise Nicotinverzicht entstehen. Das Verlangen nach Nicotin wird gesenkt, die Entzugserscheinungen gemildert und die belohnende und verstärkende Wirkung des Rauchens verhindert.
Wirkmechanismus
Bupropion hemmt die Wiederaufnahme von Noradrenalin und Dopamin und mildert somit manche der unangenehmen Entzugssymptome nach dem Raucherstopp. Der Wirkmechanismus von Bupropion ist jedoch nicht eindeutig geklärt. Es wird angenommen, dass der Wirkstoff minimale Wirkung auf die Wiederaufnahme von Serotonin haben soll und neuere Studien weisen darauf hin, dass Bupropion einen nicht-kompetitiven, antagonistischen Effekt auf nikotinische Acetylcholin-Rezeptoren besitzt.
Indikationen
Einerseits wird Bupropion als Antidepressivum zur Behandlung von depressiven Episoden eingesetzt, andererseits ist es indiziert zur Behandlung der Nicotinabhängigkeit als Unterstützung während der Raucherentwöhnung, wo es auch in Kombination mit transdermalen Nicotin eingesetzt werden kann.
Es verbessert zudem die Symptome einer Aufmerksamdefizit-Hyperaktivitätsstörung, wirkt appetithemmend und soll wie die Dopaminagonisten das sexuelle Verlangen steigern, ist jedoch in diesen Indikationen in der Schweiz nicht zugelassen.
Dosierung
Gemäss Packungsbeilage. Die Raucherentwöhnungstherapie mit Bupropion sollte begonnen werden, solange der Patient oder die Patientin noch raucht. Der Termin des Raucherstopps, idealerweise die zweite Woche nach Therapiebeginn, sollte im Vorfeld festgelegt werden.
Kontraindikationen
Bupropion ist kontraindiziert bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff, während der Schwangerschaft, der Stillzeit und bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren. Der Wirkstoff ist weiter kontraindiziert bei Patienten mit Krampfanfällen (auch in der Anamnese), manisch-depressiven Erkrankungen, schweren Leberfunktionsstörungen, Tumor in dem Zentralnervensystem, Bulimie oder Anorexia nervosa (auch in der Anamnese), bei der gleichzeitigen Anwendung mit Monoaminoxidasehemmern oder bei gleichzeitiger Therapie mit anderen Bupropion-haltigen Arzneimitteln, bei Enzyminduktoren des CYP2B6 und bei Entzug von Alkohol oder Arzneimitteln mit Anfallsrisiko bei Entzug und bei Verabreichung von Dapoxetin und Sibutramin. Die vollständigen Vorsichtsmassnahmen finden sich in der Arzneimittel-Fachinformation.
Interaktionen
Bupropion und sein aktiver Metabolit Hydroxybupropion sind beide CYP2D6-Inhibitoren. Daher können Interaktionen mit Arzneimitteln auftreten, die über dieses Enzym abgebaut werden, zum Beispiel mit selektiven Serotonin Reuptake Inhibitoren wie Citalopram, trizyklischen Antidepressiva wie Desipramin und Imipramin, Betablockern wie Metoprolol, Typ 1C-Antiarrhythmika wie Propafenon und Flecainid und Antipsychotika wie Risperidon und Thioridazin.
Die gleichzeitige Gabe von Wirkstoffen, die den Metabolismus induzieren, wie beispielsweise Carbamazepin, Phenobarbital und Phenytoin oder den Metabolismus hemmen wie Valproat, können die klinische Wirksamkeit von Bupropion beeinflussen.
Es sollte beachtet werden, dass Rauchen eine Induktion von CYP1A2 bewirken kann. Nach einem Raucherstopp reduziert sich die Aktivität des Enzyms wieder. Dies kann bei der Anwendung von Medikamenten, welche über CYP1A2 metabolisiert werden, zu Komplikationen führen. Beispielsweise können bei Arzneimitteln mit enger therapeutischer Breite, wie Theophyllin, Tacrin und Clozapin, die Plasmaspiegel erhöht sein, wenn nach dem Raucherstopp keine Dosisanpassung erfolgt.
Bei der gleichzeitigen Verabreichung von Ritonavir, muss die Dosierung von Bupropion unter Umständen angepasst werden. Weitere Interaktionen: siehe Fachinformation.
Unerwünschte Wirkungen
Sehr häufig:
- Schlaflosigkeit, Kopfschmerzen, Mundtrockenheit, gastrointestinale Beschwerden einschliesslich Übelkeit und Erbrechen
Häufig:
- Überempfindlichkeitsreaktionen wie Urtikaria, Appetitlosigkeit, Agitiertheit, Angstzustände, Depressionen, Tremor, Schwindel, Geschmacksstörungen, Konzentrationsstörungen, Sehstörungen, Bauchschmerzen, Verstopfung, Hautausschlag, Juckreiz, Schweissausbrüche, Fieber, Kraftlosigkeit
Gelegentlich:
- Verwirrtheit, Tinnitus, Tachykardie, Blutdruckerhöhung (zum Teil schwerwiegend, vor allem bei Kombination mit transdermalen Nicotinsystemen), Flush, Brustschmerzen
Selten:
- Krampfanfälle, erhöhte Leberenzyme, Hepatitis, Erythema multiforma, Stevens Johnson Syndrom, Verschlechterung einer Psoriasis.
Sehr selten:
- Schwere Überempfindlichkeitsreaktionen, Blutzuckerstörungen, Aggressivität, Feindseligkeit, Reizbarkeit, Ruhelosigkeit, Halluzinationen, abnormale Träume, Depersonalisation, Wahnvorstellungen, paranoide Ideen, Dystonie, Ataxie, Parkinsonismus, Koordinationsstörungen, Gedächtnisstörungen, Parästhesie, Herzklopfen, Synkope, Gefässerweiterung, orthostatische Hypotonie, Muskelzucken, Rhabdomyalyse (vor allem nach Überdosierung), häufigeres Harnlassen, Harnverhalten
Einige Nebenwirkungen wie Schwindel, Kopfschmerzen und Schlaflosigkeit können auch durch die im Rahmen der Raucherentwöhnung aufgetretenen Entzugserscheinungen verursacht werden.
siehe auch
Raucherentwöhnung, Antidepressiva, Nicotin, Vareniclin, ADHS
Literatur
- Arzneimittel-Fachinformation (CH)
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