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Nifedipincrème bei einer Analfissur Arzneimittelgruppen Dihydropyridine

Eine Nifedipincrème ist eine Zubereitung zur lokalen Behandlung einer Analfissur. Nifedipin erweitert die Blutgefässe, wirkt wundheilungsfördernd und krampflösend auf den Analsphinkter. In der Schweiz sind Zubereitungen mit 0.2% Wirkstoff in Excipialcrème gebräuchlich. Das Arzneimittel muss in einer Apotheke individuell als Magistralrezeptur für die Patienten hergestellt werden, weil es bisher nicht als Spezialität bei der Swissmedic registriert ist.

synonym: Nifedipingel, Nifedipin-Salbe, Nifedipinsalbe, Nifedipin-Creme, Nifedipin-Suppositorien

Wirkungen

Nifedipin ist ein Wirkstoff aus der Gruppe der Dihydropyridine und wirkt entspannend auf die glatte Gefässmuskulatur. Es erweitert bei lokaler oder oraler Anwendung die Blutgefässe, verbessert die Durchblutung und damit die Wundheilung, ist entzündungshemmend und löst Krämpfe des Analsphinkters. Dihydropyridine hemmen den Einstrom von Calcium in die glatten Muskelzellen durch Inhibition der spannungsabhängigen Calciumkanäle vom L-Typ und damit die Muskelkontraktion.

Indikationen

Nifedipincrèmen werden zur lokalen, äusserlichen und konservativen Behandlung von Analfissuren eingesetzt.

Sie sind dazu bisher nicht als Fertigprodukte erhältlich, nicht für diese Indikation zugelassen und müssen als Magistralrezeptur in einer mit einem Labor ausgerüsteten Apotheke hergestellt werden.

Dosierung

Gemäss der ärztlichen Anweisung. Die Crème wird dreimal täglich mit dem Finger im Afterkanal ringsherum auftragen. Die Behandlung muss ununterbrochen während zirka 4 bis 6 Wochen Wochen erfolgen. Die verwendete Dosis ist klein (zirka eine erbsengrosse Menge) und soll nicht überschritten werden, um das Risiko für unerwünschte Wirkungen gering zu halten.

Herstellung

In der Schweiz sind Arzneiformen mit 0.2% Nifedipin in Excipialcrème gebräuchlich, die gemäss Untersuchungen bei Spirig während mindestens 3 bis 6 Monaten stabil bleiben. Dies reicht aus, da die Therapiedauer in der Regel zwischen 4 bis 6 Wochen liegt und die Crème frisch hergestellt wird. Excipialcrème wird wahrscheinlich deshalb häufig verwendet, weil die Schweizer Apothekerzeitung im Jahr 2002 über eine entsprechende Formulierung berichtete und es sich um eine gängige Grundlage handelt. Es ist jedoch anzumerken, dass in klinischen Studien auch Gele und Salben und höhere Konzentrationen bis 0.5% verwendet wurden.

Nifedipin 0.2 g
Excipial® Crème ad 100.0 g

Die Herstellung ist heikel und nicht in jeder Apotheke durchführbar. Es ist zu beachten, dass Nifedipin stark lichtempfindlich ist. Es wurde deshalb vorgeschlagen, im Dunkeln bei Rotlicht zu arbeiten oder alle Lampen und Fenster mit gelbem Drachenpapier abzudecken. Apotheken, welche die Salbe nicht selbst herstellen, können sie bei spezialisierten Dienstleistern bestellen. Einige Spitalapotheken stellen sie ebenfalls her. Auch Diltiazem, das zur lokalen Behandlung von Analfissuren verwendet wurde, ist lichtempfindlich.

Kontraindikationen

Die Kontraindikationen, Vorsichtsmassnahmen und möglichen Interaktionen einer oralen Nifedipintherapie sollten vorsichtshalber auch bei der lokalen Behandlung beachtet werden. Zu den Kontraindikationen gehören Überempfindlichkeit, Schwangerschaft und Stillzeit, Herz-Kreislauf-Schock, instabile Angina pectoris, akuter Myokardinfarkt (innerhalb der ersten 4 Wochen) und die Kombination mit Rifampicin. Die vollständigen Vorsichtsmassnahmen finden sich in der Arzneimittel-Fachinformation (z.B. Adalat®, Generika).

Unerwünschte Wirkungen

Es sind lokale Hautreaktionen und Überempfindlichkeitsreaktionen möglich. Selten können möglicherweise systemische unerwünschte Wirkungen von Nifedipin auftreten, zum Beispiel Oedeme, tiefer Blutdruck, Kopfschmerzen und Flush. Nifedipincrèmen sind gemäss klinischen Studien besser verträglich als die zur Behandlung einer Analfissur ebenfalls verwendeten Nitroglycerinsalben, die häufig einen Kopfschmerz, den sogenannten Nitratkopfschmerz, als unerwünschte Wirkung verursachen.

siehe auch

Nitroglycerinsalbe, Dihydropyridine, Nifedipin, Diltiazemsalbe

LiteraturAutor

Interessenkonflikte: Keine / unabhängig. Der Autor hat keine Beziehungen zu den Herstellern und ist nicht am Verkauf der erwähnten Produkte beteiligt. Mit bestem Dank an Karin von Niederhäusern, Apothekerin, für Hinweise zu diesem Artikel.


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Dieser Artikel wurde zuletzt am 18.2.2017 geändert.
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