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Methadon Arzneimittelgruppen Opioide

Methadon ist ein schmerzlindernder Wirkstoff aus der Gruppe der Opioide, der zur Behandlung von Schmerzen und zur Substitution im Rahmen einer Heroin-Entzugstherapie eingesetzt wird. Die Wirkungen beruhen auf der Bindung an die µ- und κ-Opioid-Rezeptoren. Zusätzlich zeigt Methadon eine antagonistische Wirkung am NMDA-Rezeptor. Die Dosis wird individuell bestimmt. Methadon unterscheidet sich von anderen Opioiden durch die wesentlich längere Wirkungsdauer und das langsamere Anfluten im Gehirn. Zu den möglichen unerwünschten Nebenwirkungen gehören Übelkeit, Erbrechen, Atemdepression, Verstopfung und Juckreiz.

synonyme: Methadonum, Methadoni hydrochloridum, Methadonhydrochlorid

Produkte

Methadon ist in Form vom Tabletten, als Injektionslösung und orale Lösung im Handel (z.B. Ketalgin®, Methadon Streuli®). Methadonlösungen werden in Apotheken auch als Magistralrezepturen zubereitet.

Struktur und Eigenschaften

Methadon (C21H27NO, Mr = 309.45 g/mol) ist ein synthetisch hergestelltes Derivat von Pethidin, das selbst ein Derivat von Atropin ist. Es ist chiral und liegt als Racemat vor, ein Gemisch zusammengesetzt aus dem D- und einem L-Isomer. Levomethadon (L-Methadon) ist vorwiegend aktiv. In Arzneimitteln liegt Methadon in der Regel als Methadonhydrochlorid vor, ein weisses, kristallines Pulver, das in Wasser löslich ist.

Wirkungen

Methadon (ATC N07BC02 ) hat schmerzlindernde, hustenreizlindernde, beruhigende, atemdepressive, leicht stopfende, miotische und emetische Eigenschaften. Die Effekte beruhen auf der Bindung an Opioidrezeptoren, hauptsächlich an die µ- und κ-Rezeptoren im zentralen Nevensystem, wobei die Affinität an den µ-Rezeptoren viel höher ist als die an den κ-Rezeptoren.

Methadon unterscheidet sich von anderen Opioiden durch die zusätzliche nicht-kompetitive antagonistische Aktivität am NMDA-Rezeptor. NMDA ist verantwortlich für die zentrale Schmerzweiterleitung und spielt eine wichtige Rolle bei der Entwicklung der Opioidtoleranz und -resistenz.

IndikationenDosierung

Gemäss der Arzneimittel-Fachinformation. Methadon hat eine variable Halbwertszeit. Normalerweise beträgt sie zirka 24 Stunden und deshalb genügt in der Regel eine einmal tägliche Verabreichung. Aufgrund der interindividuell variablen Pharmakokinetik muss die Dosis bei jedem einzelnen Patienten individuell eingestellt werden. Wird sie bei der Dosierung nicht berücksichtigt, kann es zur Kumulation und damit zu einer Methadonvergiftung kommen, was zum Atemstillstand und zum Tod führen kann. Methadon wird als Lösung für Abhängige meist mit Sirup oder Saft verdünnt oder angefärbt, was eine Injektion verhindert.

Kontraindikationen

Methadon ist bei Überempflindlichkeit, während der Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei Patienten mit einer chronisch-respiratorischen Insuffizienz, einer Bauchspeicheldrüsenentzündung oder einer schweren Leber- und Niereninsuffizienz kontraindiziert. Auch Patienten mit einer akuten Alkoholvergiftung sollte Methadon nicht verabreicht werden. Die vollständigen Vorsichtsmassnahmen finden sich in der Arzneimittel-Fachinformation.

Interaktionen

Methadon wird hauptsächlich in der Leber metabolisiert. Dabei spielt vor allem CYP3A4 eine wichtige Rolle, welches Methadon via N-Demethylierung zu EDDP, einem inaktiven Metaboliten, verstoffwechselt. Weitere an der Biotransformation beteiligten Enzyme sind CYP2D6, 2B6 und 1A2. Da viele Medikamente Substrate, Induktoren oder Inhibitoren von CYP3A4 sind, sind zahlreiche Interaktionen möglich.

Die gleichzeitige Verabreichung von MAO-Hemmern und Methadon kann einen fatalen Blutdruckabfall verursachen und im schlimmsten Fall die Patienten ins Koma versetzen. Eine verstärkte dämpfende Wirkung ist mit zentral dämpfenden Substanzen wie zum Beispiel Alkohol und Schlafmitteln zu erwarten.

Unerwünschte Wirkungen

Zu den häufigsten unerwünschten Wirkungen gehören Übelkeit, Erbrechen, Atemdepression, Verstopfung, Schwitzen, Schwindel, Mundtrockenheit, Juckreiz, Benommenheit, Sedation, Euphorie und Dysphorie.

Eine seltene und schwerwiegende unerwünschte Wirkung ist die Verlängerung des QT-Intervalls, die zu Herzrhythmusstörungen führen kann. Der häufigste Grund für das Auftreten einer QT-Verlängerung ist die gleichzeitige Verabreichung von anderen QT-verlängerenden Medikamenten oder der gleichzeitige Konsum von Cocain.

Methadon und Heroinabhängigkeit

Siehe unter Methadonsubstitution

LiteraturAutor und Review

Interessenkonflikte: Keine / unabhängig. Der Autor (SG) hat keine Beziehungen zu den Herstellern und ist nicht am Verkauf der erwähnten Produkte beteiligt. Interne Review: AV.

Peer-Review: Norman Ott, Apotheker, Spital-Pharmazie am Universitätsspital Basel

Weitere Informationen

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Dieser Artikel wurde zuletzt am 9.4.2017 geändert.
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