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Lipidpneumonie Indikationen

Eine exogene Lipidpneumonie äussert sich in unspezifischen Symptomen wie Husten und Atembeschweren. Sie entsteht durch die chronische Aspiration oder Inhalation von Mineralölen oder fetten Ölen, die sich in der Lunge ablagern und Entzündungsreaktionen auslösen. Häufige Ursachen sind die längerfristige Einnahme von Paraffin gegen Verstopfung oder die Anwendung von Nasenölen. Zur Behandlung werden die auslösenden Medikamente abgesetzt.

synonym: Exogene Lipidpneumonie, Lipoidpneumonie, Lipidaspiration, Fettpneumonie, Ölpneumonie

Symptome

Die Lipidpneumonie äussert sich in unspezifischen Symptomen wie chronischem Husten, Auswurf, Bluthusten, Atemstörungen (Dyspnoe), Fieber (zeitweise), Brustschmerzen und Gewichtsverlust durch die verstärkte Atemarbeit bei Hypoxie. Zu den möglichen Komplikationen gehören Superinfektionen. Die Erkrankung wurde zum ersten Mal von G.F. Laughlen im Jahr 1925 beschrieben. Er veröffentlichte zwei Fälle, die durch die Einnahme von Paraffin und zwei Fälle, die durch die Anwendung Mineralölhaltiger Nasentropfen verursacht wurden.

Ursachen

Eine Lipidpneumonie wird durch die Aspiration oder Inhalation fetter oder mineralischer Öle verursacht, die sich im Lungenraum ablagern und Entzündungsreaktionen in Gang setzen. Histologisch sind alveolär und interstitiell lipidbeladene Makrophagen mit zahlreichen Bläschen nachweisbar. Im Röntgenbild zeigen sich diffuse Flecken auf der Lunge. Im Verlauf der Erkrankung entwickelt sich eine Fibrose (Bindegewebsvermehrung) und eine Einschränkung der Atemfunktion.

Der am häufigsten beschriebene Auslöser ist das Mineralöl Paraffin, ein Gemisch flüssiger, gesättigter Kohlenwasserstoffe aus Erdöl, das zur Behandlung chronischer Verstopfung eingenommen oder als Nasenöl angewendet wird (siehe auch unter Paraffin als Abführmittel). Paraffin gelangt auch deshalb gut in die Lunge, weil es den mucoziliären Transport hemmt und den Hustenreflex nicht auslöst. Auch Vaseline, sowie pflanzliche und tierische Öle und Fette können eine Lipidpneumonie verursachen. Diese Stoffe kommen zum Beispiel in Nasenölen, Nasensalben, Lippenpommaden und Abführmitteln vor.

Zugrunde liegt meist eine chronische Erkrankung, die mit den entsprechenden Arzneimitteln über längere Zeit behandelt wird, zum Beispiel Verstopfung, eine Entzündung der Nasenschleimhaut oder eine trockene Nase. Die Anwendung vor dem Zubettgehen, gastrooesophagaler Reflux und psychische Erkrankungen können die Entstehung fördern. Auch kleine Kinder, chronisch Kranke, bettlägrige Personen und Menschen mit Schluckbeschwerden gehören zu den Risikogruppen für eine Lipidaspiration. Ferner ist eine Expostion mit solchen Stoffen in industriellen Betrieben möglich.

Diagnose

Die Diagnose wird dadurch erschwert, dass die Erkrankung selten vorkommt und die klinischen Symptome unspezfisch sind. Sie wird unter anderem anhand der Anamnese, einer Lungenbiopsie, bildgebender Verfahren und mit Lungenfunktionstests gestellt. Zu den Differentialdiagnosen gehören die endogene Lipidpneumonie, die durch körpereigene Lipide verursacht wird und zahlreiche andere Lungenerkrankungen.

Vorbeugung

Auslösende Medikamente sollen zurückhaltend oder gar nicht angewendet werden. Entsprechende Produkte können gut durch andere Mittel ersetzt werden. So werden heute fast ausschliesslich Nasenmittel auf wässriger Basis eingesetzt. Im Handel sind zahlreiche besser verträgliche Abführmittel erhältlich.

Behandlung

Die Massnahmen zur Behandlung sind nicht gut untersucht. Die auslösenden Medikamente sollen so rasch wie möglich abgesetzt werden und zugrundeliegende Erkrankungen wie zum Beispiel ein gastrooesophagaler Reflux behandelt werden. Eine Auswaschung der Lunge soll die Fremdkörper teilweise entfernen. In einigen Fällen wurden orale Glucocorticoide und bei einer schweren Atemeinschränkung Sauserstoff verwendet.

Situation in der Schweiz

Nasenöle auf Basis von Mineralölen oder fetten Ölen werden heute sehr selten eingesetzt, auch deshalb, weil viele Präparate nicht mehr im Handel erhältlich sind. Paraffin ist noch in einigen Abführmitteln enthalten. Wie gross die Gefahr bei emulgiertem Paraffin ist, zum Beispiel beim häufig verwendeten Paragar®, ist uns nicht bekannt. Solche Mittel sollten vorsichtshalber nur zurückhaltend und kurzfristig eingesetzt werden.

Auch fetthaltige Nasensalben und Lippenpommaden sollen nicht übermässig eingesetzt werden - entsprechende Fälle sind in der Literatur dokumentiert. In der Apotheke oder Drogerie sollte reines Paraffin nicht als Abführmittel verkauft werden. Auch die Herstellung von Nasenölen auf Paraffinbasis ist zu vermeiden.

siehe auch

Paraffin als Abführmittel

LiteraturAutor

Interessenkonflikte: Keine / unabhängig. Der Autor hat keine Beziehungen zu den Herstellern und ist nicht am Verkauf der erwähnten Produkte beteiligt.


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Dieser Artikel wurde zuletzt am 18.2.2016 geändert.
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