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Lactoseintoleranz Indikationen

Die Lactoseintoleranz ist eine Nahrungsmittelunverträglichkeit, die auf einem Mangel des Enzyms Lactase im Dünndarm beruht. Der Milchzucker gelangt unverdaut in den Dickdarm und löst Beschwerden wie Krämpfe, Blähungen und Durchfall aus. Zur Behandlung können lactosereiche Lebensmittel gemieden oder mit Mass genossen werden. Das fehlende Enzym kann vor den Mahlzeiten auch in Form von Tabletten zugeführt werden.

synonym: Laktoseintoleranz, Milchzuckerunverträglichkeit

Symptome

Etwa 30 Minuten bis zu 2 Stunden nach der Einnahme lactosehaltiger Nahrungsmittel kommt es zu den folgenden Verdauungsbeschwerden. Die Beschwerden treten erst ab einer bestimmten Menge auf (z.B. 12-18 g Lactose), sind dosisabhängig und individuell sehr unterschiedlich:

Weitere Beschwerden wie Darmgeräusche, Magenknurren, Übelkeit, Erbrechen, Verstopfung und Allgemeinsymptome können auftreten.

Ursachen

Damit das Disaccharid Lactose (Milchzucker) aus Nahrungsmitteln in den Körper aufgenommen werden kann, muss es im Darm vom Enzym Lactase in seine zwei Bestandteile Glucose und Galactose gespalten werden. Die Lactase kommt vor allem im Jejunum, dem mittleren Dünndarmabschnitt, vor und ist in der apikalen Zellmembran der Enterozyten verankert.

Die Ursache der Lactoseintoleranz ist eine reduzierte Lactasekonzentration im Dünndarm aufgrund eines Lactasemangels. Der Milchzucker kann nicht oder nur teilweise verdaut werden und gelangt in den Dickdarm. Dort wird vermehrt osmotisch Wasser zurückgehalten. Zudem wird die Lactose von der bakteriellen Flora zu Gärungsprodukten wie Carbonsäuren (Essigsäure, Buttersäure, Propionsäure) und Gasen (Wasserstoff, Methan, Kohlendioxid) vergärt.

Ursachen des Lactasemangels:

Primärer adulter Lactasemangel: Ein Lactasemangel ist in der Regel physiologisch bedingt, d.h. es handelt sich nicht um eine Erkrankung, sondern eine normale Entwicklung. Die höchsten Konzentrationen werden bei der Geburt gemessen. Nach dem Abstillen fällt die Lactasekonzentration bei allen Säugetieren rasch ab und sinkt im Verlauf des Lebens weiter. Bei Europäern kann es bis zu 20 Jahre dauern, bis die Konzentration die niedrigste Stufe erreicht hat.

Sekundär kann ein Lactasemangel durch eine Reihe von Erkrankungen ausgelöst werden. Zugrunde liegt eine Beschädigung der Dünndarmschleimhaut, zum Beispiel durch eine virale Gastroenteritis, eine Chemotherapie oder durch ein Trauma. Der erworbene Lactasemangel kann mit der Zeit wieder verschwinden.

Ein vererbter (angeborener) primärer kongentialer Lactasemangel mit völlig fehlender Enzymaktivität ist äusserst selten. Bei dieser Form treten bereits beim ersten Stillen Durchfälle auf.

Frühgeborene: Die Lactase wird in den letzten Schwangerschaftswochen gebildet, deshalb können Frühgeborene Lactose häufig nicht abbauen und vertragen keine Muttermilch. Das Ungeborene ist bis zur 34. Schwangerschaftswoche intolerant.

Auslöser

Die Auslöser sind lactosehaltige Nahrungsmittel wie Milchprodukte, also zum Beispiel Milch, Rahm, Käse, Kondensmilch, Milchpulver, Molke, Buttermilch, Feta, Quark und Ricotta. Die Menge Lactose ist je nach Produkt sehr unterschiedlich. Lactose ist in vielen Produkten „versteckt“. Sie wird vielen Lebensmitteln als Zusatzstoff beigefügt, zum Beispiel Brot, Frühstücksflocken, Salatsaucen oder Süssigkeiten. Lactose ist ein gebräuchlicher Hilfsstoff in Medikamenten wie Tabletten, Pulvern, Granulaten und in alternativmedizinischen Mitteln (z.B. Schüssler-Salze).

RisikofaktorenKomplikationen

Es ist wichtig zu wissen, dass die Lactoseintoleranz im Unterschied zu anderen Nahrungsmittelunverträglichkeiten (z.B. Zöliakie!) keine Schleimhautschäden verursacht. Milchprodukte können also weiterhin konsumiert werden, auch wenn dabei akute Beschwerden auftreten. Werden Milchprodukte gemieden, kann ein Calciummangel und ein Verlust der Knochendichte entstehen. Das Risiko für eine Osteoporose ist bei Menschen mit einer Lactoseintoleranz erhöht.

Diagnose

Zur probeweisen Selbstdiagnose können 3 dl Milch getrunken werden und im Folgenden beobachtet werden, ob Symptome auftreten.

DifferentialdiagnosenNicht-medikamentöse Massnahmen

Die wichtigste Massnahme besteht in der Reduktion des Verzehrs lactosereicher Nahrungsmittel. Eine vollständige Abstinenz ist aber meist nicht notwendig und auch nicht wünschenswert, weil Milch unter anderem wichtige Mineralstoffe (Calcium) und Vitamine enthält. Die meisten Patienten können kleine, verträgliche Mengen über den Tag verteilt zu sich nehmen. Die Verträglichkeit muss individuell ausprobiert werden.

Lactosefreie Milch ist im Handel erhältlich. Reismilch und Sojamilch sind lactosefrei, der Geschmack jedoch gewöhnungsbedürftig. Säugetiermilch wie Ziegenmilch enthält Lactose. Gesäuerte Milchprodukte wie Joghurt, Dickmilch, Quark und reifer Käse werden relativ gut vertragen, weil durch die Milchsäurebakterien ein Teil oder alle Lactose abgebaut wurde. Hartkäse wie Gruyère und Emmentaler kann problemlos konsumiert werden, weil er keine Lactose mehr enthält. Hilfsmittel: Ernährungstagebuch, Tabellen mit verträglichen Nahrungsmitteln, Apps.

Medikamentöse Behandlung

Die Lactase (z.B. Lacdigest®, Nahrungsergänzungsmittel) ist eine Beta-Galactosidase, welche den Milchzucker in Glucose und Galactose spaltet. Das Medikament wird unmittelbar vor der Einnahme einer lactosehaltigen Mahlzeit eingenommen und kann die Verträglichkeit erhöhen, zum Beispiel bei einem Restaurantbesuch.

Substitution von Calcium und Vitamin D bei ungenügender Zufuhr von Milchprodukten und Calciumhaltigen Nahrungsmitteln.

Probiotika: Bakterien mit Lactaseaktivität können Milchzucker abbauen (z.B. Lactobacillen).

Bei einer sekundären Lactoseintoleranz sollte die zugrundeliegende Erkrankung behandelt werden.

Für lactoseintolerante Säuglinge ist lactosearme adaptierte Milch im Handel, zum Beispiel Aptamil Pregomin®. Aptamil Pregomin® wird auch bei Nahrungsmittelallergien und Darmerkrankungen verwendet.

siehe auch

Lactase

LiteraturAutor

Dr. Alexander Vögtli vom PharmaWiki Team für PharmaWiki.ch. Interessenkonflikte: Keine / unabhängig. Der Autor hat keine Beziehungen zu den Herstellern und ist nicht am Verkauf der erwähnten Produkte beteiligt. Mit bestem Dank an Philipp Walter, dipl. pharm., Spezialist für labormedizinische Analytik FAMH, Universität Basel und Medizinisches Labor Olten, für ergänzende Informationen zu diesem Artikel.


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Dieser Artikel wurde zuletzt am 1.6.2017 geändert.
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