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FSME Indikationen Infektionskrankheiten

Die Frühsommer-Meningo-Enzephalitis (FSME) ist eine seltene von Zecken übertragene virale Infektionskrankheit. Der Krankheitsverlauf ist zweiphasig und beginnt mit einer grippeähnlichen Erkrankung. Für die meisten Patienten ist die Infektion damit abgeschlossen. Bei 20-30% setzt die zweite Phase ein, die durch den Befall des zentralen Nervensystems mit Ausbildung einer Hirnhaut- und Gehirnentzündung charakterisiert ist. Der Verlauf ist bei Erwachsenen schwerer als bei Kindern. Eine antivirale Therapie gegen FSME-Viren existiert noch nicht, weshalb die Infektion nur symptomatisch behandelt werden kann. Zur Vorbeugung steht eine Impfung mit inaktivierten Viren zur Verfügung. Das Infektionsrisiko lässt sich auch durch verschiedene andere Massnahmen verkleinern.

synonyme: Zeckenenzephalitis, Frühsommer-Meningo-Enzephalitis

Symptome

Eine Frühsommer-Meningo-Enzephalitis (FSME) verläuft in etwa 70-90% der Fälle asymptomatisch. Sie ist durch ihren zweiphasigen Krankheitsverlauf gekennzeichnet. In der frühen Phase, die 4-6 Tage dauert, kommt es zu Grippe-ähnlichen Symptomen wie Fieber, Kopf-, Gliederschmerzen, Übelkeit und Erbrechen. Es können gelegentlich auch neurologische Symptome wie Sehstörungen auftreten. Danach folgt eine kurze, asymptomatische Phase, mit der für den grössten Teil der Patienten (70-80%) die Erkrankung abgeschlossen ist.

20-30% der Infizierten machen die zweite Phase der Erkrankung durch, in der das zentrale Nervensystem befallen wird. Es entstehen gefährliche Entzündungsreaktionen des Nervensystems mit einer Gehirn- und/oder Hirnhautentzündung. Diese werden von hohem Fieber, starken Kopfschmerzen, Nackensteifigkeit, Lichtempfindlichkeit, Schwindel, Sprech-, Gehstörungen und sowie Lähmungserscheinungen begleitet. In zirka 10% der Fälle mit einer zweiten Phase kann sich zusätzlich eine Entzündung des Rückenmarks oder der Spinalnervenwurzeln entwickeln, die Folgeschäden verursacht oder in 1-2% tödlich endet.

Ursachen und Erreger

Der FSME-Erreger ist ein RNA-Virus aus der Familie der Flaviviren, das von Zeckenarten der Gattung Ixodes mit dem Speichel auf den Menschen übertragen wird. Es werden aufgrund der geographischen Lage zwei Untertypen unterschieden: Ixodes ricinus (der gemeine Holzbock) ist der Übertragungsvektor in Zentral- und Osteuropa, während Ixodes persulcatus für die Verbreitung des FSME-Virus in Russland und im fernen Osten verantwortlich ist. Das Virus ist mit dem West-Nil-Virus verwandt, das ähnliche Krankheitsbilder verursacht.

Übertragung

Das FSME-Virus hält sich in den Speicheldrüsen von infizierten Zecken auf und gelangt bei einem Zeckenstich direkt in die Blutbahn des Menschen. Selten ist eine Virusinfektion durch den Genuss nicht-pasteurisierter Milch von FSME-infizierten Kühen, Schafen oder Ziegen möglich. Es wurden auch Fälle beschrieben, bei denen das Virus während einer Bluttransfusion und beim Stillen übertragen wurde. Nagetiere, Vögel und Rotwild stellen das natürliche Reservoir für das Virus dar. FSME kann hingegen nicht von Mensch zu Mensch weitergegeben werden.

Epidemiologie

Die grösste Verbreitung findet die FSME in Russland und im fernen Osten. In Mitteleuropa ist sie auf dem Vormarsch. Auch in der Schweiz wurden in den vergangenen Jahren etwa 100 Fälle pro Jahr gemeldet (2006 sogar 259 Fälle). Betroffen sind vor allem die Kantone der Nordostschweiz, wo zirka 0.5-3 % der Zecken mit dem Virus infiziert sind. Die Erkrankung tritt hauptsächlich im Frühlig und Sommer auf, weshalb die FSME-Impfung während der kalten Jahreszeit empfohlen wird.

Komplikationen

In 20-30 % der schweren Verläufe muss mit bleibenden Schäden und Beschwerden gerechnet werden. Dazu gehören Kopfschmerzen, Müdigkeit, Schwindel, Hör- und Sehverschlechterung, emotionale Labilität, Störungen der Bewegungsmotorik, Gedächtnisstörungen und Lähmungen. Von Langzeitschäden sind vor allem Erwachsene betroffen. Die Krankheit verläuft bei Kindern meist gutartig und ohne Folgeschäden. Kinder unter 6 Jahren sind nur sehr selten betroffen. Etwa 1% der Betroffenen sterben an den Folgen des Befalls des Nervensystems.

Risikofaktoren

Das Infektionsrisiko steigt für jene Personen, die in FSME-Endemiegebieten wohnen oder dort beruflich tätig sind. Betroffen sind vor allem Waldarbeiter. Auch Freizeitaktivitäten wie Wandern oder Campen können in Endemiegebieten ein Risiko für eine Infektion darstellen. Ferner ist das Alter ein entscheidender Faktor für die Schwere des Krankheitsverlaufes. Je älter die Person, umso schlimmer kann die FSME verlaufen.

Diagnose

Die Diagnose erfolgt in ärztlicher Behandlung anhand eines Nachweises von IgM- und IgG-Antikörpern im Serum. Dabei müssen andere virale Infektionen, die ebenfalls eine Hirnhaut- oder Gehirnentzündung auslösen können, ausgeschlossen werden. Beispiele dafür sind das Herpes-simplex-, Masern-, Mumps- und das Rubellavirus sowie das West-Nil-Virus.

Medikamentöse Therapie

Bis heute existiert noch keine antivirale Therapie. Deshalb kann die Infektion nur symptomatisch behandelt werden.

Impfung

Um sich vor FSME-Viren zu schützen, kann man sich impfen lassen. Die FSME-Impfung ist vor allem für Personen angezeigt, die in Endemiegebieten wohnen oder sich dort aufhalten. Kinder bis zum 6. Lebensjahr müssen nicht geimpft werden, da sie kaum an einer FSME-Infektion erkranken.

→ Ausführliche Informationen siehe unter FSME-Impfung

Vorbeugung

Das Risiko einer FSME-Infektion kann wesentlich reduziert werden, indem man Lebensräume mit hoher Zeckendichte wie z.B. Wälder meidet und kein Unterholz, Gebüsche und hohe Gräser streift. Eine weitere Massnahme, die zum Schutz vor Zeckenbissen beiträgt, ist das Tragen von geschlossener Kleidung wie Hemden, Blusen, Pullover mit langen Ärmeln, Hosen mit langen Beinen, geschlossene Schuhe oder Stiefel.

Häufig werden auch insektenabweisende Mittel, sogennante Repellents, eingesetzt. Produkte, die zum Beispiel DEET oder Icaridin enthalten, können direkt auf die Haut aufgetragen werden. Nach Risikoaufenthalten sollte der Körper nach Zecken abgesucht werden. Eine schnelle Zeckenentfernung verhindert nicht die Infektion, reduziert aber möglicherweise die Schwere der Erkrankung. Die seltene Übertragung durch Milch kann durch das Pasteurisieren der Milch vermieden werden.

siehe auch

Zeckenstiche, FSME-Impfung, West-Nil-Virus, Dengue

LiteraturAutor und Review

Interessenkonflikte: Keine / unabhängig. Der Autor (SG) hat keine Beziehungen zu den Herstellern und ist nicht am Verkauf der erwähnten Produkte beteiligt. Interne Review: AV


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Dieser Artikel wurde zuletzt am 2.5.2017 geändert.
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