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Chinin Arzneimittelgruppen Malariamittel

Chinin ist ein antiparasitärer Wirkstoff aus der Gruppe der Malariamittel, der in der Rinde des Chinabaums gefunden wird. Es ist in der Schweiz zur Behandlung akuter Schübe einer Malariainfektion zugelassen. Chinin wird traditionell auch zur Therapie nächtlicher Wadenkrämpfe verwendet, ist dazu hierzulande aber nicht mehr registriert. Es kann unerwünschte Wirkungen verursachen, hat ein hohes Interaktionspotential, ist fruchtschädigend und überdosiert toxisch. Zur Behandlung von Wadenkrämpfen sollte es deshalb aus unserer Sicht nicht oder nur sehr zurückhaltend eingesetzt werden.

synonym: Chininsulfat, Chinini sulfas PhEur, Chininum, Quinine

Produkte

Chinin ist in der Schweiz Form von Dragées zugelassen (Chininsulfat 250 Hänseler®, 250 mg). In Deutschland sind Filmtabletten zu 200 mg Chininsulfat im Handel (Limptar® N).

Struktur und Eigenschaften

Chinin (C20H24N2O2, Mr = 324.4 g/mol) liegt in der Regel als Chininsulfat vor, ein weisses, kristallines Pulver oder feine, farblose Nadeln, die in Wasser schwer löslich sind. Chinin hat einen bitteren Geschmack. Es ist ein Chinolin-Derivat, das in der Rinde des Chinabaums enthalten ist.

Wirkungen

Chinin (ATC P01BC01 ) hat antiparasitäre, muskelentspannende und fiebersenkende Eigenschaften. Am Muskel verlängert es die Refraktärzeit und vermindert die Erregbarkeit an der motorischen Endplatte.

Indikationen

Chinin ist in der Schweiz zur Behandlung akuter Schübe einer Malariainfektion zugelassen. Es wird in geringen Mengen auch als Bittermittel eingesetzt, zum Beispiel im Indian Tonic Water. Zur Vorbeugung und Behandlung nächtlicher Wadenkrämpfe ist es in der Schweiz hingegen nicht mehr registriert. Die Anwendung erfolgt Off-Label auf Verantwortung des verschreibenden Arztes. Chininsulfat wird seit den 1940er Jahren zur Behandlung idiopathischer Wadenkrämpfe eingesetzt. Klinische Studien sind widersprüchlich, deuten aber auf eine leichte Reduktion der Häufigkeit hin. Die Verwendung ist aus unserer Sicht aufgrund der möglichen unerwünschten Wirkungen, des Interaktionspotentials und der fruchtschädigenden Eigenschaften problematisch und nicht empfehlenswert (siehe unten). In den USA wurde die Zulassung zur Behandlung von Wadenkrämpfen 1995 aufgehoben, nachdem die FDA zum Schluss kam, dass die möglichen Vorteile die Risiken nicht überwiegen. In der US-amerikanischen Fachinformation wird sogar ausdrücklich vor der Verwendung gegen Wadenkrämpfe gewarnt.

Dosierung

Gemäss der Fachinformation. Zur Behandlung von Wadenkrämpfen wird nach dem Abendessen eine Tablette eingenommen. Bei schweren Beschwerden kann zusätzlich eine Tablette vor dem Schlafengehen verabreicht werden. Die Therapiedauer sollte aus unserer Sicht so kurz wie möglich gehalten werden. Die Dosis für die Behandlung von Wadenkrämpfen ist geringer als bei der Malariatherapie.

Kontraindikationen

Chinin ist bei Überempfindlichkeit, hämolytischer Anämie, Herzerkrankungen, Muskelschwäche, Ohrgeräuschen, Schädigungen des Sehnervs und bei Schwarzwasser-Fieber in der Patientengeschichte kontraindiziert. Es ist fruchtschädigend und wehenfördernd und darf deshalb nicht während der Schwangerschaft verabreicht werden (Wadenkrämpfe treten häufig während der Schwangerschaft auf). Die vollständigen Vorsichtsmassnahmen finden sich in der Arzneimittel-Fachinformation.

Interaktionen

Chinin hat ein hohes Interaktionspotential. Es ist ein Substrat von CYP3A4, anderer CYP450-Isoenzyme und soll nicht mit Arzneimitteln verabreicht werden, welche das QT-Intervall verlängern. Weitere Arzneimittel-Wechselwirkungen können unter anderem mit den folgenden Wirkstoffen auftreten: Depolarisierende Muskelrelaxantien, Antiarrhythmika, Pyrimethamin, Antikoagulantien, Digoxin, Etilefrin, harnalkalisierende Mittel und Antazida.

Unerwünschte Wirkungen

Chinin ist lokal reizend und führt deshalb gelegentlich zu Verdauungsbeschwerden wie Bauchschmerzen, Durchfall, Übelkeit und Erbrechen. Seltene Nebenwirkungen sind Tinnitus, Schwindel und teils schwere Überempfindlichkeitsreaktionen. Chinin kann unter anderem zu einem Abfall der Blutplättchen führen und damit gefährlichen Blutungen auslösen. Bei einer Überdosierung kommt es zu einer lebensgefährlichen Vergiftung, die permanente Organschäden hinterlassen und einen fatalen Ausgang nehmen kann.

siehe auch

Malaria, Nächtliche Wadenkrämpfe

LiteraturAutor

Interessenkonflikte: Keine / unabhängig. Der Autor hat keine Beziehungen zu den Herstellern und ist nicht am Verkauf der erwähnten Produkte beteiligt.

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Dieser Artikel wurde zuletzt am 30.5.2017 geändert.
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