Warzen
Indikation
InfektionskrankheitenWarzen sind gutartige, durch Papillomaviren verursachte Hauttumore, die meist nicht schmerzen und durch humane Papillomaviren verursacht werden. Sie betreffen oft Hände, Füsse, das Gesicht oder den Anal- bzw. Genitalbereich. Es gibt unzählige Vorschläge wie Warzen medikamentös behandelt werden können. Am häufigsten werden in der Selbstmedikation Ätzmittel, hautauflösende Mittel und Eissprays verwendet. Aufgrund der relativ hohen Spontanheilungsrate ist eine Beurteilung der tatsächlichen Wirksamkeit der verschiedenen Therapieverfahren jedoch sehr schwierig.Definition
Warzen sind gutartige, durch Papillomaviren verursachte Hauttumore.
Symptome
Histologische Veränderungen: Verbreiterung der Epidermis, Hyperkeratose und Bluteinschlüsse
Gewöhnliche Warzen (Verrucae vulgaris) betreffen meist die Hände oder Füsse und sind Stecknadelkopf- bis erbsengross. Sie haben eine höckerige und oft zerklüftete, mosaikartige Oberfläche und treten einzeln oder in Gruppen auf. Die Warzen können unter die Nagelplatte einwachsen und Schmerzen verursachen. Stielförmige Pinselwarzen kommen an den Augenliedern, an den Lippen oder im Bart-Bereich vor.
Plantare Warzen (Verrucae plantares) bilden flache, mosaikartige Warzenbeete. Sie wachsen zum Teil in die Fusssohle ein und bilden Dornwarzen aus.
Plane Warzen (Verrucae planae juveniles) betreffen meist die Hände und Finger, die Unterarme und das Gesicht. Es sind flache, meist relativ unauffällige Pappeln.
Condylomata acuminata betreffen den Genital- und/oder Analbereich, auch den Gebärmutterhals oder die Harnröhre. Es sind stecknadelkopfgrosse Papeln, die später ineinander fliessen und schliesslich blumenkohlartige, auch fingerförmige Wucherungen bilden. → siehe unter Condylomata acuminata
Häufigster Warzentyp sind die vulgären Warzen. Vulgäre Warzen und plane Warzen treten v.a. bei Kindern und Jugendlichen auf. Feig- und Genitalwarzen treten v.a. bei Erwachsenen auf. In der Schweiz infizieren sich während ihres Lebens 70-80% der sexuell aktiven Bevölkerung mit humanen Papilloma-Viren.
Siehe auch unter Molluscum contagiosum (Dellwarzen).
Verlauf
Inkubationszeit: 2-3, max. 20 Monate. Die grosse Mehrheit der Warzen ist gutartig. HPV-Typ 16 und 18 gehören aber zu den so genannten „high-risk“ Viren und stehen in engem Zusammenhang mit der Ausbildung von Zervix-Karzinomen.
Ursachen
Haupterreger ist das humane Papilloma-Virus (HPV), ein DNA-Virus aus der Familie der Papillomaviren. Dellwarzen (Molluscum contagiosum) werden vom Molluscum-contagiosum-Virus aus der Familie der Pockenviren ausgelöst.
Übertragung
- Direkter oder indirekter Kontakt unter Voraussetzung einer Hautläsion
- Plantare Warzen: Ansteckung erfolgt v.a. im Schwimmbad oder in der Dusche
- Feig- und Genitalwarzen: Ansteckung durch Sexualkontakt
Vorbeugung
- Impfung gegen HPV 6, 11, 16 und 18 (Gardasil®)
- Hygienische Massnahmen
Nicht-medikamentöse Therapie
Physikalische Zerstörungsmethoden:
In der Selbstmedikation: Vereisung mit Eissprays. Bei der Vereisungsmethode wird ein Applikator mit flüssigen Gasen durchtränkt und erreicht so tiefe Temperaturen. Der Applikator wird 15-30 Sekunden auf die Warze gehalten. Nach ca. 14 Tagen lässt sich die Haut ablösen. In der Regel reicht eine einmalige Anwendung, bei hartnäckigen Fällen muss sie 2-3 mal wiederholt werden.
In ärztlicher Behandlung:
- Kürettage: Auskratzung bzw. Ausschabung des Gewebes
- Elektrokoagulation: Gewebszerstörung durch hochfrequenten Wechselstrom
- Chirurgische operative Entfernung durch den Arzt
- CO2-Laser: Koagulation der Blutgefässe und daraus folgender Unterversorgung des Gewebes oder Verdampfung je nach Fokussierung der Strahlung
- Farbstofflaser: Koagulation der Blutgefässe und daraus folgender Unterversorgung des Gewebes
- Photodynamische Therapie: Gewebszerstörung durch phototoxische Reaktion
Warzen heilen oft nach Monaten oder Jahren von selbst ab.
Medikamentöse Therapie
Die Warzenmittel werden in der Regel 3 bis max. 5 Tage auf die Haut aufgetragen oder auf der Haut belassen, nach einer Weile kann die Warze entfernt werden.
- Salicylsäure, Chloressigsäure, Salpetersäure, Eisessig, Oxalsäure, Milchsäure, Kupfernitrat, Vitamin A-Säure: Tretinoin, Silbernitratstäbchen, Berner Warzensalbe
Zytostatika führen zu Wachstumsstörungen der infizierten Zellen und des Virus selbst:
Immunmodulatoren lösen eine Immunreaktion aus:
- Imiquimod, Interferon alfa (umstritten), Cimetidin (oral)
In der Volks- und Alternativmedizin werden unter anderem eingesetzt:
- Schöllkraut (frischer Milchsaft), Wolfsmilch (frischer Milchsaft), Thuja, Eichenabsud, Zwiebeln oder Knoblauch und zahlreiche weitere. Siehe auch unter Thuja gegen Warzen.
siehe auch
Molluscum contagiosum (Dellwarzen), Thuja gegen Warzen, Condylomata acuminata
Literatur
- Bundesamt für Gesundheit BAG
- Streit M., Braathen L.R. Humanes Papilloma-Virus und das klinische Spektrum von Warzen. Schweiz Med Forum, 2001, 32/33, 814-819
- Streit M., Braathen L.R. Therapie von Warzen. Schweiz Med Forum, 2001, 34, 839-847
- Gross U. Kurzlehrbuch medizinische Mikrobiologie und Infektiologie, Georg Thieme Verlag, 2006
- Krüger-Kjaer S. et al. The burden of genital warts: A study of nearly 70,000 women from the general female population in the 4 nordic countries. The Journal of Infectious Diseases, 2007, 10(196), 1447-1454 Pubmed

- Severson J. et al. Human papillomavirus infections: epidemiology, pathogenesis, and therapy. J Cutan Med Surg, 2001, 5(1), 43-60 Pubmed

Autorin und Review
Interessenkonflikte: Keine / unabhängig. Die Autorin (MW) hat keine Beziehungen zu den Herstellern und ist nicht am Verkauf der erwähnten Produkte beteiligt. Interne Review: AV

