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Topiramat Arzneimittelgruppen Antiepileptika

Topiramat ist ein Wirkstoff aus der Gruppe der Antiepileptika mit antikonvulsiven, neuroprotektiven, appetithemmenden und teratogenen Eigenschaften. Es wird zur Behandlung verschiedener Epilepsieformen und zur Migräneprophylaxe eingesetzt. Durch die Blockade von spannungsabhängigen Natrium- und Calciumkanälen wird die Erzeugung und die Anzahl von Aktionspotentialen und somit die Frequenz von Krampfanfällen vermindert. Da Topiramat zu 80% unverändert über die Nieren ausgeschieden wird, hat es ein tiefes Potential für pharmakokinetische Arzneimittel-Wechselwirkungen. Zu den häufigsten unerwünschten Wirkungen gehören Empfindungsstörungen (vor allem an den Armen und Beinen), Kopfschmerzen, Schwindel, Verhaltens- und Konzentrationsstörungen, Schläfrigkeit, Erbrechen, Appetitlosigkeit und kognitive Störungen.

synonym: Topiramatum

Produkte

Topiramat ist in Form von Tabletten und Kapseln im Handel (Topamax®, Generika). Es ist in der Schweiz seit 1996 zugelassen.

Struktur und Eigenschaften

Topiramat (C12H21NO8S, Mr = 339.36 g/mol) ist ein Sulphamat-substituiertes Monosaccharid. Es ist ein weisses Pulver mit einem bitteren Geschmack, das in Wasser löslich ist.

Wirkungen

Topiramat (ATC N03AX11 ) hat antikonvulsive, neuroprotektive, appetithemmende und teratogene Eigenschaften.

Wirkmechanismus

Topamirat vermindert die Erzeugung und die Anzahl von Aktionspotentialen durch Blockierung der spannungsabhängigen Natrium- und Calciumkanäle. Ebenfalls werden die aktivierende Wirkung von Glutamat an den Kainat/AMPA-Subtypen der Glutamatrezeptoren, die kortikale Streudepolarisation (langsam ausbreitende Depolarisation der Hirnrinde), die Produktion von aktivem Aquaporin 5 und gewisse Isoenzyme der Carboanhydrase gehemmt. Zusätzlich erhöht es die Aktivität von GABAA-Rezeptoren und von spannungsabhängigen Kaliumkanälen. Die Wirkung tritt innert ca. 30 Minuten ein und hält über 16 Stunden an.

Indikationen

Topiramat ist zur Behandlung von Epilepsie und zur Migräneprophylaxe zugelassen. Es wird auch zur Zusatzbehandlung von partiellen Anfallsformen und bei Anfällen, welche mit dem Lennox-Gastaut-Syndrom assoziiert sind, eingesetzt.

In der Literatur werden weitere mögliche Indikationsgebiete genannt, wie z.B unterstützende Therapie bei manisch-depressiven Erkrankungen, posttraumatischen Belastungsstörungen, Mangeldurchblutung, Ess-Brechsucht, periodischen Heisshungeranfällen und Fettleibigkeit. Ein weiteres Einsatzgebiet ist der sogenannte Pseudotumor cerebri („idiopathic intracranial hypertension“). Für diese Indikationen ist Topiramat in der Schweiz bisher nicht zugelassen. Topiramat ist in den USA als Schlankheitsmittel zugelassen, nicht jedoch in der Schweiz.

Dosierung

Gemäss der Arzneimittel-Fachinformation. Die Dosierung erfolgt einschleichend und auch beim Absetzen wird empfohlen, das Medikament schrittweise abzusetzen, um das Risiko für das Auftreten von Krampfanfällen und den Anstieg der Anfallsfrequenz zu vermeiden. Es kann unabhängig von den Mahlzeiten eingenommen werden. Während der Anwendung von Topiramat sollte genügend Flüssigkeit eingenommen.

Kontraindikationen

Topiramat ist bei Überempfindlichkeit und während der Schwangerschaft kontraindiziert. Bei Patienten mit Leberstörungen ist Topiramat mit Vorsicht anzuwenden, da die Plasmaclearance vermindert sein kann. Die vollständigen Vorsichtsmassnahmen finden sich in der Arzneimittel-Fachinformation.

Interaktionen

Da Topiramat zu ca. 80% unverändert über die Nieren ausgeschieden wird, hat es ein tiefes Potential für pharmakokinetische Arzneimittel-Wechselwirkungen. In hohen Plasmakonzentrationen hemmt Topiramat das Isoenzym CYP2C19 und induziert schwach CYP3A4. Bei gleichzeitiger Gabe mit Phenytoin kann die Plasmakonzentration von Phenytoin bei einzelnen Patienten erhöht sein. Bei höherer Dosierung (> 200 mg) kann die Wirksamkeit oraler Kontrazeptiva reduziert sein.

Vorsicht ist geboten, wenn Topiramat zusammen mit Medikamenten welche die Körpertemperatur über die Schweissbildung beeinflussen können, verabreicht wird.

Topiramat senkt die systemische Verfügbarkeit von Lithium und Risperidon. Bei gleichzeitiger Gabe von Valproinsäure und Topiramat besteht die Gefahr eines krankhaft erhöhten Ammoniakgehaltes im Blut. Es sollte nie zusammen mit Medikamenten, welche das Risiko für Nierensteine erhöhen, eingenommen werden.

Unerwünschte Wirkungen

Zu den möglichen unerwünschten Wirkungen gehören Überempfindlichkeitsreaktionen. Die häufigsten unerwünschten Wirkungen von Topiramat sind Sensibilisierungsstörungen (vor allem in den Extremitäten), Kopfschmerzen, Schwindel, Verhaltens- und Konzentrationsstörungen, Schläfrigkeit, Erbrechen, Appetitlosigkeit und kognitive Störungen.

Es werden auch weitere Nebenwirkungen wie Mangel an weissen Blutkörperchen, Mangel an Blutplättchen, Appetitsteigerung, Gewichtsverlust, Euphorie, Halluzinationen, Schlafstörungen, Panikattacken, Bewusstseinseinschränkungen, vollständiger Aktivitätsverlust, Störungen im Anpassungsvermögen des Auges, erweiterte Pupillen, reduzierte Sehschärfe, Nachtblindheit, erniedrigte Herzfrequenz, bewusste Wahrnehmung des eigenen Herzschlages, Hautrötungen, Überwärmung des Körpers, Hitzewallungen, orthostatische Hypotonie, verstopfte Nase, Bauchschmerzen, Blähungen, allergische Dermatitis, Nesselfieber, Muskelschwäche, sexuelle Funktionsstörungen, Gesichtsödeme, Trunkenheitsgefühl, Krankheitsgefühl und Schwerfälligkeit beobachtet. Es besteht ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung von Nierensteinen.

LiteraturAutorin und Review

Interessenkonflikte: Keine / unabhängig. Die Autorin (SR) hat keine Beziehungen zu den Herstellern und ist nicht am Verkauf der erwähnten Produkte beteiligt. Interne Review: AV

Peer-Review: Dr. med. Stephan Rüegg, Head EEG-Lab & Epileptology, Division of Clinical Neurophysiology, Department of Neurology, University Hospital Basel

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Dieser Artikel wurde zuletzt am 13.4.2017 geändert.
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