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Pestwurz gegen Heuschnupfen Phytopharmaka Drogenliste Pestwurz

Seit dem Jahr 2003 ist in der Schweiz ein Spezialextrakt aus Pestwurzblättern zur Behandlung von Heuschnupfen zugelassen. Der Extrakt ist im Vergleich mit anderen alternativmedizinischen Arzneimitteln in dieser Indikation klinisch gut dokumentiert und gilt als ähnlich gut wirksam wie Antihistaminika. Gleichzeitig tritt weniger Müdigkeit auf. Nachteilig ist, dass das Arzneimittel nur auf ärztliche Verordnung erhältlich ist und die Tabletten zwei- bis dreimal täglich eingenommen werden müssen. Zu den möglichen unerwünschten Wirkungen gehören Verdauungsbeschwerden und es besteht ein theoretisches Risiko für sehr seltene Leberschädigungen.

synonym: Ze 339

Produkte

In der Schweiz ist der Spezialextrakt Ze 339 aus den Blättern der gemeinen Pestwurz (Petasites hybridus L., Asteraceae) seit dem Jahr 2003 zur Behandlung von Heuschnupfen zugelassen. Ze 339 ist in den Tesalin® N Filmtabletten enthalten und auf 8 mg Petasine standardisiert. Zur Herstellung werden die Blätter einer speziell gezüchteten und Inhaltsstoffreichen Art (Petzell®) und nicht wie bei anderen Arzneimitteln und Indikationen die Wurzeln (Rhizome) verwendet.

Pestwurz soll nicht als Tee oder in Form anderer unverarbeiteter Zubereitungen angewandt werden, weil die Pflanze und die Arzneidroge Pyrrolizidinalkaloide enthalten, die vor allem bei längerer Anwendung lebertoxisch, karzinogen und genotoxisch sein können. Beim Extraktionssprozess mit flüssigem Kohlenstoffdioxid und anschliessender Dünnschichtchromatographie werden die fein geschnittenen Blätter von diesen toxischen Alkaloiden befreit. Da es sich um einen neuen Wirkstoff handelt, sind die Arzneimittel bisher nicht für die Selbstmedikation freigegeben worden und müssen von einem Arzt oder einer Ärztin verschrieben werden.

Wirkungen

Der Pestwurzextrakt war in den durchgeführten Untersuchungen wirksam gegen die Beschwerden von Heuschnupfen wie Juckreiz der Nase und der Augen, laufende und verstopfte Nase und gerötete Augen. Die Effekte sollen schnell, bereits 30 bis 90 Minuten nach der Einnahme, eintreten.

Die Wirksamkeit wurde in kontrollierten klinischen Studien im Vergleich mit den Antihistaminika Cetirizin und Fexofenadin und Placebo, sowie in Postmarketing-Studien untersucht. Diese Studien deuten auf eine ähnliche Wirksamkeit wie die der Antihistaminika hin. Anzumerken ist jedoch, dass die Studien vom Hersteller finanziert wurden und ein Grossteil der verfügbaren Literatur von Experten mit Interessenkonflikten verfasst wurde. Kritische und neutrale Beurteilungen liegen praktisch keine vor. PharmaWiki kann zur tatsächlichen Wirksamkeit keine Aussage machen.

Wirkmechanismus

Der Wirkmechanismus ist noch nicht vollständig aufgeklärt worden. Für die Effekte werden die Petasine, veresterte Sesquiterpene vom Eremophilantyp, verantwortlich gemacht, darunter Petasin, Isopetasin und Neopetasin und die in geringerem Anteil enthaltenen Schwefelanaloge S-Petasin, S-Isopetasin und S-Neopetasin (S steht für Schwefel und bezieht sich nicht auf die Konfiguration). Sie hemmen die Synthese und die Freisetzung der Leukotriene und Histamin und sind entzündungshemmend.

Indikationen

Zur Behandlung von Symptomen der allergischen Rhinitis (Heuschnupfen) sowie deren Beschwerden an Augen, Nase und im Rachenraum. Extrakte aus Pestwurzblätter werden auch in anderen Indikationen, wie zum Beispiel bei Asthma bronchiale untersucht, sind aber dazu nicht zugelassen.

Dosierung

Über den Tag verteilt werden 2, bei schweren Beschwerden maximal 3 Tabletten unabhängig von den Mahlzeiten mit ausreichend Wasser eingenommen. In klinischen Studien wurde die Dosisabhängigkeit der Wirkung gezeigt. Gemäss Literatur sollte die Maximaldosis nicht überschritten werden.

Kontraindikationen

Pestwurzextrakte sind bei Überempfindlichkeit kontraindiziert und sollen nicht bei einer Leberschädigung, während der Schwangerschaft und Stillzeit eingenommen werden. Sie sind ab 12 Jahren zugelassen. Bei eingeschränkter Leber- und Nierenfunktion müssen die Arzneimittel mit Vorsicht angewandt werden.

Interaktionen

Interaktionen mit anderen Arzneimitteln sind bisher keine bekannt. In-vitro Untersuchungen zeigten bisher keine Induktion oder Inhibition von Cytochromen P450.

Unerwünschte Wirkungen

Zu den möglichen unerwünschten Wirkungen gehören Verdauungsbeschwerden wie Aufstossen oder Übelkeit und sehr selten Überempfindlichkeitsreaktionen. Eine leberschädigende Wirkung in sehr seltenen Fällen kann nicht ausgeschlossen werden. In klinischen Studien wurde sehr selten über Müdigkeit berichtet.

siehe auch

Heuschnupfen, Pestwurz

LiteraturAutor

Interessenkonflikte: Keine / unabhängig. Der Autor hat keine Beziehungen zum Hersteller und ist nicht am Verkauf der erwähnten Produkte beteiligt.

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Dieser Artikel wurde zuletzt am 24.4.2016 geändert.
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