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Introvertiertheit PharmaWiki

Wir Introvertierte zeichnen uns dadurch aus, dass wir das Alleinsein schätzen und nicht gerne unter vielen Leuten und im Mittelpunkt sind. Soziale Anlässe rauben unsere Energie und wir mögen Small Talk nicht. Wir sind nach Innen gerichtet, denken gerne nach, sind gebildet, haben eine starke innere Stimme und eine grosse Fantasie. Wir sind bibliophile Eskapistinnen und Eskapisten und schätzen jedes Medium, das uns in eine Fantasiewelt entführt. Das Introvertiertsein ist keine Charakterschwäche, sondern eine angeborene und wertvolle Persönlichkeit.

synonym: Introvertiertsein, Introversion

Wir, die Introvertierten

Was zeichnet uns introvertierte Menschen aus? Es ist an der Zeit für eine Erklärung, denn wir werden oft missverstanden und fehlinterpretiert. Und natürlich es ist für uns selbst eine Offenbarung, die eigene Persönlichkeit besser kennenzulernen.

Wir Introvertierte fühlen uns bei sozialen Anlässen mit vielen Fremden unwohl und paradoxerweise einsam, also beispielsweise bei Apéros, einem Geburtstagsfest oder in Clubs. Wir sprechen niemanden spontan an, erzählen keine Geschichten, sind nicht laut und lernen selten neue Menschen kennen. Solche Anlässe sind für uns energieraubend und überstimulierend. Wir werden gereizt, übermässig still, ziehen uns in uns selbst zurück. Einige von uns haben sogar körperliche Symptome. Erst wenn wir wieder alleine sind, können wir uns regenerieren und Kraft tanken. Denn wir ziehen unsere Energie nicht wie die Extrovertierten aus der sozialen Interaktion, sondern aus unserem eigenen Inneren, der Ruhe und Einsamkeit.

Einladungen machen uns nervös. Soziale Anlässe beschäftigen uns schon einige Tage oder sogar Wochen vorher und lassen uns unruhig und leicht depressiv werden. Die Erwartungsangst wird von einem Gedankenkreisen und Overthinking begleitet.

Mit Small Talk können wir wenig bis gar nichts anfangen. Unser Gehirn schaltet sich dabei in den Standby- und Blank-Modus. Schnelles Sprechen ist nicht unsere Stärke, konzentriertes Überlegen, Beobachten, Zuhören und Schreiben hingegen schon. Oft finden wir spontan nicht die richtigen Worte, obwohl wir sehr wortgewandt sind und eine starke innere Stimme und eine grosse Fantasie haben.

Wir sind gebildet und einige von uns sind Nerds, deshalb sind für uns Gespräche über das Wetter, das Wochenende oder Kleidung belanglos. Lieber würden wir zusammen mit einem Freund oder in einer kleinen Gruppe mit Bekannten Tiefgründiges und die grossen Fragen des Lebens diskutieren.

Wir, die Introvertierten, sind immer auch bibliophile Eskapisten. Wir lieben jedes Medium, das uns aus der Realität immersiv in eine Fantasiewelt entführt. Bücher, Filme, Serien, Podcasts, Radio, Games, Virtual Reality. Die Fiktion bedeutet uns bisweilen mehr als die Wirklichkeit. Daran haben sich auch unsere Augen angepasst und viele von uns sind Brillenträger.

Wir schätzen Vertrautes und unser Interesse an Neuem ist begrenzt. Werden wir damit konfrontiert, sind wir aber trotzdem froh, es kennengelernt zu haben.

Unsere Beziehung zu unseren antagonistischen Gegenspielern, den Extrovertierten, ist schwierig. Manchmal verabscheuen wir sie, dann beneiden wir sie, verehren sie aber auch. Wir schätzen es, dass sie das Reden für uns übernehmen und die Aufmerksamkeit auf sich ziehen.

Telefonieren ist uns ein Ärgernis. Wir vermeiden es, wann immer es geht. Deshalb haben die Informatiker unter uns das Internet, E-Mails, Newsgroups, Chats, SMS und Messenger erfunden. Allerdings haben sie nicht damit gerechnet, dass Sprachnachrichten, Online Meetings und die Videotelefonie entwickelt würden. Auf die hätten wir getrost verzichten können.

Wir sind und arbeiten gerne alleine. Nach zu viel sozialem Austausch brauchen wir eine Auszeit. Man könnte uns während des Wochenendes zuhause einsperren, es wäre uns gleichgültig, nein, wir wären sogar glücklich darüber. Die innere Welt mit Vorstellungen, Gedanken und Überlegungen ist uns wichtiger als die äussere. Beschäftigungen, die wir schätzen, sind zum Beispiel das Lesen, Fernsehen, Wandern, Kochen, Backen, Radfahren, Gärtnern, Denken, Surfen und Schreiben. Wir träumen von einer einsamen Hütte an einem See oder in den Alpen. Einige von uns arbeiten gerne in der Nacht, weil dann die meisten Menschen schlafen. Unser Drang zur Einsamkeit bedeutet aber nicht, dass wir asozial sind. Es liegt einfach in unserem Wesen. Und zu viel Einsamkeit tut uns nicht gut.

Wir mögen es nicht, wenn wir spontan Menschen treffen, die wir flüchtig kennen und mit denen wir uns abgeben sollten. Wir essen nicht gerne in Gruppen.

Vor vielen Menschen zu sprechen, ist uns ein Gräuel. Wir sind nicht gerne im Mittelpunkt und wir werden nicht gerne beobachtet. Wir mögen Konflikte nicht und sind anderen nicht gerne im Weg.

Andere Menschen nehmen uns manchmal als schüchtern, empfindlich, ruhig, still, desinteressiert, kontrolliert, konzentriert, unhöflich, unfreundlich, seltsam, zurückhaltend, gedankenverloren, langweilig, unzugänglich, passiv, unkommunikativ und arrogant wahr. Vieles davon ist falsch. Unsere Lebensart wird nur zu oft missverstanden und pathologisiert.

Wir haben keinen grossen Freundeskreis, aber unsere wenigen Freunde sind uns wichtig. Networking ist ein Fremdwort für uns. Dass wir so sind, wie wir sind, bedeutet nicht, dass wir keinen Spass, keine Freunde, keine Beziehungen und keine spannenden Gespräche haben und überhaupt nicht an anderen Menschen und Veranstaltungen interessiert sind.

In der heutigen Gesellschaft werden die Extrovertierten deutlich bevorzugt. Sie sind enthusiastisch, laut, dynamisch, charismatisch, aktiv, flexibel, mitreissend und begeisternd. Müssen wir uns also verändern? Sind wir die schlechteren Menschen? Sollten alle Introvertierten extrovertiert werden? Müssen wir Ratgeber lesen, Kurse belegen, Übungen machen, einen Coach zulegen? Natürlich nicht. Keinesfalls, denn die Introvertiertheit ist keine Krankheit und keine Charakterschwäche. Es ist eine angeborene, gesunde und normale Persönlichkeit.

Und genauso falsch ist es, introvertierte Kinder zu extrovertierten umerziehen zu wollen. Sie sollten die Möglichkeit erhalten, unter Berücksichtigung ihrer Bedürfnisse aufzuwachsen. Es ist nicht zielführend, sie andauernd zurechtzuweisen, sie seien zu ruhig und sie sollen mehr aus sich herauskommen. Sie sollen so akzeptiert werden, wie sie sind. Wichtig ist, dass sie ausreichend Zeit alleine verbringen dürfen.

Das heisst nicht, dass wir uns nicht anstrengen, anpassen, mitmachen und entwickeln. Wir haben Bewältigungsstrategien entwickelt. Um Peinlichkeiten zu vermeiden, planen wir beispielsweise alles möglichst detailliert im Voraus und gehen es in Gedanken immer wieder durch. Präsentationen üben wir, bis wir sie perfekt auswendig können. Wie gehen methodisch vor und täuschen immer wieder „normales“ Verhalten vor. Aber für uns wird es nie natürlich sein, es wird immer aufgesetzt bleiben und tief im Inneren sind wir, was wir sind, nach Innen gerichtet.

Kurzer Selbsttest Introvertiertheit

Jede Frage, die mit Ja beantwortet wird, gibt einen Punkt. Je höher die Punktzahl, desto wahrscheinlicher ist eine Introvertiertheit. Die maximale Punktzahl dieses Tests ist 11.

Autor

Interessenkonflikte: Keine / unabhängig. Der Autor hat keine Beziehungen zu den Herstellern und ist nicht am Verkauf der erwähnten Produkte beteiligt.

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Dieser Artikel wurde zuletzt am 18.5.2022 geändert.
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