Weihrauch
Phytopharmaka
DrogenlisteZusammenfassungWeihrauch (Boswellia sp., Burseraceae) ist eine Heilpflanze mit entzündungshemmenden Wirkungen, die in Form von Harz-Extrakten innerlich und äusserlich zur Behandlung von verschiedenen chronisch-entzündlichen Erkrankungen wie Arthritis, Morbus Crohn, Asthma, Neurodermitis und Psoriasis verwendet wird.
synonym: Olibanum, Arbol del incensio, Frankincense, Salai guggul, Salai guggal, Indian Olibanum, Indian Frankincense
Stampflanzen
Boswellia sp., Burseraceae
Weihrauch
1. Afrikanischer Weihrauch:
- Boswellia papyrifera (Del. ex Caill.) Hochst.
- Boswellia sacra Flueckiger (= Boswellia carteri Birdw.)
- Boswellia frereana Birdw.
- Boswellia neglecta S. Moore
synonym: Olibanum, Arbol del incensio (span.), Frankincense (engl.)
2. Indischer Weihrauch:
- Boswellia serrata Roxb. ex Colebr.
snonym: Salai guggul, Salai guggal, Indian Olibanum, Indian Frankincense (engl.)
| Spezies | Vorkommen | Produkt | B. carteri Birdw. | Somalia | Olibanum |
| B. sacra Flueck | Nubien, Südarabien | Olibanum |
| B. frereana Birdw. | Somalia | Olibanum |
| B. bhau-dajiana Birdw. | Nord-Somalia | Olibanum |
| B. papyrifera Hochst. | Äthiopien | Olibanum |
| B. neglecta S. Moore | Somalia | Olibanum |
| B. odorata Hutsch | Tropisches Afrika | Olibanum |
| B. dalzielli Hutsch | Tropisches Afrika | Olibanum |
| B. serrata Roxb. | Indien | Salai guggal |
Droge
Olibanum - Weihrauchharz besteht aus dem durch Einschnitte in Stämme und Äste von Boswellia-Spezies erhaltenen getrockneten Balsam.
Inhaltsstoffe
Mehr als 200 verschiedene Substanzen wurden bisher in den Harzen von verschiedenen Boswellia-Spezies identifiziert. Hauptkomponenten sind flüchtiges Öl, das reine Harz sowie Schleim. Der Gehalt dieser Stoffe variiert von Spezies zu Spezies und ist abhängig von Erntezeitpunkt und Standort. Die reinen Harze der Boswellia-Spezies enthalten pentazyklische und tetrazyklische Triterpene. Unter den pentazyklischen Triterpenen sind besonders einige Boswelliasäuren für viele der pharmakologischen Wirkungen verantwortlich. Weitere Verbindungen sind tetrazyklische Triterpensäuren. Zu ihnen gehören auch die Tirucallensäuren, bei denen ebenfalls beobachtet wurde, dass sie biologische aktiv sind. Zu den pharmakologisch bedeutsamen Inhaltsstoffe gehören:
- 11-keto-β-boswellic acid (KBA)
- 3-acetyl-11-keto-β-boswellic acid (AKBA)
- 3-acetyl-11-hydroxy-β-boswellic acid
- β-boswellic acid
- α-boswellic acid
- 3-acetyl-β-boswellic acid
- 3-acetyl-α-boswellic acid
Wirkungen
Weihrauch ist entzündungshemmend.
Wirkmechanismus
Lange Zeit war die 5-Lipoxygenase, das Schlüsselenzym der Leukotrienbiosynthese, als selektiver Angriffspunkt der Boswelliasäuren identifiziert worden. Allerdings wurde in den vergangenen Jahren gezeigt, dass die Hemmung der 5-Lipoxygenase nicht das zugrunde liegende Wirkprinzip des Weihrauchs ist. Zwar hemmen die Boswelliasäuren die Leukotrienbildung in vitro, aber die dazu notwendigen Konzentrationen sind sehr hoch und in vivo kaum erreichbar, insbesondere wegen der starken Bindung an Plasmaproteine. Die folgenden Angriffspunkte werden für die entzündungshemmenden Eigenschaften der Boswelliasäuren verantwortlich gemacht:
- Hemmung der 12-Lipoxygenase
- Hemmung der Leukozytenelastase
- Hemmung des NFκB-Signalwegs
- Hemmung des Cathepsin G
Die antientzündliche Wirkung kann also über ein weites Spektrum an entzündungshemmenden Einflüssen erklärt werden. Ein Angriff an direkt entzündungsfördernden Proteinen wie den Lipoxygenasen und auch Cyclooxygenasen scheint im Organismus eher von untergeordneter Rolle zu sein. Ein Eingriff in den NFκB-Weg stellt im Gegensatz zum direkten Angriff an den Lipoxygenasen eine indirekte Hemmung der Entzündung durch Modulation der „Steuerung“ des Entzündungsgeschehens dar. So werden Botenstoffe, die zur Ausweitung der Entzündung von Immunzellen ausgeschüttet werden, durch Hemmung des NFκB-Weges vermindert gebildet.
Durch Hemmung von Proteasen, zu denen sowohl die Leukozytenelastase, als auch das Cathepsin G gehören, wird sowohl der Angriff der aggressiven Proteasen direkt abgemildert, als auch die Entwicklung der Entzündung beeinflusst. Proteasen bewirken ein Zerschneiden körpereigener und fremder Eiweissstrukturen. Diese Funktion ist im Entzündungsverlauf nötig um Immunzellen den Zutritt zum Entzündungsherd zu ermöglichen und somit eine Bekämpfung des Entzündungsauslösers einzuleiten. Bei chronischen Entzündungen sind diese Proteasen überaktiv und ohne physiologischen Sinn. Sie können zur Schädigung des betroffenen Gewebes führen, z. B. zum Abbau von Gewebeschichten in der psoriatischen Haut. Durch Hemmung der Proteasen wird sowohl direkt der Zerstörung von körpereigenen Proteinen begegnet, als auch die Einwanderung weiterer entzündungsfördernder Immunzellen unterdrückt und so die Ausweitung des Entzündungsgeschehens eingeschränkt.
Vermutlich ist nicht ein einzelner Angriffspunkt für das Wirkungsbild von Weihrauchharzextrakten verantwortlich, sondern es werden mehrere Mechanismen der Entzündungsregulation beeinflusst, die dann gemeinsam zu einer Entzündungshemmung führen. Trotzdem wird bis heute weitläufig die Hemmung der Leukotriensynthese durch Boswelliasäuren als „das Wirkprinzip“ des Weihrauchs angeführt.
Anwendungsgebiete
- Hauterkrankungen: Psoriasis, Atopische Dermatitis
- Rheumatoide Erkrankungen
- Chronisch entzündliche Darmerkrankungen: Morbus Crohn, Colitis ulcerosa
- Atemwegserkrankungen: Asthma bronchiale
- Tumore
Ausgewählte Produkte
Innerlich:
Das einzige, derzeitige Weihrauch-Präparat in Arzneimittel-Qualität ist H 15 der Firma Gufic (Indien), mit denen viele Studien durchgeführt wurden. Aufgrund eines Markenrechtsstreites mit einer deutschen Vertriebsfirma für Nahrungsergänzungsmittel ist es nur noch unter dem indischen Handelsnamen „Sallaki“ (Firma Gufic) zu beziehen. In der Schweiz ist es als „H 15 Gufic Tabl 100 Stk“ nur im Kanton Appenzell im Handel. Es kann unter Berücksichtigung der rechtlichen Vorschriften von Apotheken oder Drogerien aus Deutschland importiert werden.
Äusserlich:
Definierter Weihrauch-Extrakt:
- Neurelia® Weihrauch-Creme
- Psorelia® Weihrauch-Creme
- Arelia® Weihrauch-Gel
Weihrauch-Öl (Zusammensetzung?):
- Alpinamed Weihrauchbalsam, -gel®
- Zellerbalsam Elixier, Salbe®
Literatur
- Indischer Weihrauch: Rethage J., Meier B. Olibanum indicum: indischer Weihrauch. Eine Übersicht. Phytotherapie, 2007, 1, 35-70
- Siemoneit U., Pergola C., Jazzar B. et al. On the interference of boswellic acids with 5-lipoxygenase: mechanistic studies in vitro and pharmacological relevance. Eur J Pharmacol, 2009, 606(1-3), 246-254
- Poeckel D, Werz O. Boswellic acids: biological actions and molecular targets. Curr Med Chem, 2006, 13(28), 3359-3369
- Safayhi H, Mack T, Sabieraj J. et al. Boswellic acids: novel, specific, nonredox inhibitors of 5-lipoxygenase. J Pharmacol Exp Ther, 1992, 261(3), 1143-1146
- Poeckel D., Tausch L., Kather N., Jauch J., Werz O. Boswellic acids stimulate arachidonic acid release and 12-lipoxygenase activity in human platelets independent of Ca2+ and differentially interact with platelet-type 12-lipoxygenase. Mol Pharmacol, 2006, 70(3), 1071-1078
- Safayhi H., Rall B., Sailer E.R., Ammon H.P. Inhibition by boswellic acids of human leukocyte elastase. J Pharmacol Exp Ther, 1997, 281(1), 460-463
- Syrovets T., Gschwend J.E., Büchele B. et al. Inhibition of IkappaB kinase activity by acetyl-boswellic acids promotes apoptosis in androgen-independent PC-3 prostate cancer cells in vitro and in vivo. J Biol Chem, 2005, 280(7), 6170-6180
- Tausch L., Henkel A., Siemoneit U. et al. Identification of human cathepsin G as a functional target of boswellic acids from the anti-inflammatory remedy frankincense. J Immunol 2009, 183(5), 3433-3442
- Siemoneit U., Hofmann B., Kather N. et al. Identification and functional analysis of cyclooxygenase-1 as a molecular target of boswellic acids. Biochem. Pharmacol, 2008, 75(2), 503-513
Links:
Autor
Moritz Verhoff, Apotheker, Abteilung Bioanalytik, AK Werz, Pharmazeutisches Institut, Eberhard Karls Universität Tübingen




