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Torcetrapib Arzneimittelgruppen Lipidsenker CETP-Inhibitoren

Das Torcetrapib-Debakel

This will be one of the most important compounds of our generation“ - Jeffrey B. Kindler, CEO, Pfizer (2006)

Es ist ein wissenschaftliches Paradigma, das zum Allgemeinwissen gehört. Zuviel Cholesterin im Blut erhöht das Risiko für Arteriosklerose und Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall. Unterschieden wird zwischen dem „schlechten“ LDL, das möglichst tief und dem „guten“ HDL, das möglichst hoch gehalten werden soll. Genau diesen Effekt hat Atorvastatin, das in den USA als Lipitor® und in der Schweiz als Sortis® vertrieben wird und zu den weltweit meistverkauften Medikamenten gehört. Der Hersteller Pfizer investierte frühzeitig in die Entwicklung eines Nachfolgers, denn es war natürlich bekannt, dass das Patent mit der Zeit auslaufen und die Umsätze entsprechend einbrechen würden. Generika von Sortis® kamen beispielsweise in der Schweiz im Jahr 2012 in den Handel, in den USA wurden sie Ende 2011 zugelassen.

Ein vielversprechender Kandidat war Torcetrapib, ein sogenannter CETP-Inhibitor (Cholesteryl Ester Transfer Protein), dessen Wirkmechanismus sich von dem der Statine unterscheidet. Torcetrapib hemmt die Übertragung von Cholesterin von HDL auf LDL und VLDL. In einer kleinen Studie konnte gezeigt werden, dass Torcetrapib HDL stark um bis zu 60-100% zu erhöhen und LDL um 20% zu senken vermag. Im Anschluss an die positiven Voruntersuchungen führte Pfizer die grosse ILLUMINATE-Studie mit über 15'000 Probanden durch. Die Hälfte der Teilnehmer erhielt Torcetrapib in Kombination mit Atorvastatin, die Kontrollgruppe hingegen nur Atorvastatin. Doch dann zerplatzten unerwartet die Träume von einem neuen Jahrhundert-Medikament. Die Studie musste nach zirka einem Jahr am 2. Dezember 2006 abgebrochen werden, weil in der Verumgruppe mehr Todesfälle aufgetreten waren (82 vs. 51). Genau diese hätten aber mit der Behandlung verhindert werden sollen. Der Wert von Pfizer sank in dieser Woche um 21 Milliarden US-Dollar.

Weshalb überwogen die Risiken den Nutzen des Medikaments? Die Kernfrage dabei ist, ob es sich um einen Klasseneffekt handelt - ob also die CETP-Inhibition per se ein gesundheitliches Risiko darstellt oder ob nur dieser spezifische Wirkstoff für die Nebenwirkungen verantwortlich war. So war beispielsweise eine leichte Erhöhung des systolischen Blutdrucks und Aldosteron unter Torcetrapib beobachtet worden. Einige Unternehmen investieren weiter in die neue Arzneimittelgruppe. So wird etwa Anacetrapib weiter untersucht.

LiteraturAutor

Interessenkonflikte: Keine / unabhängig. Der Autor hat keine Beziehungen zu den Herstellern und ist nicht am Verkauf der erwähnten Produkte beteiligt.


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Dieser Artikel wurde zuletzt am 14.6.2012 geändert.
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