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Apotheker-Konsultation PharmaWiki

Die Beratung ist in Apotheken traditionell kostenlos, weil sie mit dem Verkauf von Produkten quersubventioniert werden kann. Seit einigen Jahren gerät dieses Modell aber zunehmend unter Druck, auch aufgrund stetig sinkender Medikamentenpreise. Die Apotheker reagieren darauf unter anderem mit der Einführung einer kostenpflichtigen „Apotheker-Konsultation“.

synonym: Apotheker-Sprechstunde, Pharmazeutische Konsultation

Eine Sprechstunde mit dem Apotheker

Gratiszeitungen und Apotheken haben etwas gemeinsam. Beide Unternehmen bieten eine Leistung an, verlangen aber nichts dafür. Wie ist das möglich? Die Gratiszeitung ist für den Leser nur deshalb kostenlos, weil die darin verkaufte Werbung für die Redaktion und den Druck aufkommt.

In Apotheken ist die Beratung durch akademisch ausgebildete Fachleute traditionell ebenfalls gratis. Das ist erstaunlich, denn vergleichbar qualifizierte Akademiker wie beispielsweise die Juristen lassen sich ihre Dienste mehrere hundert Franken pro Stunde kosten.

Die Beratung in Apotheken kann nur deshalb kostenfrei angeboten werden, weil sie mit dem Verkauf von rezeptfreien und verschreibungspflichtigen Medikamenten und zahlreichen weiteren Produkten quersubventioniert wird. Bezahlt werden die Produkte einerseits von den Kunden und andererseits vom Kollektiv der Krankenversicherten.

Seit einigen Jahren gerät dieses Modell zunehmend unter Druck. So werden beispielsweise die Medikamentenpreise in der Schweiz jedes Jahr gesenkt. Dabei geht häufig vergessen, dass an die Preise - wie oben aufgezeigt - auch pharmazeutische Dienstleistungen gebunden sind und der Preis also nicht alleine für das Produkt bezahlt wird. Ein weiterer kritischer Punkt stellt der Preiszerfall durch die Neueinführung von Generika dar. Ende Mai 2012 kamen in der Schweiz erstmals Generika des meistverkauften Cholesterinsenkers Sortis® in den Handel. Innert weniger Wochen fiel der Preis für eine Hunderterpackung Atorvastatin (20 mg) von über 200 Franken auf aktuell etwa 70 Franken.

Die Apotheker versuchen mit verschiedenen Massnahmen auf diese Entwicklung zu reagieren. Als vielversprechendes Mittel wird unter anderem der Verkauf von Dienstleistungen und die teilweise kostenpflichtige Beratung angesehen. Dieser Schritt ist logisch - denn wenn die Zeitung nicht mehr gratis abgegeben werden kann, muss sie eben verkauft werden. Zwei neue derartige Dienstleistungen wurden in der Schweiz bereits eingeführt.

Erstens der sogenannte Polymedikations-Check, bei welchem die medikamentöse Behandlung des Patienten anhand eines Formulars in diskreter Umgebung besprochen wird. Im Dialog zwischen Fachperson und Patient wird während 15-20 Minuten diskutiert, ob der Patient die Medikamente richtig einnimmt und anwendet, er weiss, wieso und wozu sie ihm verabreicht werden und ob er die Einnahme hin und wieder vergisst. Die Kunden sind dafür sehr dankbar. Bei der Namensgebung hat man sich etwas vertan, denn dieser Zungenbrecher ist kaum laientauglich.

Auch bei der zweiten Dienstleistung, netCare , handelt es sich im Prinzip um ein individuelles Gespräch zwischen dem Kunden und der Apothekerin im Beratungsraum. Zu Krankheitsbildern wie beispielsweise Blasenentzündung oder Bindehautentzündung liegen definierte Algorithmen (Handlungsvorschriften) vor, mit welchen der Patient strukturiert abgeklärt wird. Hier besteht zusätzlich die Möglichkeit, einen Arzt des Telemedizinzentrums Medgate über einen Bildschirm direkt in die Apotheke zu holen, was die Möglichkeiten der Beratung erweitert.

Diese neuen Angebote sind interessant und wurden mit grossem Aufwand lanciert. Wir fassen sie unter dem allgemeinen Begriff „Apotheker-Konsultation“ zusammen, also einer Art Sprechstunde beim Apotheker in diskretem Rahmen. Ein Nachteil stellt aus unserer Sicht die Tatsache dar, dass beide Dienstleistungen eingeschränkt und standardisiert sind. So ist netCare beispielsweise nur für eine sehr limitierte Auswahl an Krankheitsbildern möglich. Die Fragestellungen in Apotheken sind aber sehr vielfältig und gleichzeitig ist das Wissen der Apothekerinnen und der Apotheker extrem breit. Deshalb wäre es wünschenswert, eine allgemeine Apotheker-Sprechstunde zu etablieren, die weniger formalisiert ist und welche die Besprechung aller Themen ermöglicht, die in der Apotheke von Bedeutung sind. Eine solche Sprechstunde ist zudem viel kostengünstiger und schlanker zu realisieren als die bisher eingeführten Dienstleistungen.

Vielfältige Fragestellungen in ApothekenAutor

Interessenkonflikte: Keine / unabhängig. Der Autor (AV) ist Apotheker.


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Dieser Artikel wurde zuletzt am 5.11.2012 geändert.
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