Anabolika
Arzneimittelgruppen ZusammenfassungAnabolika sind Arzneimittel, die im Organismus aufbauende Prozesse fördern, im Speziellen den Aufbau von Eiweissen und Muskeln. Sie werden nur selten zur Behandlung von Krankheiten, beispielsweise von aplastischer Anämie, eingesetzt. Vielmehr werden Anabolika illegal als Dopingmittel parallel zu entsprechenden Trainings eingenommen, um den Muskelaufbau zu fördern - mit zahlreichen unerwünschten Wirkungen. Dazu gehören Akne, Gewichtszunahme, Leberschädigungen, unerwünschter Haarwuchs sowie Vermännlichung bei der Frau.
syonym: androgen-anabole Steroide
Struktur
Durch die chemische Modifikationen des männlichen Geschlechtshormons Testosteron wurde versucht, den anabolen Effekt der Androgene zu steigern und gleichzeitig die androgene Wirkung zu reduzieren, um so Wirksubstanzen mit vorwiegend anabolen Eigenschaften zu erhalten.
| Testosteron | Nandrolon | | |
Wirkungen
- anabol: Förderung der Proteinsynthese und des Muskelaufbaus
- Positivierung der Stickstoffbilanz: Dadurch werden Wachstumsprozesse beschleunigt, was sich im Längenwachstum als auch in einer Zunahme des Körpergewichts zeigt.
- Retention von Wasser, Calcium, Phosphat, Kalium und Creatinin
- Vermehrung der Mucopolysaccharide
Wirkmechanismus
Bindung an den Androgenrezeptor
Indikationen
Medizinische Indikationen:
- Aplastische Anämie
- Hypogonadismus
- Wachstumsstörungen
- Osteoporose
Wirkstoffe
Anabol androgene Steroide:
- Testosteron (diverse)
- Nandrolon (Deca-Durabolin®)
- Mesterolon
- Metenolon
- Stanozolol
Andere anabole Wirkstoffe:
- Beta2-Sympathomimetika (Clenbuterol)
- Selektive Androgenrezeptor Modulatoren (SARMs)
- Tibolon
- Zeranol
- Zilpaterol
- Insuline
- Somatotropin
- Choriongonadotropin
Kontraindikationen
Zu den Kontraindikationen gehören unter anderem Prostatakarzinome, Schwangerschaft und eine eingeschränkte Leberfunktion.
Interaktionen
Anabole Steroide können die Glucosetoleranz beeinflussen und den Bedarf an Insulin oder oralen Antidiabetika vermindern. Bei gleichzeitiger Anwendung von Antikoagulantien und Anabolika kann in einer Steigerung der antikoagulierenden Wirkung und der Blutungsneigung resultieren.
Unerwünschte Wirkungen
Frauen:
- Hirsutismus: Männlicher Haarwuchs bei Frauen
- Kehlkopfvergrösserung (tiefe Stimme)
- Klitorisvergrösserung
- Störung der Regelblutungen
- Vermännlichung (Virilisierung)
Männer:
- Unterdrückung der Spermatogenese durch eine Hemmung der FSH-Sekretion
- Gynäkomastie
Beide Geschlechter:
- Akne
- Libidostörungen
- Stimmungsschwankungen
- Aggressivität
- Wasserretention
- Natriumretention
- Bluthochdruck
- Erhöhtes Risiko für Herzinfarkte und Arteriosklerose: HDL-Werte werden erniedrigt, LDL-Werte werden erhöht
- Verstärkung des aggressiven Verhaltens
- Oedeme
- Haarausfall
- Vorzeitiger Epiphysenschluss
- Cholestatischer Ikterus
Beratungshinweise
Da der Gebrauch von Anabolika im Sport nicht erlaubt ist, werden sie grösstenteils illegal über den Schwarzmarkt bezogen. Bei solchen Produkten handelt es sich oft um Fälschungen, die einen anderen Wirkstoff enthalten und nicht in den korrekten Dosierungen angewendet werden.
Wissenswertes
Der Gebrauch von Anabolika in und ausserhalb des Wettkampes ist seit 1976 verboten. Die Dopingliste (www.antidoping.ch) unterscheidet zwischen körperfremden und körpereigenen Anabolika. Falls ein körperfremdes Anabolikum bei einer Dopingkontrolle gefunden wird, ist das Resultat positiv. Beim Nachweis eines körpereigenen Anabolikums müssen weitere Abklärungen getroffen werden, um zu zeigen, ob es sich um einen Missbrauch handelt oder ob die Substanz natürlich gebildet wurde.
Studien aus den USA haben ergeben, dass der Gebrauch von Anabolika ein nicht mehr nur auf den Leistungssport begrenztes Phänomen darstellt, sondern vermehrt auch bei Freizeitsportlern beliebt ist.
siehe auch
Literatur
- Pschyrembel, 261. Auflage
- Kambert M., Müller B., Christ E. R. Doping im Sport – neue Entwicklungen. Schweiz Med Forum, 2004, 4, 1081-1089
- Striegel H., Simon P., Frisch S., Roecher K. et al. Anabolig ergogenic substances users in fitness-sports: a distinct group suppoered by the health care system. Drug Alcohol Depend. 2006, 4, 81, 1, 11-9- Pubmed

- Boos C., Wulff P., Kujath P., Bruch H. P. Medikamentenmissbrauch beim Freizeitsportler im Fitnessbereich. Deutsches Ärzteblatt 95, 1998, Heft Nr. 16
- C. Boos. Medikamentenmissbrauch beim Freizeitsportler im Fitnessbereich. Deutsches Ärzteblatt 95, 1998, Heft Nr. 44
- http://www.dopinginfo.ch/verbotene-substanzklassen/anabolika.html

- http://www.dopinginfo.ch/dopingliste.html

- http://www.nzz.ch/2007/01/07/sp/articleESO59.html

- http://www.beobachter.ch/leben-gesundheit/artikel/_doping-muskelriesen-mit-schrumpfhoden/

- http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=2795





