Entzündung der Mundschleimhaut (Stomatitis)
Indikation
InfektionskrankheitenDie Stomatitis ist eine Entzündung der Mundschleimhaut. Die Ursachen sind vielfältig. Einerseits kann sie infektiös durch Viren, Bakterien oder Pilze, aber auch durch physikalische Irritationen, allergische oder toxische Reaktionen, als Folge von systemischen Erkrankungen, bei Vitaminmangel, als Nebenwirkung von Arzneimitteln oder durch Substanzen wie zum Beispiel Alkohol und Nicotin ausgelöst werden. Bei schweren Verläufen ist die Kau- und Schluckfunktion stark eingeschränkt, was zu einer Mangelernährung und Austrocknung führen kann. Die Behandlung erfolgt nach Ursache meist lokal mit desinfizierenden, entzündungs- und schmerzhemmenden Mundspüllösungen oder Gels.synonym: Entzündung der Mundschleimhaut, Mundfäule, Mundschleimhautentzündung
Symptome
- Rötung
- Entzündung
- Schwellung
- Fleckenförmiger oder grossflächiger Belag
- Mundgeruch
- Schleimhautblutungen
- Läsionen in der Mundhöhle in Form von Aphthen, Erosionen, Ulzerationen und Nekroseherden
- Schmerzen
- Brennen
- Taubheitsgefühl
- Geschmacksverlust
- Schluckbeschwerden und damit verbundene Einschränkung der Nahrungsaufnahme
- Aphthen
- Selten: Bläschenbildung
Ansichten
Kontaktstomatitis:
Pyostomatitis vegetans:
Stomatitis medicamentosa:
Verlauf
Eine Entzündung der Mundschleimhaut geht oft von einer Gingivitis (Zahnfleischentzündung) aus.
Eine Stomatitis kann sowohl lokal begrenzt und mild, aber auch grossflächig und sehr schmerzhaft verlaufen.
Gingivostomatitis herpetica: Beginnt mit Fieber und Allgemeinsymptomen, bevor nach ca. 12 Tagen die ersten Läsionen im Mund auftreten. Ausführliche Informationen finden Sie unter dem Artikel Mundfäule.
Candida albicans ist ein Bestandteil der normalen Mundflora. Bei Patienten mit Antibiotika- oder Kortikosteroidtherapie oder bei Personen mit geschwächtem Immunsystem, wie zum Beispiel AIDS-Patienten, kann es aber zu einer Überwucherung mit diesem Pilz kommen, wodurch eine Candidose entsteht.
Ursachen
Infektiöse Ursachen:
- Bakterien (z.B. Borrelia vincentii, Fusobacterium nucleatum → nekrotisierende Gingivostomatitis, selten: Mycobacterium tuberculosis)
- Viren (z.B. HSV-1 und 2 → Gingivostomatitis herpetica, Coxsackie-Virus, Epstein-Barr-Virus, Influenza-Virus, Cytomegalie-Virus und HIV)
- Pilze (z.B. Candida albicans)
Nicht-infektiöse Ursachen:
- Allergische Reaktionen ausgelöst durch den Kontakt mit einer bestimmten Substanz
Kontaktstomatitis - Toxische Reaktionen, z.B. nach Hitzeeinwirkung, Verätzung, Metallvergiftungen
- Physikalische Irritationen: Mechanische Schädigung, z.B. durch die Verwendung einer harten Zahnbürste oder thermische Schädigung, z.B. durch heisse Speisen und Getränke
- Systemische Erkrankungen wie z.B. Kollagenose, Morbus Behçet, Steven-Johnson Syndrom, entzündliche Darmerkrankungen, Pemphigoid, Zöliakie, Erythema multiforme, Skorbut, Leukämie, Blutgerinnungsstörungen etc.
- Sexuell übertragbare Krankheiten wie Gonorrhoe oder Syphilis können sich auch in Form einer Stomatitis manifestieren.
- Medikamente z.B. Zytostatika, Goldverbindungen
Stomatitis medicamentosa - Vitaminmangel
- Alkohol und Nicotin
- Scharfe Gewürze und saure Lebensmittel
Epidemiologie
Am häufigsten treten viral bedingte Entzündungen der Mundschleimhaut auf, z.B. HSV-Stomatitis. Bei Patienten mit Antibiotika- oder Zytostatikatherapie sowie bei Immunsupprimierten tritt häufig eine Candidose auf.
Komplikationen
- Ulzerationen
- Sekundäre Infektionen
- Mangelernährung und Dehydrierung
- Bei HSV: ZNS- oder Augenbefall
Risikofaktoren
- Trockener Mund mit verminderter Speichelproduktion (fehlender Selbstreinigungsmechanismus)
- Schlechte Mundhygiene
- Alkohol
- Nicotin
- Immunsuppression
- Antibiotikatherapie
- Zytostatikatherapie
- HIV-Infektion
Diagnose
Die Diagnose erfolgt beim Arzt anhand des klinischen Erscheinungsbildes. Wenn die Stomatitis immer wiederkehrt, wird eine Viren- und Bakterienkultur genommen, das Blutbild untersucht und das Serum-Eisen, Vitamin B12, Folat und Zink gemessen.
Differentialdiagnose
- Pemphigoid
- Lichen ruber planus
- Lupus erythematodes
- Sklerodermie
- Syphilis
- Neoplasmen
Medikamentöse Therapie
Die medikamentöse Therapie erfolgt vor allem lokal mit Mundspüllösungen und Gels
- Vitamine: Dexpanthenol, ein Vitamin B-Derivat (Bepanthen®)
- Desinfektionsmittel: Chlorhexidin
- Schmerzmittel: topischen Salicylaten, Paracetamol, Ibuprofen etc.
- Lokalanästhetika: Lidocain
- Glucocorticoide: Triaminchinolon
- Antihistaminika
- Arzneimittel, die einen Schutzfilm bilden: Sucralfat
- Bei Befall durch Krankheitserreger: Antibiotika, Antiviralia (HSV-Stomatitis) oder Antimykotika (Candidose)
- Behandlung der Krankheiten, welche die Stomatitis auslösen
Pflanzliche Therapie
Prävention
- Gute Mundhygiene (inkl. allfälliger Zahnprotesen)
- Befeuchtung der Mundschleimhaut
- Schutz vor Irritationen und Verletzungen der Mundschleimhaut, z.B. durch Verwendung von weichen Zahnbürsten
Beratungshinweise
- Auf gute Mundhygiene achten.
- Die Patienten sollten darauf hingewiesen werden zumindest während der Therapie auf Alkohol und Nicotin zu verzichten.
- Auch bei starken Kau- und Schluckbeschwerden muss eine ausreichende Ernährung sichergestellt werden.
- Vermeiden von sauren oder scharfen Lebensmittel, keine zu heissen Speisen.
siehe auch
Mundfäule, Gingivitis, Aphthen
Wissenswertes
- Eine Stomatitis (Entzündung der Mundschleimhaut) wird oft auch als Mukositis (allgemeine Entzündung der Schleimhaut) bezeichnet
- Orale Candidosen sind eine häufige Nebenwirkung von Steroidtherapien, Antibiotika oder Zytostatika.
- Stomatitis ist bei Chemotherapie-Patienten der häufigste Grund einer ungenügenden Nahrungszufuhr
Verschiedene Formen einer Stomatitis:
- Stomatitis angularis: Stomatitis, die vor allem die Mundwinkel betrifft
- Stomatitis herpetica bzw. Stomatitis aphthosa: Stomatitis in Folge einer primären, durch Herpes simplex-Viren verursachten, Infektion; auch Mundfäule genannt
- Stomatitis bismutica: Stomatitis bei einer Vergiftung mit Bismut
- Stomatitis catarrhalis bzw. Stomatitis simplex: Stomatitis mit katarrhalischem Verlauf
- Stomatitis diabetica: Stomatitis, die bei Diabetes mellitus auftritt
- Stomatitis epidemica: Maul- und Klauenseuche
- Stomatitis gangraenosa: nekrotisierende, gangränöse Entzündung der Mundschleimhaut
- Stomatitis maculofibrinosa: Bednar-Aphthen
- Stomatitis mercurialis: Stomatitis bei einer Quecksilbervergiftung
- Stomatitis mycotica: pilzbedingte Entzündung der Mundschleimhaut
- Stomatitis saturnine: Stomatitis in Folge einer erhöhten Bleiexposition
- Stomatitis ulcero(membrano)sa: Stomatitis mit fortschreitenden, membranbedeckten Geschwüren
- Stomatitis vesiculosa: durch Rhabdoviren verursachte Stomatitis bei Huftieren, die gelegentlich auch beim Menschen auftritt
Literatur
- Roche Lexikon
- Merck Manual
- Infektionsnetz Österreich: http://www.infektionsnetz.at

- http://www.sbk-vs.de/villingen/innere-medizin-ii-haematologie-onkologie/pflege/#c2701


