Lungenentzündung (Pneumonie)
Indikation
InfektionskrankheitenZusammenfassungDie Pneumonie ist eine akute oder chronische Entzündung des Lungengewebes, welche hauptsächlich den Alveolarraum und/oder das Interstitium betrifft und meistens infektiös, seltener aber auch immunologisch oder toxisch bedingt sein kann. Am häufigsten treten bakterielle Lungenentzündungen auf. Die Krankheit wird hauptsächlich durch Tröpfcheninfektion oder durch direkten Kontakt mit kontaminierten Gegenständen übertragen. Eine typische Lungenentzündung äussert sich durch Symptome wie Husten mit Auswurf, Schmerzen im Hals- und Brustbereich, Fieber und eventuell Atemnot. Die Behandlung erfolgt dem Erreger entsprechend mit einem geeigneten Antibiotika.
synonym: Lungenentzündung
Einteilungsprinzipien
- Nach Ursache: Infektion, physikalische oder chemische Noxen, Kreislaufstörungen
- Nach klinisch-pathologischen Aspekten: (typische) alveoläre Pneumonie (Lobarpneumonie, Bronchopneumonie), (atypische) interstitielle Pneumonie
- Nach dem Umfeld während des Ausbruchs der Erkrankung: ambulant erworbene Pneumonie (CAP: community acquired pneumonia), nosokomiale (im Krankenhaus erworben) Pneumonie (NAP: nosocomial acquired pneumonia)
Symptome
Unterscheidungsmerkmale zwischen alveolärer (typischer) und interstitieller (atypischer) Pneumonie:

Chlamydia pneumoniae:
- Fieber
- Halsschmerzen
- Husten
- Spärlicher Auswurf
Chlamydia trachomatis:
- Hustenanfälle mit pfeifender Einatmung (Stakkatohusten) und schleimigem Auswurf
- Fehlendes Fieber
- Eosinophilie
- Erhöhte IgM- und IgG-Konzenatrationen
Mycoplasma pneumoniae:
- Fieber
- Kopf- und Brustschmerzen
- Trockener Reizhusten
- Zu Beginn: spärlicher Auswurf
- Kinder unter 5 Jahren: meist asymptomatisch
Pnumocystitis carinii:
- Schnellatmigkeit
- Atemnot
- Zyanose (Blaufärbung der Haut)
- Unter Umständen Fieber
Streptococcus pneumoniae:
- Fieber (kann sehr hoch sein)
- Schüttelfrost
- Schmerzen des Brustfells
- Atemnot
- Husten mit blutigem Sputum
- Häufig Sepsis
Legionella pneumophila:
- Trockener Husten ohne Auswurf
- Hohes Fieber
Verlauf
Inkubationszeit:
- Chlamydia pneumoniae: 10 Tage oder mehr
- Chlamydia trachomatis: Bei Neugeborenen tritt die Krankheit meistens 4-10 Wochen nach der Geburt in Erscheinung
- Mycoplasma pneumoniae: 6-23 Tage
- Pnumocystitis carinii: nicht genau definiert, die Erkrankung kann 1-2 Monate nach einer Immunsuppression auftreten
- Streptococcus pneumoniae: 1-3 Tage
- Legionella pneumophila: 2-10 Tage
Dauer der infektiösen Phase:
- Chlamydia pneumoniae: unbekannt
- Mycoplasma pneumoniae: normalerweise weniger als 10 Tage
- Pnumocystitis carinii: unbekannt
Verlauf:
- Chlamydia pneumoniae: interstitielle Pneumonie mit mildem Verlauf, aber verzögerter Genesung
- Chlamydia trachomatis: Der Pneumonie geht oft eine Neugeborenen-Konjunktivitis voraus, Krankheitsdauer: 1-3 Wochen
- Mycoplasma pneumoniae: interstitielle Pneumonie, zu Beginn manifestiert sich die Krankheit in Form einer Pharyngitis oder Tracheobronchitis; Krankheitsdauer: variabel (wenige Tage bis über einen Monat)
- Haemophilus influenzae: alveoläre Pneumonie
- Streptococcus pneumoniae: alveoläre Pneumonie mit abruptem Krankheitsbeginn, welcher bei Kindern und älteren Leuten aber auch schleichender sein kann
- Klebsiella pneumoniae: Aufgrund der relativ geringen Pathogenität müssen die Patienten eine gewisse Prädisposition aufweisen um an dieser Form von Lungenentzündung zu erkranken, welche sich als alveoläre Pneumonie manifestiert
- Legionella pneumophila: atypische Pneumonie mit Erkältungskrankheits-ähnlichen Symptomen zu Beginn und anschliessendem schwerem Verlauf (Letalität bei unbehandelter Legionellose: 20%)
- Chlamydia psittaci: interstitielle Pneumonie
Ursachen
Bakterien:
- Chlamydia pneumoniae
- Chlamydia trachomatis
- Mycoplasma pneumoniae
- Streptococcus pneumoniae (Pneumokokken)
- Haemophilus influenzae
- Klebsiella pneumoniae
- Legionella pneumophila
- Chlamydia psitacci
- Coxiella burnetii
Protozoen:
- Pnumocystitis carinii
Viren:
- RSV (Respiratory Syncytial Virus)
- Adenoviren
- Influenzavirus
- Coronaviren
- Eventuell Masern- und Mumpsvirne (als Komplikation)
Die häufigsten Ursachen einer alveolären bzw. interstitiellen Pneumonie:

Übertragung:
- Tröpfcheninfektion
- Direkter Kontakt mit frisch mit respiratorischen Sekreten kontaminierten Gegenständen
- Chlamydia trachomatis: Infektion während der Geburt, falls die Muter an einer zervikalen Chlamydieninfektion leidet
Reservoir:
- Pnumocystitis carinii: neben dem Mensch können Ratten und andere Tiere Träger sein
- Legionella pneumophila: Warmwasserleitungen, Kühltürme und Klimaanlagen
- Chlamydia psittaci: Kann von Vögel über die Luft oder über eingetrockneten Vogelkot auf den Menschen übertragen wird (nicht von Mensch zu Mensch übertragbar)
Epidemiologie
- Im Winter und Frühling werden mehr Krankheitsfälle registriert
Hauptpatientengruppe:
- Chlamydia pneumoniae: junge Erwachsene und ältere Patienten
- Chlamydia trachomatis: Neugeborene
- Mycoplasma pneumoniae: Jugendliche und junge Erwachsene
- Pnumocystitis carinii: HIV-Patienten und unterernährte oder immunsupprimierte Kinder
- Streptococcus pneumoniae: Kleinkindern, ältere Leuten und Personen mit beeinträchtigtem Immunsystem
Komplikationen
Bakterielle Pneumonie:
- Lungenabszess
- Meningitis
- Arthritis
- Endokarditis
- Ileus (Darmverschluss)
- Sepsis, Kreislaufschock und Herzversagen
- Atelektase (kollabierter Lungenabschnitt)
- Chlamydia pneumoniae: Bei ältere Patienten kann eine chronische Bronchitis oder eine Sinusitis als Komplikation auftreten
- Mycoplasma pneumoniae: Stevens-Johnson Syndrom (mit oder ohne pulmonale Erkrankung)
Virale Pneumonie:
- Bakterielle Sekundärinfektion der Lunge
- Mittelohrenentzündung
- Nebenhöhlenentzündung
- Meningitis
- Meningoenzephalitis
- Myokarditis
Risikofaktoren
Streptococcus pneumoniae:
- Beeinträchtigtes Immunsystem, z.B. HIV-Patienten
- Organtransplantation
- Myelom (Krebserkrankung des Knochenmarks)
- Lymphome
- Patienten, denen die Milz entfernt wurde
- Patienten mit einer Langzeitbehandlung mit Glucocorticoiden
- Sichelzellanämie
- Diabetes mellitus
- Chronische Herz- und Lungenkrankheiten
- Niereninsuffizienz
- Leberzirrhose
- Alkoholismus
- Unterernährung
- Luftschadstoffe, welche die Atemwege irritieren
- Alter (Säuglinge und ältere Leute sind besonders oft betroffen)
Risikofaktoren für durch andere Erreger verursachte Pneumonie:
- Diabetiker
- Alkoholiker
- Ältere Patienten mit vielen Erkrankungen
Diagnose
Die Diagnose erfolgt beim Arzt
- Kultureller Nachweis des Bakteriums im nasopharyngealen (Nasen-Rachen) Abstrich
- Immunofluoreszenztest
Differentialdiagnose
- Tuberkulose
- Tumor der Atmungswege
- Lungenabszess
- Lungenödem
Medikamentöse Therapie
- Chlamydia pneumoniae: Tetrazykline
- Chlamydia trachomatis: Erythromycin, Tetrazykline
- Mycoplasma pneumoniae: Erythromycin, Tetrazykline (Die Therapie mit Antibiotika beschleunigt die Heilung, kann aber den Erreger nicht aus dem Rachen entfernen)
- Pnumocystitis carinii: Cotrimoxazol oder Pentamidin
- Streptococcus pneumoniae: parenterales Penicillin G, Erythromycin bei Penicillinallergie oder Vancomycin, Cephalosporine der 3. Generation und Chloramphenicol bei Penicillinresistenz
- Haemophilus influenzae: Aminopenicilline (ev. in Kombination mit Penicillinase-Inhibitoren) oder Cephalosporine
- Legionella pneumophila: Makrolide (ev. in Kombination mit Rifampicin)
Prävention
- Pnumocystitis carinii: zum Teil Dauerprophylaxe mit Cotrimoxazol bei Patienten mit AIDS, lymphatischer Leukämie oder Organtransplantation
- Streptococcus pneumoniae: 23-valenter Polysaccharid-Impfstoff gegen Pneumokokken (Pneumovax®-23) (empfohlen für Personen Risikofaktoren)
- Haemophilus influenzae: Impung gegen Influenzae Typ B
Beratungshinweise
- Bei Pneumonien, die nach 2 Tagen Behandlung nicht ansprechen, sollte immer an eine Infektion mit Legionellen gedacht werden
- In der nähe von Patienten, die an einer Legionellen-Pneumonie erkrankt sind, sollte Wasser immer auf mehr als 60°C erhitz oder durch Sterilfilter behandelt werden.
Wissenswertes
- Virale Erkrankungen prädisponieren bakterielle Infektionen, so ist eine sekundäre bakterielle Pneumonie eine häufige Todesurache in Zusammenhang mit Influenza. Für die Behandlung ist in einem solchen Fall eine Kombinationstherapie mit Neuraminidase-Inhibitoren und Antibiotika sinnvoll, da so die Wirksamkeit der Antibiotika und somit die Überlebenswahrscheinlichkeit von Risikopersonen erhöht wird.
- Beta-Lactam-Antibiotika sind gegen Mycoplasmen nicht wirksam
Pschyrembel Klinisches Wörterbuch, Walter de Gruyter Berlin New York, 1998
Unterscheidung von Asthma bronchiale, Bronchitis und Pneumonie:
- „Asthma bronchiale: anfallsweises Auftreten von Atemnot in Folge von variabler und reversibler Bronchialverengung durch Entzündung und Hyperreaktivität der Atemwege ... kennzeichnend ist die Trias Bronchospasmus, Schleimhautschwellung und Dyskrinie...“
- „Bronchitis: Entzündung der Bronchialschleimhaut, ausgelöst durch verschiedene exogene Reize (infektiös, allergisch, chemisch-irritativ, toxisch); betrifft überwiegend die grösseren Bronchien“
- „Pneumonie: akute oder chronische Entzündung des Lungenparenchyms, meist infektiöser, seltener allergischer, chemischer oder physikalischer Genese“
Literatur
- Richtlinien zur Bekämpfung übertragbarer Krankheiten. Bundesamt für Gesundheit Abteilung Epidemiologie und Infektionskrankheiten, 1996
- Infektionsnetz Österreich: http://www.infektionsnetz.at

- Gross U. Kurzlehrbuch medizinische Mikrobiologie und Infektiologie, Georg Thieme Verlag, 2006
- Empfehlungen für die Pneumokokken-Impfung mit dem 23-valenten Polysaccharidimpfstoff. Bull BAG, 2000, 42, 8-9
- Paul Ehrlich Gesellschaft für Chemotherapie: http://www.p-e-g.org/econtext/

- Epidemiologie, Diagnostik, antimikrobielle Therapie und Management von erwachsenen Patienten mit ambulant erworbenen tiefen Atemwegsinfektionen (akute Bronchitis, akute Exazerbation einer chronischen Bronchitis, Influenza und andere respiratorische Virusinfektionen) sowie ambulant erworbener Pneumonie (S3-Leitlinie). Chemotherapie Journal, 2005, 14(4), 97-155
- de Roux A. et al. Viral community-acquired pneumonia in nonimmunocompromised adults. Chest, 2004, 125(4), 1343-51 Pubmed

- Han L.L., Alexander J.P., Anderson L.J. Respiratory syncytial virus pneumonia among the elderly: An assessment of disease burden. The Journal of Infectious Diseases, 1999, 179(1), 25-30
- McCullers J.A. Effect of antiviral treatment on the outcome of secondary bacterial pneumonia after influenza. The Journal of Infectious Disease, 2004, 190(3), 519-526


