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Carcinoidsyndrom Indikationen

Das Carcinoidsyndrom beruht auf neuroendokrinen Tumoren, die durch übermässige Produktion von Neurotransmittern oder Peptid- und Steroidhormonen (z.B. Serotonin, Histamin, Kinine) zu Beschwerden führen. Wässrige Durchfälle treten bei bis zu 75% der Betroffen auf, teilweise in Kombination mit Flush. Häufig liegt bei Auftreten des Syndroms bereits eine Metastasierung in die Leber vor. Die Lebensqualität der Betroffenen ist durch die übermässige Transmitterfreisetzung stark beeinträchtigt. Die Rot- oder Violettfärbung des Gesichts, Rückens oder der Beine (Flush) kann zur einer sozialen Isolation führen. Die unbehandelte Erkrankung führt zu Herzschäden und Vitamin-B2-Mangel bis hin zu Pellagra. Zur Behandlung stehen Somatostatin-Analoga, chirurgische Verfahren und eine Chemoembolisation der Leberarterie zur Verfügung. Häufig werden zytostatische Therapieprotokolle durchgeführt.

synonym: Neuroendokrine Tumore, Karzinoide, Karzinoid-Syndrom

Symptome

Hauptsymptome sind Durchfälle mit wässrigem Stuhl, Krämpfe im Unterbauch und Flush, d.h. anfallsartige starke Gesichtsrötung oder Violettfärbung, wobei auch der Nacken oder die Beine betroffen sein können. Die unbehandelte oder unerkannte Erkrankung kann zu einem Herzklappendefekt, Teleangiektasien und Pellagra (Vitamin-B2-Mangel) führen.

Ursachen

Das Carcinoidsyndrom beruht auf dem gleichnamigen Tumor, der 1907 von Oberndorfer entdeckt wurde. Er kann alle neuroendokrinologischen Gewebe betreffen, tritt aber am häufigsten in Magen, Kolon, Blinddarm oder in der Lunge auf. Es handelt sich um Tumore mit charakteristischem Aussehen und Färbungsverhalten. Sie können beispielsweise bei Patienten mit einer Hypergastrinämie, also einer erhöhten Gastrinsekretion in das Blut, im Zuge des Zollinger-Ellison-Syndrom entstehen.

Häufig liegt eine exzessive Serotoninfreisetzung der entarteten neuroendokrinen Zellen vor, so dass eine Beeinflussung der Leberfunktion möglich ist. Die in den Leberzellen lokalisierte Monoaminoxidase (MAO) katalysiert den Abbau des vom Tumor freigesetzten Serotonins zu biologisch inaktiver 5-Hydroxyindolacetessigsäure (5-HIAA). Die 5-HIAA Urinkonzentration wird zur definitiven Diagnostik in Kombination mit bildgebenden Verfahren genutzt.

Risikofaktoren

Erkrankungen des Magen- Darm- Traktes, wie das Zollinger-Ellison-Syndrom stellen einen Risikofaktor dar. Auch Schwarzafrikaner haben für die Formen mit Darmbeteiligung ein erhöhtes Erkrankungsrisiko im Vergleich zu anderen ethnischen Gruppen. Eine epidemiologische Studie aus Schweden nennt Carcinoidfälle bei Verwandten ersten Grades, ein hoher Ausbildungsstand und die Geburt in einer Grossstadt als Risikofaktoren.

Diagnose

Die Diagnosestellung erfolgt häufig sehr spät, weil erst dann die typische Symptomatik deutlich wird. Man nutzt vor allem den 5-HIAA Urintest, für den Grenzwerte festgelegt sind. Diagnostisch werden zudem bildgebende Verfahren wie Sonographie, Gewebsentnahme und eine histologische Färbung angewendet.

Differentialdiagnose: Enzym- oder andere Defekte im Neurotransmitterzyklus von Histamin und Serotonin, wie zum Beispiel eine Histaminintoleranz oder eine Migräne. Andere Erkrankungen des hormonbildenden Systems wie Morbus Cushing oder ein Phäochromozytom.

Medikamentöse Therapie

Chemoembolisation:

Somatostatinanaloga:

Serotoninantagonisten:

Vorbeugung

Die frühzeitige Abklärung bei gastrointestinalen Beschwerden erscheint besonders sinnvoll, ansonsten ist eine Tumorprophylaxe schwierig. Mit der Diagnose Carcinoidsyndrom sollte der Betroffene möglichst versuchen, die Symptomatik zu kontrollieren, dies kann z.B. durch Vermeiden von starker sportlicher Betätigung, Alkoholkonsum und stark gewürzten exotischen Gerichten erfolgen.

Als unpezifische Warnsymtome gelten wiederkehrende wässrige Durchfälle und in seltenen Fällen auch andauernder Husten (Carcinoid der Bronchien). Flush ist ein typisches Warnsymptom.

Für Carcinoidpatienten wird eine Supplementierung mit Vitamin B2 (Nicotinamid) empfohlen, um den Mangelerscheinungen aufgrund der exzessiven Serotoninbildung, die Vitamin B2 abhängig ist, entgegen zu wirken.

LiteraturAutor

Matthias Vogelsgesang, Institut für Molekulare Pharmazie der Universität Basel, für PharmaWiki.ch

Peer-Review: PharmaWiki Team


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Dieser Artikel wurde zuletzt am 14.6.2012 geändert.
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