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Endokarditis-Prophylaxe Indikationen

Patienten mit bestimmten Herzleiden haben ein erhöhtes Risiko, als Folge eines medizinischen Eingriffs an Schleimhäuten an einer bakteriellen Endokarditis zu erkranken, weil dabei Bakterien ins Blut gelangen. Zur Vorbeugung dieser seltenen, aber gefährlichen Komplikation werden bei definierten Risikopatienten Antibiotika eingesetzt. Das Standardmedikament bei zahnärztlichen Behandlungen ist gemäss den aktuellen Schweizer Richtlinien Amoxicillin in einer Einmaldosis von 2 g peroral 1 Stunde vor dem Eingriff (Erwachsene).

synonym: Endokarditisprophylaxe

Hintergrund

Medizinische Eingriffe an Schleimhäuten führen zu kurz andauernden Bakteriämien, die eine bakteriellen Endokarditis auslösen können. Eine solche Entzündung der Herzinnenhaut ist zwar sehr selten, aber lebensgefährlich mit einer hohen Mortalität. Patienten mit bestimmten Herzleiden haben ein erhöhtes Risiko, an einer Endokarditis zu erkranken. Dazu gehören Patienten mit einem Klappenersatz, durchgemachter Endokarditis, rekonstruierten Herzklappen, angeborenen Vitien und Patienten nach einer Herztransplantation mit einer neu aufgetretenen Schädigung der Herzklappe. Risikopatienten erhalten in ärztlicher Behandlung einen Endokarditis-Ausweis (Erwachsene: orange, Kinder: dunkelgelb), der bei der Schweizerischen Herzstiftung  erhältlich ist.

Medikamentöse Prophylaxe

Die aktuellen Schweizer Richtlinien finden Sie hier: http://www.kardio.ch/pdf/2008/2008-12/2008-12-078.PDF 

Zur oralen Prophylaxe wird 1 Stunde vor dem Eingriff eine Einmaldosis eines Antibiotikums eingenommen. Der Entscheid über eine Prophylaxe und die Auswahl des Wirkstoffs orientiert sich am Risikoprofil und Alter des Patienten, am Art des Eingriffs und allfälligen Allergien. Eine intravenöse Verabreichung 30 Minuten vor dem Eingriff ist ebenfalls möglich.

Bei zahnärztlichen Eingriffen ist Amoxicillin in einer Dosierung von 2 g p.o. das Mittel der ersten Wahl. Bei Kindern beträgt die Dosis 50 mg/kg p.o. Bei einer Penicillin-Allergie vom Spättyp wird Cefuroxim eingesetzt, bei einer Penicillin-Allergie vom Soforttyp Clindamycin. Hinweis: Die Arzneimittel-Fachinformation weicht von den neuen Richtlinen ab und empfiehlt eine Dosierung von 3 g Amoxicillin für Erwachsene (z.B. Amoxicillin Sandoz®).

Die Prophylaxe ist aufgrund der ungenügenden klinischen Studienlage nach wie vor stark umstritten. Randomisierte und placebokontrollierte Doppelblindstudien konnten aus verschiedenen Gründen bisher nicht durchgeführt werden und die Wirksamkeit der Antibiotika ist in dieser Indikation nicht nachgewiesen (siehe z.B. Oliver et al., 2008). In den letzten Jahren sind aus diesem Grund die Richtlinien international angepasst worden und beschränken sich heute auf Hochrisikopatienten.

siehe auch

Amoxicillin, Penicilline, Cefuroxim, Cephalosporine, Clindamycin, Lincosamide

LiteraturWeitere Informationen

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Dieser Artikel wurde zuletzt am 22.9.2012 geändert.
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