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Monoklonale Antikörper Arzneimittelgruppen Biologika

Therapeutische monoklonale Antikörper sind Wirkstoffe aus der Gruppe der Biologika, die spezifisch und hochaffin an eine molekulare Zielstruktur im Organismus binden. Es handelt sich um Glykoproteine mit einem hohen Molekulargewicht von etwa 150 kDa. Die ersten Maus-Antikörper lösten als körperfremde Substanzen oft eine Immunantwort und Allergien aus. Inzwischen wurden chimäre, humanisierte und humane Antikörper entwickelt, die deutlich weniger immunogen sind. Antikörper üben ihre Effekte häufig durch eine Inaktivierung körpereigener Substanzen oder eine Modulation einer Signalübertragung aus. Einige Antikörper sind durch die Interaktion mit dem Immunsystem zelltoxisch. Antikörper werden heute für zahlreiche Anwendungsgebiete eingesetzt - beispielsweise bei rheumatischen Erkrankungen, Krebserkrankungen, Hauterkrankungen oder bei Asthma. Sie haben in der Regel eine lange Halbwertszeit und entsprechend auch ein langes Dosierungsintervall.

synonym: Therapeutische Antikörper, Antikörper, mAbs

Produkte

Der erste therapeutische monoklonale Antikörper wurde im Jahr 1986 zugelassen. Muromonab-CD3 (Orthoclone OKT3®) bindet an den CD3-Rezeptor auf T-Zellen und wurde in der Transplantationsmedizin verwendet. Mittlerweile sind zahlreiche Arzneimittel mit Antikörpern verfügbar. Eine Auswahl von Wirkstoffen findet sich am Ende dieses Artikels.

Es handelt sich um teure Medikamente. So kostet beispielsweise 1 ml eines TNF-alpha-Hemmers mehrere hundert Franken. Einen wichtigen Anteil an den Kosten haben die Medikamentenentwicklung und die komplizierte Herstellung. Derzeit beginnen viele Medikamente ihren Patentschutz zu verlieren und es kommen etwas günstigere Biosimilars in den Handel.

Struktur und Eigenschaften

Monoklonale Antikörper (mAbs) sind Glykoproteine und Biologika mit einem hohen Molekulargewicht von etwa 150 kDa, die zur Immunglobulin-Superfamilie gehören. Therapeutische Antikörper sind in der Regel γ-Immunglobline (IgG, Gammaglobuline).

IgG-Antikörper sind Homodimere, die aus zwei Heterodimeren mit einer leichten und einer schweren Kette bestehen. Die Untereinheiten sind über Disulfidbrücken verbunden. Es wird zwischen dem Fab-Fragment (fragment antigen binding) und dem Fc-Fragment (fragment constant) unterschieden. Das Fab-Fragment enthält die variablen Regionen, welche an die Zielstruktur oder das Antigen binden.

Herstellung

Antikörper werden mit verschiedenen biotechnologischen Methoden hergestellt. Die ersten murinen Antikörper (Maus-Antikörper) hatten insbesondere den Nachteil, dass sie als fremde Moleküle oft eine Immunantwort und Allergien auslösten. Deshalb wurden chimäre, humanisierte und schliesslich humane Antikörper entwickelt. Sie sind weniger immunogen und haben eine längere Halbwertszeit. Der erste chimäre Antikörper wurde Mitte der 1990er-Jahre freigegeben.

Die Herkunft ist am Suffix erkennbar (allgemein: -mab):

Es wurden auch Antikörperfragmente entwickelt, die nur aus dem antigenbindenden Fab-Fragment bestehen. Ein solcher Wirkstoff ist beispielsweise Ranibizumab (Lucentis®). Die Fragmente verteilen sich besser, weil sie kleiner sind. Sie interagieren zudem weniger mit dem Immunsystem, weil das Fc-Fragment fehlt.

Wirkungen

Antikörper zeichnen sich durch eine spezifische und hochaffine Bindung an eine molekulare Zielstruktur aus. Ein häufiger Wirkmechanismus ist die Inaktivierung des Drug Targets. So bindet beispielsweise Omalizumab (Xolair®) an IgE und übt auf diese Weise antiallergische Effekte aus.

Antikörper können auch an Rezeptoren auf der Zelloberfläche binden und die Signalübertragung beeinflussen. Dies gilt beispielsweise Cetuximab (Erbitux®), der gegen den epidermalen Wachstumsfaktor-Rezeptor (EGFR) gerichtet ist und für die Krebstherapie verabreicht wird.

Einige Antikörper interagieren mit dem Immunsystem und führen über die Aktivierung des Komplementsystems oder von Immunzellen zu einer Zellzerstörung. Dies ist unter anderem bei der Krebstherapie von Bedeutung:

Schliesslich werden mit Antikörpern auch andere Wirkstoffe selektiv zu ihrem Wirkort transportiert (Drug Targeting).

Indikationen

Die Anwendungsgebiete monoklonaler Antikörper werden kontinuierlich breiter. Traditionell wurden Antikörper unter anderem bei Krebserkrankungen und bei rheumatischen Erkrankungen verabreicht.

Heute existieren viele weitere Indikationen (Auswahl): Psoriasis, entzündliche Darmerkrankungen, Osteoporose, multiple Sklerose, Medikamenteninaktivierung, Makuladegeneration, Asthma, Urticaria, Hypercholesterinämie, virale Infektionskrankheiten, Krebsimmuntherapie und atopische Dermatitis.

Dosierung

Antikörper haben in der Regel eine lange Halbwertszeit im Bereich von etwa 14 bis 20 Tagen. Das Dosierungsintervall ist daher wesentlich länger als bei den meisten oralen Arzneiformen. Die Arzneimittel werden üblicherweise subkutan oder intravenös gespritzt resp. infundiert. Sie können auch lokal in ein Organ gespritzt werden. Die Anwendung ist vom Präparat abhängig.

Kontraindikationen

Die vollständigen Vorsichtsmassnahmen finden sich in der Arzneimittel-Fachinformation.

Interaktionen

Arzneimittel-Wechselwirkungen über CYP450, andere metabolische Enzyme oder Transporter sind unwahrscheinlich. Einige Antikörper dürfen nicht mit Lebendimpfstoffen kombiniert werden. Daneben sind weitere, substanzspezifsche Interaktionen möglich.

Unerwünschte Wirkungen

Die Verabreichung von Antikörpern kann zu einer Entwicklung von Autoantikörpern führen, die gegen die Therapeutika gerichtet sind und die Wirkung aufheben (Immunogenität). Bei chimären, humanisierten und humanen Antikörpern ist das Risiko vorhanden, aber im Vergleich mit murinen Antikörpern wesentlich geringer.

Wirkstoffe (Auswahl)LiteraturAutor

Interessenkonflikte: Keine / unabhängig. Der Autor hat keine Beziehungen zu den Herstellern und ist nicht am Verkauf der erwähnten Produkte beteiligt.


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Dieser Artikel wurde zuletzt am 15.11.2017 geändert.
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