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Akute Nebenhöhlenentzündung Indikationen Infektionskrankheiten Erkältung

Eine akute infektiöse Rhinosinusitis ist eine entzündliche Infektionskrankheit der Nasen- und Nebenhöhlenschleimhaut mit Symptomen wie Schwellung, Sekretstau und eitriger Ausfluss. Typischerweise treten Kopfschmerzen beim Vorbeugen und Schmerzen im Bereich der Nebenhöhlen auf. Ursache ist in den meisten Fällen eine viral bedingte Erkältung. Die Erkrankung heilt in der Regel innert 1-2 Wochen von selbst aus und wird nur sehr selten von einer bakteriellen Infektion kompliziert. Zur symptomatischen Behandlung stehen eine Reihe von Arzneimitteln und nicht-medikamentöse Methoden zur Verfügung. Eine Antibiotikatherapie ist nur bei bakteriellen Infekten und langer Krankheitsdauer angezeigt.

synonym: Rhinosinusitis, Nebenhöhlenentzündung, Stirnhöhlenentzündung, Kieferhöhlenentzündung

Anatomischer Hintergrund

Der Mensch besitzt 4 Nebenhöhlen, die Kieferhöhlen (Sinus maxillares), die Stirnhöhlen (Sinus frontales), die Siebbeinzellen (Cellulae ethmoidales) und die Keilbeinhöhlen (Sinus sphenoidales). Sie sind mit der Nasenhöhle über 1-3 mm schmale knöcherne Öffnungen, so genannten Ostien, verbunden und mit einem dünnen respiratorischen Epithel mit Becherzellen und seromukösen Drüsen ausgekleidet. Die Flimmerhaare sorgen für den Abtransport des Schleims in die Nasenhöhle. Nebenhöhlenentzündungen betreffen vor allem die Kieferhöhlen.

Symptome

Einer akuten infektiösen Rhinosinusitis geht meist eine Erkältung mit Beschwerden wie Halsschmerzen, Schnupfen und Entzündung der Nasenschleimhaut voraus. Die Erkrankung äussert sich in einer Verlegung, Sekretstau und eitrigem Ausfluss. Hinzu kommen Kopf- und Sinusschmerzen beim Vorbeugen und einseitige Schmerzen im Bereich der Stirnhöhlen (Stirn, Kieferknochen, zwischen den Augen, Zahnschmerzen). Weitere mögliche Symptome sind Fieber, Postnasal Drip, Husten, Müdigkeit, Störungen des Geruchssinns, Mundgeruch, Nasenpolypen, Stauungs- und Krankheitsgefühl.

Bei Kindern ist das klinische Bild weniger spezifisch. Zwar bessern die Beschwerden bei den meisten Patienten nach 7-10 Tagen, sie können aber auch einige Wochen anhalten. Als akut wird die Erkrankung in den ersten 3 Wochen bezeichnet, als subakut in den Wochen 4-12 und als chronisch nach 12 Wochen. Zu den möglichen Komplikationen gehören eine seltene Ausbreitung der bakteriellen Erreger auf die umliegenden Gewebe (Augenhöhle, Haut, Knochen, Hirnhäute, Gehirn), die Entwicklung einer häufig wiederkehrenden Sinusitis (akut rezidivierende Rhinosinusitis) oder einer chronischen Sinusitis.

Ursachen

Die Ursache der Beschwerden ist eine Entzündung der Nasen- und Nebenhöhlenschleimhaut. Die Zilien werden gehemmt und die Schleimhaut bildet vermehrt Schleim. Dies führt zu einer Schwellung und einer Verstopfung. Die schmalen Verbindungen zwischen Sinus und Nasenhöhle werden verlegt und lösen einen Sekretstau in den Nebenhöhlen aus. Eine Sinusitis wird in den meisten Fällen von Viren als Komplikation einer Erkältung verursacht. Erreger sind oft Rhinoviren, aber auch weitere Viren wie Parainfluenzaviren, Coronaviren, RSV, Adenoviren und Enteroviren kommen als Auslöser in Frage.

Eine bakterielle Rhinosinusitis, z.B. mit Streptococcus pneumoniae, Haemophilus influenzae, Moraxella catarrhalis oder Streptococcus pyogenes, gilt als selten (gemäss der Literatur nur 0.2 bis 2% der Fälle!) und tritt erst verzögert als Komplikation bei längerer Krankheitsdauer auf. Seltener kann eine infektiöse Sinusitis auch von Pilzen, vor allem von Aspergillus und Mucor, verursacht werden. Eine Pilzinfektion ist potentiell gefährlich und muss adäquat behandelt werden.

Diagnose

Die Diagnose wird anhand der Anamnese, des klinischen Bildes und der Krankheitsdauer gestellt. Dabei müssen andere Ursachen wie zum Beispiel allergische Erkrankungen (Heuschnupfen, allergische Rhinitis), Nasenpolypen, Rhinitis medicamentosa, Zahnschmerzen, Kopfschmerzen, Trigeminusneuralgie, Mukoviszidose, Fremdkörper, Tumore, chemische und traumatische Ursachen ausgeschlossen werden.

Bei einem komplizierten oder chronischen Verlauf können weitere diagnostische Methoden zur Anwendung kommen, unter anderem bildgebende Verfahren, Endoskopie und ein Erregernachweis beim Spezialisten. Eine bakterielle Infektion kann vermutet werden, wenn die Symptome länger als 7-10 Tage anhalten, sich nach 5-7 Tagen weiter verschlechtern oder starke Beschwerden auftreten. Die Farbe der nasalen Sekretionen gibt hingegen keinen Aufschluss über die Ursache der Infektion.

Nicht-medikamentöse Behandlung

Zu den empfohlenen nicht-medikamentösen Massnahmen gehören Wärme, z.B.in Form warmer Auflagen (z.B. Cold-Hot Pack) oder Rotlicht, eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr, die Erhöhung der Luftfeuchtigkeit und die Hochlagerung des Kopfendes des Betts. Auf das Rauchen sollte wenn möglich verzichtet werden. Bei Komplikationen kann ein operativer Eingriff angezeigt sein.

Medikamentöse Behandlung

Eine akute Sinusitis heilt bei der Mehrzahl der Patientinnen und Patienten innert zwei Wochen von selbst aus und eine medikamentöse Therapie ist nicht unbedingt erforderlich (Ausnahme z.T. bakterielle Infektionen und Pilzinfektionen). Die Behandlung zielt in erster Linie darauf ab, die Symptome zu lindern. Es sind zahlreiche Arzneimittel im Handel - Erkältungsmittel gehören den meistverkauften Arzneimitteln. Ihre Wirksamkeit ist wissenschaftlich grösstenteils unzureichend dokumentiert.

Schmerzmittel wie Paracetamol oder Ibuprofen sind wirksam gegen die Schmerzen, erhöhte Temperatur und das Krankheitsgefühl. Die entsprechenden Vorsichtsmassnahmen müssen beachtet werden.

Inhalationen mit Wasserdampf, Arzneidrogen (z.B. Kamille, Thymian) oder ätherischen Ölen (z.B. Eucalyptusöl, Thymianöl, Rosmarinöl, Menthol, Cineol, Kampfer) lindern die Beschwerden symptomatisch und können zur Lösung des Schleims beitragen. Die Anwendung ätherischer Öle ist umstritten, da sie möglicherweise die Zilien der Schleimhaut lähmen. Bei Säuglingen und Kleinkindern ist die Anwendung teilweise kontraindiziert. Ätherische Öle können auch in Form von Erkältungsbalsamen, Erkältungsbädern oder als Nasensalben appliziert werden.

In der Phytotherapie ist unter anderem die Einnahme von Kapseln mit ätherischen Ölen (z.B. Myrtol, Eucalyptusöl) oder Arzneidrogen gebräuchlich, z.B. Enzianwurzel, Schlüsselblumenblüten, Sauerampferkraut, Holunderblüten und Eisenkraut. In Deutschland wird auch Bromelain aus Ananas eingenommen.

Nasenspülungen oder Nasensprays mit Salzlösung oder Meerwasser entfernen Schleim, Bakterien und Verkrustungen in der Nase und befeuchten die trockene Schleimhaut.

Abschwellende Nasensprays mit Wirkstoffen wie Xylometazolin oder Oxymetazolin können die Schleimhaut abschwellen und die Atmung erleichtern. Sie dürfen nicht länger als 5-7 Tage in Folge angewandt werden, da sie eine Rhinitis medicamentosa verursachen können. Bei einer akuten Sinusitis sind sie häufig wirkungslos. Oral gefässverengende Mittel wie Phenylephrin und Antihistaminika wie Chlorphenamin sollten aus unserer Sicht aufgrund der möglichen unerwünschten Wirkungen nicht angewandt werden.

Schleimlösende Mittel wie zum Beispiel Acetylcystein, Carbocistein, Ambroxol oder Bromhexin können möglicherweise den Schleim verflüssigen und so seinen Abtransport fördern. Ein Behandlungsversuch ist möglich.

Antibiotika, z.B. Amoxicillin, sind nur angezeigt, falls eine bakterielle Infektion nachgewiesen wurde oder aufgrund der klinischen Symptome nach längerer Krankheitsdauer wahrscheinlich erscheint. Für die genauen Kriterien verweisen wir auf die Literatur. Es ist bekannt, dass aufgrund falscher Vorstellungen zuviele Antibiotika unnötig in dieser Indikation verschrieben werden. In den USA sollen bis zu 90% der Patienten in ärztlicher Behandlung Antibiotika gegen eine Nebenhöhlenentzündung erhalten (Stand 2007). Die Behandlung kann unerwünschte Wirkungen wie Durchfall, Hautausschläge, Candidamykose und bei Frauen einen Scheidenpilz verursachen. Auch topische Antibiotika wie Fusafungin sind in dieser Indikation zugelassen. Ihr Einsatz ist in der Literatur kaum beschrieben.

Glucocorticoid-Nasensprays können die Schleimhautentzündung reduzieren. Die meisten sind in dieser Indikation nicht zugelassen. Mometason ist in der Schweiz zur symptomatischen Behandlung einer „unkomplizierten akuten Rhinosinusitis“ freigegeben, das OTC-Präparat mit Beclometason oder Triamcinolonacetonid hingegen nicht. Orale Glucocorticoide können mehr unerwünschte Wirkungen verursachen. Glucocorticoide gelten als Mittel der ersten Wahl bei Nasenpolypen, die auch im Rahmen einer Sinusitis vorkommen können.

Vitamine und Mineralstoffe wie Vitamin C und Zink werden von einigen Erkrankten eingenommen. Die Wirksamkeit ist wissenschaftich nicht belegt.

Schliesslich sind zahlreiche alternativmedizinische Arzneimittel im Handel, unter anderem Homöopathika, Anthroposophika, Spagyrika und Schüssler-Salze.

LiteraturAutor

Interessenkonflikte: Keine / unabhängig. Der Autor hat keine Beziehungen zu den Herstellern und ist nicht am Verkauf der erwähnten Produkte beteiligt. Bildnachweis: Abbildung 1: © PharmaWiki 2010, basierend auf Brook (2009). Abbildung 2: orzschild - Fotolia.com.


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Dieser Artikel wurde zuletzt am 14.6.2012 geändert.
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