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Xylazin Arzneimittelgruppen Tierarzneimittel α2-Rezeptoren-Agonisten

Xylazin ist ein Wirkstoff aus der Gruppe der α2-Rezeptor-Agonisten, der zur Dämpfung, Schmerzlinderung und Muskelentspannung bei Pferden, Rindern, Hunden, Katzen, Zoo- und Wildtieren eingesetzt wird. Die Wirkungen beruhen auf der Aktivierung von α2-adrenergen Rezeptoren im zentralen und peripheren Nervensystem und sind abhängig von der Dosis und der Tierart. Bei hochträchtigen Tieren ist Xylazin kontraindiziert. Die gleichzeitige Verabreichung von Sedativa, Narkotika und Analgetika verstärkt die Wirkungen und Nebenwirkungen von Xylazin. Zu den häufigsten möglichen unerwünschten Wirkungen gehören Erbrechen sowie verminderte Atem- und Herzfrequenz.

synonym: Xylazinum, Xylazini hydrochloridum PhEur, Xylazinhydrochlorid, Xylazine

Produkte

Xylazin ist als Injektionslösung im Handel. Es ist in der Schweiz ausschliesslich als Tierarzneimittel und seit dem Jahr 1970 zugelassen.

Struktur und Eigenschaften

Xylazin (C12H16N2S, Mr = 220.3 g/mol) ist ein Thiazinderivat. Es liegt als weisses, kristallines Pulver vor, das in Wasser leicht löslich ist. In der Tiermedizin Xylazinhydrochlorid wird verwendet. Xylazin hat strukturelle Ähnlichkeit mit Clonidin und vergleichbare Wirkungen.

Wirkungen

Xylazin (ATCvet QN05CM92 ) hat dämpfende (sedierende), schlaffördernde, schmerzlindernde, muskelentspannende, blutdrucksenkende und stimulierende Eigenschaften auf die Gebärmuttermuskulatur. Es ist sowohl zentral als auch peripher wirksam. Die Wirkungen von Xylazin sind abhängig von der Dosis und der Tierart.

Wirkmechanismus

Xylazin ist ein α2-Rezeptor-Agonist. Die Wirkungen beruhen auf der Aktivierung von α2-adrenergen Rezeptoren im zentralen und peripheren Nervensystem. Im Zentralnervensystem führt die Stimulation dieser Rezeptoren zu Sedation und Schmerzlinderung. Durch Hemmung intraneuronaler Impulse im Rückenmark kommt es zu einer Muskelentspannung.

Indikationen

Zur Dämpfung, Schmerzlinderung und Muskelentspannung bei Pferden, Rindern, Zoo- und Wildtieren, Hunden und Katzen. Xylazin wird für Untersuchungen und Behandlungen wie Kastration, Geburtshilfe, Hufbeschlag, Röntgenaufnahmen, Wundbehandlungen etc. eingesetzt. Die Schmerzlinderung von Xylazin ist für operative Eingriffe nicht ausreichend, weshalb zusätzlich andere Wirkstoffe verabreicht werden müssen. Desweiteren dient Xylazin zur Schmerzlinderung bei Verletzungen und Abdominalschmerzen sowie zur Beruhigung widerspenstiger Tiere beim Verladen und Transport.

Dosierung

Gemäss der Fachinformation. Die Dosierung richtet sich nach dem gewünschten Effekt. Xylazin wird intravenös oder intramuskulär verabreicht, kann aber auch epidural ins Rückenmark oder subkutan gegeben werden. Während der Erholphase sollten sich die Tiere in einer ruhigen Umgebung mit Raumtemperatur befinden und vor Sonneneinstrahlung geschützt werden.

Kontraindikationen

Xylazin ist bei Überempfindlichkeit, Volumenmangel, Dehydratation, Obstruktionen des Harn- oder Verdauungstraks, Herz- und Lungenerkrankungen, tiefem Blutdruck, Diabetes mellitus, Magendrehungen und Schlundverstopfungen kontraindiziert. Hochträchtigen Tieren darf Xylazin nicht gegeben werden, da es aufgrund von Kontraktionen der Gebärmutter zu einem Abort oder einer Frühgeburt kommen kann. Bei kranken oder älteren Tieren muss die Dosis vermindert werden, da diese stärker auf Xylazin reagieren. Bei widerspenstigen, nervösen und aufgeregten Tieren ist die Wirkung von Xylazin beeinträchtigt. Deshalb sollten die Tiere nach dem Verabreichen von Xylazin bis zum Wirkeintritt in Ruhe gelassen werden. Der Anwender darf bei versehentlicher Selbstinjektion auf keinen Fall ein Auto lenken. Schwangere sollten den Umgang mit Xylazin meiden, da bei ihnen eine unbeabsichtigte Selbstinjektion ein Blutdruckabfall des Fötus sowie Kontraktionen der Gebärmutter auslösen kann. Die vollständigen Vorsichtsmassnahmen finden sich in der Arzneimittel-Fachinformation.

Interaktionen

Eine Kombination von Xylazin mit anderen Analgetika, Opioiden, Barbituraten, Chloralhydrat, Ketamin oder Isofluran bewirkt eine Verstärkung der Wirkungen und unerwünschten Wirkungen. Analeptika führen zu einer Abschwächung oder Verkürzung langer, unerwünschter oder tiefer Sedation.

Unerwünschte Wirkungen

Zu den möglichen unerwünschten Wirkungen gehören ein langsamer Puls, tiefer Blutdruck nach anfänglichem Blutdruckanstieg, Herzrhythmusstörungen, verlangsamte Atmung, Unterkühlung, vermehrte Harnbildung, Schwitzen, vermehrter Speichelfluss, Abnahme der Magen- und Darmbewegungen, verminderte Insulinausschüttung, erhöhter Blutzucker und Störungen der Bewegungskoordination.

Bei Hunden und besonders bei Katzen tritt häufig Erbrechen auf, da das Brechzentrum aktiviert wird. Dies kann durch die gleichzeitige Gabe von Metoclopramid oder Ketamin oder durch Fasten vermieden werden. Über Todesfälle bei Hunden und Katzen wurde berichtet. Bei Hunden und Wiederkäuern kann zu einer Aufblähung infolge Gasansammlung im Magen oder Darm kommen. Aus dem Grund sollte man diese Tiere vor der Verabreichung von Xylazin fasten lassen. Im Falle einer Überdosierung können α2-Rezeptorantagonisten wie Atipamezol, Yohimbin, Idazoxan oder Tolazolin verabreicht werden, um die Wirkungen von Xylazin aufzuheben. Auch Kaltwasserduschen können helfen.

siehe auch

Atipamezol, Clonidin, Tolazolin, Yohimbin

LiteraturAutorin

Interessenskonflikte: Keine / unabhängig. Die Autorin (IE) hat keine Beziehungen zu den Herstellern und ist nicht am Verkauf der erwähnten Produkte beteiligt. Review: AV

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Dieser Artikel wurde zuletzt am 12.4.2017 geändert.
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