Rivaroxaban
Arzneimittelgruppe
Antithrombotika
Faktor-Xa-InhibitorenRivaroxaban ist ein antithrombotischer Wirkstoff aus der Gruppe der direkten Faktor-Xa-Inhibitoren. Es hemmt selektiv den Faktor Xa, eine Serinprotease, die Prothrombin zu Thrombin überführt und in der Blutgerinnungskaskade eine zentrale Rolle spielt. Rivaroxaban ist zur Vorbeugung thromboembolischer Komplikationen zugelassen. Im Gegensatz zu den Heparinen kann es als Tablette eingenommen werden und hat im Vergleich mit Phenprocoumon eine vorteilhafte Pharmakokinetik. Zu den häufigsten unerwünschten Wirkungen gehören Blutungen, Wundblutungen, Blutarmut und Übelkeit. synonym: Rivaroxabanum, BAY 59-7939
Produkte
Rivaroxaban ist in Form von Filmtabletten im Handel (Xarelto®). Es wurde in der Schweiz im Dezember 2008 zugelassen.
Struktur und Eigenschaften
Rivaroxaban (C19H18ClN3O5S, Mr = 435.9 g/mol) ist wie das strukturell sehr ähnliche Antibiotikum Linezolid ein Oxazolidinonderivat. Es enthält einen Chlorthiophen- und einem Morpholinonring und bindet L-förmig an sein molekulares Target (siehe unten). Rivaroxaban ist ein reines S-Enantiomer und liegt als geruchloses, weisses bis gelbliches Pulver vor, das in Wasser praktisch unlöslich ist.

Wirkungen
Rivaroxaban (ATC B01AF01
) ist antithrombotisch. Faktor Xa spielt in der Blutgerinnungskaskade eine zentrale Rolle. Es handelt sich um Serinprotease, die sowohl beim extrinsischen wie auch beim intrinsischen Weg aus Faktor X gebildet wird und die Bildung von Thrombin aus Prothrombin katalysiert. Thrombin überführt Fibrinogen zu Fibrin und fördert so zur Entstehung des Fibrinpfropfs. Rivaroxaban ist ein direkter, reversibler und selektiver Inhibitor von Faktor Xa. Der Wirkstoff bindet an die Active Site des Enzyms (zum Vergrössern anklicken):
Rivaroxaban muss nicht wie die Heparine oder Fondaparinux unter die Haut gespritzt werden, sondern kann einmal täglich in einer fixen Dosis als Tablette eingenommen werden. Eine Dosisanpassung ist nur in Ausnahmefällen erforderlich. Es hat im Gegensatz zu Phenprocoumon eine vorhersagbare Pharmakokinetik, einen schnellen Wirkungseintritt und eine mittellange Halbwertszeit. Es ist kein Monitoring notwendig.
Indikationen
- Thromboseprophylaxe bei grösseren orthopädischen Eingriffen an den unteren Extremitäten wie Hüft- und Knieprothesen.
- Tiefe Venenthrombose, Vorbeugung der tiefen Venenthrombose und Lungenembolie nach einer akuten tiefen Venenthrombose.
- Zur Reduktion des Risikos für einen Schlaganfall oder eine Embolie bei Patienten mit nicht durch Herzklappenfehler bedingtem Vorhofflimmern.
Dosierung
Gemäss der Fachinformation. Rivaroxaban kann mit oder ohne Nahrung eingenommen werden. Dosisanpassungen sind nur in Ausnahmefällen notwendig und es ist kein Monitoring notwendig (Quick, INR).
Kontraindikationen
- Überempfindlichkeit
- Bakterielle Endokarditis
- Aktive Blutung
- Schwere Lebererkrankung mit Blutungsrisiko, Leberinsuffizienz, Niereninsuffizienz
- Akutes gastrointestinales Ulkus, gastrointestinale ulzerative Erkrankungen
Die vollständigen Vorsichtsmassnahmen finden sich in der Arzneimittel-Fachinformation.
Interaktionen
Rivaroxaban wird von CYP3A4, CYP2J2 und CYP-unabhängigen Mechanismen metabolisiert und ist ein Substrat von P-Glykoprotein und BCRP. Es wird zu 2/3 metabolisiert und zu 1/3 unverändert ausgeschieden.
Starke Hemmer von CYP3A4 wie Azol-Antimykotika (z.B. Ketoconazol) oder HIV-Proteasehemmer (z.B. Ritonavir) können die Plasmakonzentrationen von Rivaroxaban erhöhen und zu einer Wirkungsverstärkung führen. Damit steigt auch das Risiko für Blutungen.
Starke Induktoren von CYP3A4 wie Phenytoin, Carbamazepin, Phenobarbital und Johanniskraut können zu einer Verminderung der Wirkung führen und damit das Risiko für thromboembolische Komplikationen erhöhen.
Bei der Anwendung anderer Medikamente, die auf die Blutgerinnung wirken, ist Vorsicht geboten.
Unerwünschte Wirkungen
Zu den häufigsten unerwünschten Wirkungen gehören Blutungen, Wundblutungen, Blutarmut und Übelkeit. Gelegentlich können unter anderem Schwindel, Kopfschmerzen, ein schneller Pulsschlag, tiefer Blutdruck, Verdauungsbeschwerden wie Verstopfung oder Durchfall, Fieber, Hautreaktionen und Oedeme auftreten. Auch Nierenfunktionsstörungen kommen gelegentlich vor. Selten kommt es zu einer Störung der Leberfunktion, einer Gelbsucht und einer Überempfindlichkeit.
siehe auch
Phenprocoumon, Heparine, Dabigatran, Apixaban
Literatur
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- http://www.xarelto.com
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